Hamburg verzweifelt an Müller und sich selbst

Der Hamburger SV hat das erhoffte Lebenszeichen im Abstiegskampf verpasst: Trotz einer halben Stunde in Überzahl und eines Elfmeters musste sich der Tabellen-17. am Samstagnachmittag mit einem 0:0 gegen den 1. FSV Mainz 05 begnügen. Die Rheinhessen durften sich anschließend bei ihrem Ersatztorwart Florian Müller bedanken.

Jeweils eine Überraschung hielt die Startelf der beiden Teams bereit: Während beim HSV Sven Schipplock anstelle von André Hahn von Beginn an ran durfte, stand bei Mainz Florian Müller im Tor. Weder Robin Zentner noch der Ex-Hamburger René Adler waren rechtzeitig fit geworden. Zudem nahm FSV-Coach Sandro Schwarz eine weitere Veränderung im Vergleich zum 1:1 gegen Wolfsburg vor: Im Sturm ersetzte Yoshinori Mutō den verletzten Emil Berggreen.

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Extra im Kurztrainingslager vorbereitet hatte sich der HSV, und Bernd Hollerbach schien vorab die richtigen Worte gefunden zu haben. Seine Hamburger nämlich präsentierten sich zunächst gefälliger und kamen auch rasch zu ersten Chancen. Müller war daher früh gefordert, der 20-Jährige parierte stark gegen Schipplock (5.) und Walace (8.). Immer in Richtung des Mainzer Tores ging es, lediglich Robin Quaison sorgte bei einem Abschluss mal für etwas FSV-Torgefahr (13.).

Kostić-Treffer zurückgepfiffen

Dominant aber blieb der Tabellen-17., bei dem im Anschluss vor allem Filip Kostić im Fokus stand. Nachdem sich der Serbe im ersten Anlauf ebenfalls noch Müller hatte geschlagen geben müssen (21.), überwand er wenige Minuten später den FSV-Keeper (24.). Während die Fans bereits das vermeintliche 1:0 bejubelten, pfiff Referee Markus Schmidt den Treffer nach Beratung mit dem Video-Assistenten zurück. Beim Zuspiel Schipplocks hatte Kostić klar im Abseits gestanden. Für die Hamburger schien diese Szene ein heftiger Nackenschlag gewesen zu sein – anschließend lief nicht mehr viel zusammen. Da auch von Mainz nicht viel kam, plätscherte die Partie der Halbzeit entgegen.

Neuen Schwung brachte erst Hälfte zwei – und gleich wurde der HSV wieder gefährlich. Nach einer Ecke kam Rick van Drongelen völlig frei zum Abschluss, der Verteidiger jagte den Ball allerdings über das Tor (47.). Ein Feuerwerk brannten die Hanseaten zwar nicht ab; wenn es aber mal gefährlich wurde, dann stehts vor dem FSV-Gehäuse. Hollerbach erhöhte daher noch mal das Risiko und brachte Hahn für Bakery Jatta (59.).

Balogun fliegt, Müller pariert

Regelrecht serviert wurde Hamburg wenige Minuten später die Führung: Leon Balogun räumte Luca Waldschmidt im Strafraum ab und sah dafür die Gelb-Rote Karte. Die Führung war greifbar für die Hausherren – Kostić allerdings scheiterte vom Punkt an Müller (61.). In Überzahl blieb der Tabellen-17. natürlich dominant, das Tor allerdings war weiter wie verrammelt. Hollerbach brachte daher mit Jann-Fiete Arp (74., für Gideon Jung) die nächste Offensivkraft. Zwar legten sich die Hausherren den Gegner in der Schlussphase zurecht, der entscheidende Stich allerdings gelang trotz vierminütiger Nachspielzeit nicht. Mit viel Einsatz ermauerte sich Mainz letztlich einen Punkt.

Die Situation des HSV im Keller wird damit immer dunkler. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt weiterhin sieben Punkte, am Sonntag könnte zudem sogar Schlusslicht Köln mit einem Sieg gegen Stuttgart an den Hanseaten vorbeiziehen. Mainz hingegen verpasste die Chance, den Relegationsrang zu verlassen und den Puffer auf die direkten Abstiegsplätze zu vergrößern. Dennoch dürften die Rheinhessen angesichts der Umstände mit dem Punktgewinn zufrieden sein.