Hannover ruft Abstiegskampf aus

Foto: Thomas Starke/Bongarts/Getty Images

Horst Heldt wählte einen recht ungewöhnlichen Zeitpunkt für seinen eindringlichen Weckruf. Die 0:2 (0:1)-Niederlage in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen den VfL Wolfsburg bebilderte jedoch einmal mehr die Probleme der 96er.

„Wir sind im Abstiegskampf. Das müssen wir uns klar vor Augen führen“, sagte der Sportdirektor von Hannover 96 nach dem nächsten sportlichen Tiefschlag – der allerdings keinen direkten Einfluss auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga hatte. Nur sechs Punkte in der Liga, Drittletzter, und nun auch im zweiten Wettbewerb enttäuschend früh gescheitert: Hannover zeigt viele Symptome einer gefährlichen sportlichen Krise. Dramatisch sei die Situation zwar noch nicht, sagte Heldt. Dass der Sportchef und Trainer André Breitenreiter nach nicht einmal einem Drittel der Saison bereits unisono den Existenzkampf ausrufen, spricht aber für sich. „Wir brauchen mal ein Aha-Erlebnis, müssen mal ein Spiel gewinnen“, sagte Breitenreiter. Die nächste Chance bietet sich am Samstag (15.30 Uhr) beim kriselnden Champions League-Teilnehmer FC Schalke 04.

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Davor muss Breitenreiter Kapitän Waldemar Anton und Co. vor allem mental wieder aufbauen. Die Niederlage gegen biedere Wolfsburger frustrierte das Team doch arg. „Uns fehlt das Quäntchen Glück“, sagte Anton und dachte dabei sicher auch an zwei mögliche Handelfmeter für seine Mannschaft: „Wir haben keine gute Phase und müssen uns da rausziehen.“ Viele Statistiken sprachen nach der Partie gegen den Niedersachsen-Rivalen für 96. Zweikämpfe, Passquote, Anzahl der Torschüsse. „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, wir haben alles probiert“, sagte Heldt. „Wir sehen, dass die Jungs unbedingt wollen und Moral haben“, meinte Breitenreiter. Dass es dennoch nicht reicht, bereitet den Verantwortlichen umso größere Sorgen.

„Wir brauchen Punkte, das ist ganz klar“

Ohne den am Knie angeschlagen und für Schalke fraglichen Niclas Füllkrug besaßen die Hausherren zu wenig Durchschlagskraft. Der Strafraum der „Wölfe“ war viel zu lange eine Sperrzone für die „Roten“. In der Defensive luden sie den Gegner dann auch noch zu den Treffern von Admir Mehmedi (20.) und Wout Weghorst (90.+3) herzlich ein. Der Bundesliga-16. muss nun eine rasche Reaktion zeigen. „Wir brauchen Punkte, das ist ganz klar“, meinte Breitenreiter. Schon vor der Partie gegen Wolfsburg hatte Präsident Martin Kind die Marschroute ausgegeben, bis zur Winterpause den Anschluss ans Mittelfeld zu halten. Vom Abstiegskampf mochte Kind zu dem Zeitpunkt noch nicht sprechen. Doch das ist jetzt Vergangenheit.