„Große Sauerei“: Völler knöpft sich Herrlich-Kritiker vor

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Dem Spektakel auf dem Platz folgte ein Wutanfall in den Katakomben: Rudi Völler kritisierte nach dem 6:2-Kantersieg von Bayer 04 Leverkusen in Bremen den Umgang mit Heiko Herrlich scharf – den Druck vom Trainer nimmt das nur bedingt.

„Das finde ich eine große Sauerei“, schimpfte der Sport-Geschäftsführer und ließ dem Spektakel auf dem Platz eine seiner legendären Wutreden folgen. „Wirklich unsäglich“ und „unglaublich“ sei der Umgang mit Coach Herrlich, polterte Völler und echauffierte sich darüber, dass der Trainer im Interview beim Bezahlsender Sky seiner Meinung nach „vorgeführt“ worden sei. Handgestoppte 3 Minuten und 28 Sekunden dauerte Völlers Predigt vor und an die Medien im Kabinentrakt des Bremer Weserstadions. Der 58-Jährige sprach leise, doch seine Worte waren hochexplosiv – und mit Bedacht gewählt. Die Inhalte erinnerten ein wenig an die denkwürdige Pressekonferenz der Bayern-Bosse anderthalb Wochen zuvor, auch wenn Völler klarstellte: „Ich will jetzt nicht an die Menschenwürde herangehen.“ Immerhin.

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Im Orkan des tobenden Völler, dessen harsche Kritik sich vor allem gegen Moderator Patrick Wasserziehr richtete, ging der Husarenritt der „Werkself“ fast ein wenig unter. Bayer brannte ein fußballerisches Offensiv-Feuerwerk ab und zerlegte die zuletzt so heimstarken Bremer mit Konterfußball vom Feinsten. Völler lobte den in die Schusslinie geratenen Herrlich anschließend für eine „überragende taktische Leistung“. Schon am Mittwoch kann Leverkusen im Pokal bei Borussia Mönchengladbach den nächsten Schritt aus der Krise machen. Gelingt dies nicht, dürfte es wieder bohrende Fragen zur Zukunft Herrlichs geben. Zumindest am Sonntag durfte sich der Coach am Ende eines turbulenten Tages als großer Gewinner fühlen. Seine Taktik mit fünf Verteidigern und blitzschnellem Umschaltspiel war voll aufgegangen. Nach zuvor drei Ligaspielen ohne Sieg hintereinander sendeten die Profis mit der besten Offensivleistung der Saison ein klares Signal.