Grifos zweiter Anlauf bei der TSG mit Startschwierigkeiten

Foto: Christof Strache/AFP/Getty Images

Rückkehrer Vincenzo Grifo will bei der TSG 1899 Hoffenheim nach einem durchwachsenen Jahr in Mönchengladbach wieder zu alter Stärke finden. Beim Auftakt gegen den FC Bayern München (1:3) wurde allerdings deutlich, dass die Kraichgauer Geduld mit dem offensiven Mittelfeldakteur haben müssen.

Für Grifo bedeutete der Wechsel von Borussia Mönchengladbach nach Hoffenheim eine Rückkehr in die sportliche Heimat. Von 2012 bis 2015 stand der gebürtige Pforzheimer bereits bei der TSG unter Vertrag und feierte dort im Alter von 19 Jahren sein Profi-Debüt. „Es fühlt sich ein bisschen wie nach Hause kommen an. Ich erinnere mich an mein erstes Bundesliga-Spiel in der Rhein-Neckar-Arena noch genau, und ich kann kaum beschreiben, wie sehr ich darauf brenne, hier in der Nähe meiner Heimat in der neuen Saison anzugreifen“, sagte Grifo bei seiner Vorstellung im Juni.

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Knapp zwei Monate später lässt sich ein erstes Zwischenfazit ziehen, das zunächst einmal positiv ausfällt: In Hoffenheim wird wieder auf den 25-Jährigen gebaut, nachdem er in der vergangenen Spielzeit nur Reservist war. Nach überzeugender Vorbereitung stand Grifo sowohl im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern (6:1) als auch zum Liga-Auftakt gegen die Bayern in der Startelf – wohlgemerkt ohne wirkliche Konkurrenz, da in Kerem Demirbay, Nadiem Amiri, Lukas Rupp und Dennis Geiger vier Achter noch verletzt fehlen.

Schwacher Auftritt in München

Dass Grifo noch nicht hundertprozentig wieder im Rhythmus ist, zeigte sein Auftritt beim Rekordmeister am vergangenen Freitag. Trainer Julian Nagelsmann bot den Deutsch-Italiener neben dem ebenfalls neu verpflichteten Leonardo Bittencourt auf der Doppel-Acht auf – und betraute den eher offensiv ausgerichteten Spielmacher mit ungewohnten Defensiv-Aufgaben. Die Nervosität beim Auftakt gegen den Ligaprimus war Grifo deutlich anzumerken, im Spielaufbau kam der Edeltechniker kaum zur Entfaltung und agierte am Ball ungewohnt fahrig. Nach nur 15 Ballaktionen und einem ingesamt schwachen Auftritt nahm Nagelsmann ihn schon zur Pause raus und brachte dafür den Schweizer Steven Zuber, der seine Sache ordentlich machte, ohne positiv hervorzustechen.

Die Kurskorrektur Nagelsmanns in der Halbzeit zeigte Grifo deutlich: Auch wenn die Personaldecke im zentralen Mittelfeld aktuell dünn ist, darf sich niemand seines Platzes in der ersten Elf sicher sein. Gegen den SC Freiburg könnte der Neuzugang erst einmal auf der Bank Platz nehmen und Zuber seine Chance von Beginn an erhalten. Denkbar und wohl wahrscheinlicher ist aber auch, dass Nagelsmann weiter auf den feinen Fußballer setzt, um ihm den Druck zu nehmen. Mindestens so lange, bis Demirbay und Amiri zurückkehren, werden Grifos Qualitäten als kreativer Spielmacher im TSG-Mittelfeld dringend benötigt. Die Eingewöhnung des vielseitigen Achters sollte daher schnell vonstatten gehen. Logisch ist, dass er mit seiner defensiver ausgelegten Rolle unter Nagelsmann noch fremdelt, auch das Jahr ohne regelmäßige Spielpraxis in Mönchengladbach ging nicht spurlos an dem sensiblen Rechtsfuß vorüber.

Grifo blüht auf, wenn er Vertrauen spürt

Am stärksten ist Grifo, wenn er großes Vertrauen in seine Fähigkeiten spürt, nicht ohne Grund hatte er seine stärkste Zeit beim SC Freiburg, wo „Vaterfigur“ Christian Streich voll auf ihn setzte. Nagelsmann war für den Mittelfeldakteur ein Grund, zurück nach Hoffenheim zu gehen – vom 31-jährigen Fußballlehrer erhofft er sich die perfekten Bedingungen für eine Rückkehr zu alter Stärke. „Er schaut schon sehr genau, dass alles nach bestimmten Richtlinien geht. Aber er gibt dir auch die Freiheit auf dem Platz, die du brauchst“, erklärte Grifo jüngst. Und glaubt man den Worten von TSG-Sportdirektor Alexander Rosen, soll Grifo auf seinem steinigen Weg zur wertvollen Säule behutsam aufgebaut werden. „Die zurückliegende Saison verlief sicher nicht optimal für Vince, aber er hat in der Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen, was er auf höchstem Niveau leisten kann. Wir sind überzeugt davon, ihm ein Umfeld bieten zu können, in dem er wieder auf sein Top-Niveau kommt“, meinte Rosen. Der missglückte Auftakt in München gibt also noch keinen Anlass zu Alarmstimmung.