Gündoğan: „Fahre mit einem Lächeln nach Hause“

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Nach den wohl wichtigsten 24 Minuten seiner Karriere stand für İlkay Gündoğan eine befreiende Erkenntnis: Er gehört wieder dazu. Der Mittelfeldspieler wurde im ersten Länderspiel nach der verkorksten Weltmeisterschaft in Russland gegen Frankreich (0:0) in der 66. Spielminute eingewechselt.

Gündoğan lief nach seinem Neustart mit nur wenigen Misstönen erleichtert zum Bereich der Familien und Freunde der deutschen Nationalmannschaft. Auf seinem Weg wurde der 27-Jährige von DFB-Boss Reinhard Grindel und Liga-Präsident Reinhard Rauball herzlich umarmt und beglückwünscht. Das 0:0 in München gegen den Weltmeister war für Gündoğan nach überstandener Erdoğan-Affäre ein großer Schritt zurück zur Normalität. „Ich fahre mit einem Lächeln nach Hause“, sagte er nach dem Nations League-Auftakt. Angst habe er nicht gehabt, aber „ich war nervös“, sagte er zu seiner Einwechslung.

- Anzeige -

Seine Hände spielten dabei mit seinem Trikot, als würde Gündoğan die Anspannung dieses wegweisenden Augenblicks noch einmal durchleben. Eine gewisse Sorge vor einem zweiten Leverkusen, einer Wiederholung des bitterbösen Pfeifkonzerts gegen ihn am 8. Juni, war nicht unbegründet. Auch in der Allianz Arena gab es Pfiffe, allerdings gingen diese im warmen Applaus der überwältigenden Mehrheit der 67.485 Zuschauer in der ausverkauften Allianz Arena unter. Der Zuspruch habe ihn „gefreut“, sagte Gündoğan. Er bedankte sich direkt, indem er dem Publikum ebenfalls applaudierte.

Guter Austausch mit Grindel

Dann, sagte er, „habe ich mich voll darauf konzentriert zu spielen“. Das gelang ihm gut, der Profi von Manchester City war in der starken Schlussphase ein belebendes Element – ganz wie von Joachim Löw erhofft. „Wir sehen ihn als sehr, sehr wichtigen Spieler für uns“, sagte der Bundestrainer, der hofft, dass Gündoğan „jetzt den Durchbruch bei uns schafft“. Der Anfang ist gemacht. Auch Grindel und Rauball, meinte der gebürtige Gelsenkirchener, hätten „einen zufriedenen Eindruck gemacht“. Mit dem DFB-Boss hatte er sich vor diesem wegweisenden Auftritt noch einmal besprochen.

„Wir hatten einen guten Austausch“, sagte Gündoğan über das Treffen am Dienstagabend und betonte, „nie Probleme“ mit dem Verbandschef gehabt zu haben. Anders als Mesut Özil, der Grindel bei seinem Rücktritt scharf attackiert hatte. Grindel habe „noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er froh ist, dass ich weitermache“, sagte Gündoğan. Er selbst sei „nach wie vor stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein“. Bei seinen Kollegen stand dies nie infrage. Gündoğan erhielt intern viel Zuspruch.

Goretzka hakt das Thema ab

„İlkay ist genauso ein Mitglied unserer Mannschaft wie jeder andere“, sagte Thomas Müller. „Er hat ein gutes Spiel gemacht.“ Leon Goretzka betonte, sich bei seiner Auswechslung für Gündoğan „bewusst beeilt“ zu haben, „weil ich auch nicht sicher war, wie das Publikum reagiert“. Dass es vereinzelte Pfiffe gab, empfand Goretzka als normal, eine ähnliche Erfahrung habe er auf Schalke gemacht, nachdem sein Wechsel zum FC Bayern München bekannt geworden war. Grundsätzlich aber, hob er hervor, „hat man İly wieder akzeptiert. Ich denke, damit kann man das Thema jetzt abhaken.“