Gipfeltreffen von DFB und DFL: Rückendeckung für Löw und Bierhoff

Foto: Daniel Roland/AFP/Getty Images

Schulterschluss statt Schuldzuweisungen, Unterstützung statt Umsturz: Bundestrainer Joachim Löw und Direktor Oliver Bierhoff dürfen sich nach dem Gipfeltreffen des DFB mit der DFL als große Gewinner fühlen. Trotz des WM-Debakels erhielt die angezählte sportliche Leitung am Dienstag in Frankfurt die Rückendeckung des Profifußballs. Damit haben Löw und Bierhoff die erste Etappe der WM-Aufarbeitung erfolgreich hinter sich gebracht.

„Wir haben Joachim Löw und Oliver Bierhoff das Vertrauen ausgesprochen“, sagte Ligaboss Reinhard Rauball. DFB-Präsident Reinhard Grindel betonte nach dem rund dreistündigen Treffen in der DFL-Zentrale den Zusammenhalt der Verbände. „Der DFB und die DFL ziehen an einem Strang. Das war der intensivste Austausch, den wir in der jüngeren Vergangenheit hatten. Wir waren noch nie so eng zusammen“, äußerte er. Dank der Übereinkunft sind vor der Vergabe der EM-Endrunde 2024 am 27. September keine Querschüsse mehr zu erwarten.

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Mit dem Vertrauensbeweis im Rücken dürfte der Gang von Löw und Bierhoff vor das DFB-Präsidium am Freitag in München und die Bekanntgabe des Kaders für den Neustart (29. August) nur noch halb so schwer werden. Die Unterstützung durch die DFL hat für den DFB aber auch seinen Preis. „Der Dialog über effizientere Prozesse im Hause des DFB“ soll fortgeführt werden, hieß es in der gemeinsamen Erklärung. Im Klartext bedeutet dies, dass der DFB die von der DFL angemahnte Strukturdebatte annehmen muss. Mit Blick auf die DFB-Auswahl wurde ausgelotet, „wie man gemeinsam die Nationalmannschaft und die Entwicklung des deutschen Fußballs wieder auf Weltniveau bringen kann“. Ein „verbesserter Austausch zwischen den Sportverantwortlichen bei Klubs und DFB, die Arbeit in den Leistungszentren der Bundesliga und 2. Bundesliga und die Trainer-Ausbildung“ standen dabei im Mittelpunkt. Zudem wurde vereinbart, in dieser Besetzung in absehbarer Zeit erneut zusammen zu kommen.

„Die Mannschaft“ soll auf den Prüfstand

Die Liste der Teilnehmer des „Krisengipfels“ war hochkarätig. Neben Grindel und Rauball waren unter anderem DFL-Chef Christian Seifert, Karl-Heinz Rummenigge (FC Bayern München), Matthias Sammer, Hans-Joachim Watzke (beide Borussia Dortmund), Rudi Völler (Bayer 04 Leverkusen), Max Eberl (Borussia Mönchengladbach), Christian Heidel (FC Schalke 04), Jörg Schmadtke (VfL Wolfsburg), Stefan Reuter (FC Augsburg), Michael Preetz (Hertha BSC), Fredi Bobic (Eintracht Frankfurt) und DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius mit von der Partie. Im Vorfeld des Treffens ließ Grindel bereits tiefgreifende Veränderungen anklingen. In der DFB-Struktur soll Bierhoff entlastet werden. Grindel kündigte die Wiedereinstellung eines Sportdirektors sowie eines Leiters für das Akademie-Projekt an, die dann aber weiter Bierhoff unterstellt sein werden. Auch der von Bierhoff ins Leben gerufenen Begriff „Die Mannschaft“ soll auf den Prüfstand kommen.

Löw muss dem DFB-Präsidium und der Öffentlichkeit andere Antworten geben. Die veraltete Spielweise, sein kritisierter Führungsstil, die Kader-Zusammensetzung, die Auswirkungen der Erdoğan-Affäre, die Überheblichkeit der Stars und der mangelnde Zusammenhalt sind nur einige der Themen. Mit Blick auf die Nominierung des Kaders für die Spiele am 6. September in München gegen Weltmeister Frankreich und am 9. September in Sinsheim gegen Peru ist die Personalwahl Löws noch offen. Bisher haben lediglich Mesut Özil und Mario Gómez (mit Hintertürchen) ihren Rücktritt erklärt.

(sid)