Gladbach und Frankfurt im Duell der Selbstverortung

Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images

Mächtig Selbstbewusstsein hat Eintracht Frankfurt in den vergangenen Tagen gesammelt. Bei Borussia Mönchengladbach wollen die Hessen nun endlich den zweiten Saisonsieg holen – der Gegner allerdings gibt sich nach der jüngsten Niederlage kämpferisch. Für beide Teams wird das Duell am Mittwochabend (20.30 Uhr) eine Standortbestimmung.

Seine Mannschaft stecke „in einer Entwicklung“, sagte Borussia-Trainer Dieter Hecking. „Geduld“ sei gefragt. Mit diesen Erklärungsansätzen versuchte der 54-Jährige am Dienstag noch einmal, den jüngsten Tiefschlag zu verdauen. Mehr schließlich hatte sich Gladbach vom Auftritt in Berlin versprochen, am Ende allerdings fuhren die „Fohlen“ am vergangenen Samstag mit einer 2:4-Klatsche im Gepäck nach Hause. Entsprechend weiß Gladbach aktuell noch nicht so recht, auf welchem Leistungsstand sich die Mannschaft befindet. Bereits in der Vorsaison wechselten sich furiose und fatale Auftritte stetig ab. Trotz der jüngsten Niederlage ist Hecking „zufrieden“ mit dem Saisonstart, immerhin sieben Punkte hat sein Team aus den ersten vier Spielen geholt. Insbesondere die offensive Qualität der Borussia überrascht, schließlich fehlen mit Lars Stindl und Raffael zwei Leistungsträger. Beide werden auch gegen Frankfurt und anschließend in Wolfsburg ausfallen, stellte Hecking fest. Umso größer ist weiterhin der Druck für Alassane Pléa. Mit bislang zwei Toren fügte sich der Rekordeinkauf auf Anhieb gut ein und kassierte dafür ein Sonderlob von seinem Trainer. „Klasse“ sei es, sagte Hecking, wie der Franzose „diese Situationen erkennt und nutzt“.

- Anzeige -

Auch Eintracht-Trainer Adi Hütter könnte das Wort Entwicklung gut verwenden. Die Hessen schließlich erlebten im Sommer einen personellen Umbruch und wandeln seitdem immer nah an der Krise. Zuletzt aber war ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Auf ein 2:1 in der Europa League bei Vorjahresfinalist Olympique Marseille folgte ein 1:1 in der Liga gegen RB Leipzig. Entsprechend freut sich Hütter, dass es nun, nur drei Tage später, gleich weitergeht. „Am liebsten jeden zweiten Tag“ würde seine Mannschaft spielen, sagte der Österreicher, zumal in der aktuellen Verfassung. Dabei appellierte Hütter erneut an sein Team, in jedem Spiel an die Leistungsgrenze zu gehen: „Es geht um die Bereitschaft in der Offensive und wie ich in den Sechzehner gehe und den Willen habe, ein Tor zu erzielen“, sagte er. „Umgekehrt natürlich genauso. Da gilt es, dass schon die Offensivspieler die ersten Verteidiger sind.“ Hoffnung auf den zweiten Saisonsieg nach dem 2:0 in Freiburg gibt zudem die Personalsituation. Hütter nämlich kann in Gladbach beinahe aus dem Vollen schöpfen, Ante Rebić steht möglicherweise zum ersten Mal in dieser Saison in der Startelf. Fehlen werden voraussichtlich nur Lucas Torró (Probleme mit dem Schambein) und Marco Fabián (Knieprobleme).

Borussia Mönchengladbach: Sommer – Lang, Ginter, Elvedi, Wendt – Strobl – Hofmann, Neuhaus – Johnson, Hazard – Pléa

Eintracht Frankfurt: Trapp – da Costa, Abraham, Russ, Willems – de Guzmán, Hasebe – Müller, Rebić, Kostić – Haller

Mächtig Lob verteilten beide Trainer vor dem Duell am Mittwoch an den jeweiligen Gegner. Kein Wunder, schließlich weiß weder die Borussia noch die Eintracht derzeit, wohin die Reise in dieser Saison gehen wird. Solide Auftritte und totale Einbrüche wechselten sich bei beiden Mannschaften zuletzt ab. Am Ende dürfte sich am Mittwoch daher das Team durchsetzen, das den besseren Tag erwischt. Zwar verfügt Gladbach grundsätzlich über die höhere individuelle Qualität, mit aggressivem Spiel aber haben die Frankfurter zuletzt bereits Leipzig weitestgehend ruhiggestellt.