Hecking vs. Baum: Taktieren auf höchstem Niveau

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Dieter Hecking und Manuel Baum klopften sich nach dem Abpfiff lachend auf die Schulter. In den 90 Minuten zuvor hatten sich die beiden Trainer ein Duell der taktischen Varianten geliefert.

Mehrmals reagierte der eine auf die Umstellung des anderen. Am Ende rettete der eingewechselte Rekordeinkauf Alassane Pléa Borussia Mönchengladbach beim FC Augsburg ein 1:1 (0:1) – und Hecking die gute Laune. „Ich bin Stürmer, ich mag es, Tore zu schießen. Ich bin glücklich heute“, sagte der 23-Millionen-Mann erst ganz bescheiden, um dann seine Ambitionen auf den ersten Startelf-Einsatz in der Bundesliga zu unterstreichen: „Darauf arbeite ich weiter hin. Es ist einfach ein Unterschied hier, ich muss noch physisch an mir arbeiten.“

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In Augsburg zeigte der Neuzugang von OGC Nizza, warum ihn Gladbach geholt hat. „Klar, er hat viel Geld gekostet, aber andere Spieler kosten auch viel Geld und schießen keine Tore“, sagte Hecking. Gegenüber dem quirligen Raffael, der in der ersten Halbzeit von der starken Augsburger Abwehr komplett abgemeldet wurde, bot Pléa mit seiner Kopfballstärke und körperlichen Präsenz neue Möglichkeiten. Der 25-Jährige traf nach einer von Tobias Strobl verlängerten Ecke per Kopf zum Ausgleich (68.). „Für ihn ist das ein toller Moment, dass er so ein wichtiges Tor erzielt hat. Er hat ein Näschen im Strafraum, das sieht man auch im Training. Immer da, wo es brennt, wo der Ball hinfällt, da ist Pléa in der Nähe“, sagte Hecking. Die Erwartungen an seinen neuen Mittelstürmer dämpfte er allerdings sofort: „Er ist in der Lernphase.“

Augsburg stellt Startrekord auf

Der Joker rettete aber in gewisser Weise auch seinen Trainer. In der Pause hatte Hecking mit der Hereinnahme von Pléa und Denis Zakaria auf eine Dreierkette umgestellt und sich damit verpokert. Denn Baum reagierte umgehend auf die Umstellung, was Augsburg für eine Viertelstunde Freiraum auf den Außenbahnen verschaffte. Das entscheidende 2:0 verpassten die Gastgeber, die durch Michael Gregoritsch in Führung gegangen waren (12.), aber trotz guter Chancen. „Wir haben wirklich fast Mann gegen Mann über den ganzen Platz gespielt“, sagte Augsburgs Trainer Baum mit einem verschmitzten Lächeln und fügte an: „Vier Punkte nach zwei Spielen als FC Augsburg, damit kann man leben.“ In der Tat hat der FCA damit in seinem achten Bundesliga-Jahr einen Startrekord aufgestellt. „Für uns war das ein Punkt, den wir sehr gerne mitnehmen“, sagte Hecking, wohlwissend, welchem „Näschen“ er den Zähler zu verdanken hatte.