Götzes kniffliger Saisonauftakt

Foto: Sascha Schuermann/AFP/Getty Images

Champions League-Teilnehmer Borussia Dortmund hat sich im Sommer mit den Mittelfeldspielern Thomas Delaney (20 Millionen Euro/SV Werder Bremen) und Axel Witsel (20 Millionen Euro/Tianjin Quanjian) verstärkt. Mario Götze hat darunter aktuell zu leiden, der 2014er-Weltmeister muss sich mit einem Platz auf der Bank begnügen.

Als im Frühsommer dieses Jahres klar war, dass Peter Stöger im Mai seinen Posten als Cheftrainer des BVB räumen würde, dürfte im Hause Götze gute Laune geherrscht haben. Es war kein Geheimnis, dass der Österreicher und der 2014er-Weltmeister ein angespanntes Verhältnis hatten. Unter Stöger war Götze kein fester Bestandteil der Dortmunder Startelf, spielte lediglich eine durchwachsene Rückrunde und wurde als Konsequenz von Bundestrainer Joachim Löw nicht für die WM in Russland nominiert. Ersetzt wurde der 52-jährige Stöger von Lucien Favre, der nun die Geschicke bei den Westfalen leitet.

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In der Vorbereitung schien Götze auf einem guten Weg zurück zu alter Form. Beim 26-Jährigen waren wieder Spielwitz und Leichtigkeit zu spüren und auch Favre schien Gefallen an Götzes Spiel gefunden zu haben. Belohnt wurde der Mittelfeldspieler für eine ordentliche Vorbereitung mit einem Startelf-Einsatz im DFB-Pokal gegen die SpVgg Greuther Fürth (2:1 n.V.). 64 Minuten lang stand der 26-Jährige auf dem Feld. Seit seiner Auswechslung in Fürth ist die rosige Zeit aber erst einmal vorüber. Weder beim Bundesliga-Auftakt gegen RB Leipzig (4:1) noch am 2. Spieltag in Hannover (0:0) kam der 2014er-Weltmeister zum Einsatz. Vielmehr setzt Favre aktuell auf Mahmoud Dahoud, der in beiden Ligaspielen von Beginn an auf dem Feld stand.

Kein Platz für den Kreativspieler

Besonders bezeichnend: Obwohl Favre mit einem Punkt in Hannover keinesfalls vollends zufrieden sein konnte, wechselte er nur zweimal. In der Schlussphase brachte der Coach lediglich Jadon Sancho (79., für Maximilian Philipp) und Raphaël Guerreiro (86., für Dahoud). Die frische Offensivkraft Götze, die den Unterschied hätte ausmachen können, saß hingegen 90 Minuten lang auf der Bank und sah zu, wie sich seine Kollegen abmühten. Die Krux für Götze liegt dabei im System seines Trainers: Favre setzt auf ein 4-3-3 mit einem Mittelfeld, in dem es keinen Zehner gibt. Götzes Lieblingsposition ist nicht vorhanden. Und zwei der drei Plätze nehmen die insgesamt 40 Millionen Euro schweren – und defensiv wesentlich stärkeren – Neuzugänge Delaney und Witsel ein.

Favre spielt den Fall Götze herunter. „Es ist, wie es ist“, sagte er nach dem Spiel gegen Hannover. Der Schweizer will das Thema nicht zu hoch hängen und erklärte seine Maßnahme, Götze nicht einzusetzen, mit dem Charakter des Spiels. „Es war sehr, sehr intensiv mit vielen Zweikämpfen. Es ging hin und her, beide Mannschaften sind viel gelaufen“, sagte er. In so einer Partie sei es wichtig, „körperliche Präsenz“ und „Körpergröße“ auf dem Platz zu haben, fügte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung, hinzu. Götze ist ein filigraner Techniker am Ball, der nicht zwingend für hohe Zweikampfpräsenz bekannt ist. Sein nächstes Spiel bestreitet der BVB am 14. September (20.30 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt. Womöglich setzt Favre ja dann auf einen Kreativspieler wie Götze.