Goretzka als Türöffner in Stuttgart

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Matchwinner Leon Goretzka nahm die vielen Glückwünsche nach seiner Gala vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw etwas widerwillig entgegen. Das lag nicht etwa an der Bescheidenheit des Neuzugangs, der den FC Bayern München per Tor und Vorlage beim 3:0 (1:0) beim VfB Stuttgart an die Tabellenspitze führte. Wegen eines gebrochenen Mittelfingers spielte Goretzka mit verbundener rechter Hand, da fiel das viele Händeschütteln etwas schwerer.

Doch der überragende Nationalspieler konnte es verschmerzen. „Ich bin auf jeden Fall zufrieden und freue mich, dass es mit einer guten Leistung geklappt hat“, sagte der 23-Jährige, den die Bayern im Sommer ablösefrei von Vizemeister FC Schalke 04 geholt hatten – ein echtes Schnäppchen. Mit seinem sehenswerten Treffer (37.) und der Vorlage zu Robert Lewandowskis 2:0 (62.) hatte Goretzka gleich bei seinem ersten Einsatz in der Startelf entscheidenden Anteil am Sieg. „Er war unser Türöffner“, lobte Trainer Niko Kovač. Unwiderstehlicher Drang in die Tiefe von der Achterposition, ein Schuss Aggressivität, dazu Schnelligkeit – Goretzka sei „genau der richtige Mann“ gewesen gegen den tiefstehenden VfB. Weil die Bayern und die Nationalmannschaft fast durchweg auf derart defensiv eingestellte Kontrahenten treffen, wird Goretzka eine große Zukunft in beiden Teams prophezeit.

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In Löws Planungen für die nach dem WM-Desaster zu erneuernde DFB-Elf spielt er eine Schlüsselrolle. Mit Sami Khedira und Sebastian Rudy verzichtete der Bundestrainer im Kader für den Neustart gegen Frankreich (Donnerstag) und Peru (Sonntag) auf zwei Konkurrenten des Münchners im Mittelfeld – ein Vertrauensbeweis. „Ich werde versuchen, da alles zu geben und mich zu zerreißen“, sagte Goretzka über die anstehende Länderspielwoche. Dass Löw (auch) ihn beobachtet hatte, erfuhr er erst nach dem Spiel, „aber ich wollte mich auch nicht für die Nationalmannschaft beweisen, sondern vor meinen Mitspielern. Ihnen zeigen, dass ich helfen kann.“ Das gelang mit Bravour, wenngleich Goretzka monierte, dass ihm bei seinen fünf Torschüssen (Topwert) mindestens ein weiterer Treffer hätte gelingen müssen.

„Momentan liefert jeder alles ab“

Seine Integration in München sei „gut gelungen“, meinte er, die Kollegen in diesem „Verein von Weltformat“ hätten es ihm „nicht schwer gemacht“. Alle hätten „eine unglaubliche Mentalität“, sagte Goretzka, und trotz vieler Erfolge „unglaublichen Hunger“. Das Zwischenergebnis: Vier Pflichtspiele, vier Siege. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte Kovač über seine erste Bilanz. Der ebenfalls starke Thomas Müller, der den 3:0-Endstand besorgt hatte (76.), meinte: „Momentan liefert jeder alles ab.“ Präsident Uli Hoeneß verabschiedete sich beseelt lächelnd aus Stuttgart: „Wir waren zufrieden, das sah nach Fußball aus.“

Droht der nächste Münchner Durchmarsch? „Da würde ich ein bisschen demütiger bleiben. Es war erst der zweite Spieltag“, sagte Goretzka. Sportvorstand Michael Reschke vom VfB Stuttgart, der nach einem historischen Fehlstart mit drei Pflichtspielpleiten ohne Tor auf Platz 18 stürzte, meinte dagegen: Es sei „völlig klar, dass Bayern München deutscher Meister wird – und zwar nicht nur dieses Jahr, sondern dieses, nächstes und übernächstes. Die haben eine Granaten-Mannschaft, da kann keiner dran tippen in Deutschland.“

Fein auf Leihbasis nach Regensburg

U20-Nationalspieler Adrian Fein zieht es auf Leihbasis zu Zweitligist SSV Jahn Regensburg. „Wir sind davon überzeugt, dass sich Adrian bei Jahn Regensburg sehr gut entwickeln und die ersten Schritte in der zweiten Liga machen wird“, sagte Jochen Sauer, Leiter des FC Bayern Campus. Fein schloss sich bereits im Jahr 2007 dem Nachwuchs des FC Bayern an und durchlief dessen komplette Jugendabteilung. Aktuell gehört er dem Kader der deutschen U20-Nationalmannschaft an und unterschrieb im Sommer seinen ersten Profivertrag (bis 2021) beim FC Bayern.