Hannover zwischen Übernahmestreit und Abstiegskampf

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Sportlich steht Hannover 96 im Duell beim FC Schalke 04 am Samstag (15.30 Uhr) unter großem Zugzwang. Auf der Führungsebene erreicht der Streit um die Übernahme durch Martin Kind die nächste Stufe.

Sportdirektor Horst Heldt und Trainer André Breitenreiter reißen den Schutzschild entschlossen hoch. Die Giftpfeile, die zwischen Kind und seinen Gegnern hin- und herfliegen, sollen die ohnehin schon strauchelnden Hannoveraner Profis bloß nicht treffen. Der erneute Ausbruch des Zukunftsstreits zwischen dem mächtigen Präsidenten und der klubinternen Opposition droht zur schweren Belastung zu werden. Mitten im Abstiegskampf, den Heldt und Breitenreiter erstaunlich früh ausgerufen haben, fliegen an der Leine wieder die Fetzen. Doch das Führungsduo der Niedersachsen stellt bei dem brisanten Thema auf Durchzug.

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Gegenüber seinem Team habe er „noch nicht ein Wort darüber verloren“, sagte Breitenreiter vor dem so wichtigen Spiel am kommenden Samstag beim Champions League-Teilnehmer in Gelsenkirchen. „Unter anderem, weil um uns herum so viel passiert, ist es wichtig, den Fokus auf das Wesentliche zu legen“, ergänzte Heldt, den die vereinspolitischen Probleme schon in der vergangenen Saison belastet haben. „Es ist kein Thema in der Kabine, und wir wollen auch nicht, dass es thematisiert wird.“ Die 96er stehen in der Bundesliga-Tabelle mit nur sechs Punkten aus neun Partien auf dem Relegationsrang – der Fokus der Verantwortlichen muss einer sportlichen Besserung gelten.

Vereinspolitischer Machtkampf geht in die nächste Runde

Der Streit um die Übernahmepläne von Kind hatte am Donnerstag seinen nächsten Höhepunkt erreicht: Drei Vertreter der Fanvereinigung IG Pro Verein 1896 legten dem Vereinsvorstand die Unterschriften von 1310 Mitgliedern vor, die eine außerordentliche Mitgliederversammlung erreichen wollen. Das Ziel dabei ist klar: Die Kind-Gegner wollen den Einfluss des mächtigen Unternehmers schmälern und mehr Übernahmegegner in den Aufsichtsrat wählen. Kind unternimmt unterdessen alles, um die Macht der Investoren im Klub zu vergrößern. Nach dem abgelehnten Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel zog er weiter zum Ständigen Schiedsgerichts für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen.

Eine Entscheidung steht noch aus. Zusätzlich aufgebracht hatte Kind seine Gegner zuletzt mit einer Satzungsänderung. Kritiker sehen durch den Schritt sogar die Bundesliga-Lizenz gefährdet. Dem trat der Klub am Freitag per Pressemitteilung entschieden entgegen: „Die Änderung des Gesellschaftsvertrags der Hannover 96 KGaA entspricht nach unserer Beurteilung dem Unternehmensrecht und auch dem Verbandsrecht. Die Lizenz für die Fußball-Bundesliga wird nicht gefährdet.“ Es sei „unverantwortlich und nicht zu akzeptieren“, dass die IG Pro Verein „ohne sportliche und wirtschaftliche Sachkenntnis mit falschen Behauptungen zum Profifußball bei Hannover 96 mit den Ängsten der Fans spielt.“

Breitenreiter: „Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren“

Das alles sorgt für mächtig Getöse kurz nach der 0:2-Niederlage der Hannoveraner im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg, die Verantwortliche wie Profis frustriert zurückgelassen hatte. Seit Wochen betreibt die Mannschaft einen enormen Aufwand und kann auch stets auf positive Ansätze verweisen. Doch die sportliche Zwischenbilanz mit dem 16. Tabellenplatz in der Liga und dem Aus im Pokal ist ernüchternd. Dramatisch sei die Situation zwar noch nicht, sagte Heldt, doch man dürfe sich auch „nicht in die eigene Tasche lügen“. Breitenreiter betonte, dass er seinen Profis in Einzelgesprächen weiter „Überzeugung, Vertrauen und Glauben“ vermittle, um schon auf Schalke wieder zu punkten: „Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren.“