Heikle Hauptversammlung beim Rekordmeister

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Jahreshauptversammlung beim FC Bayern München: Trainer Niko Kovač atmet erst einmal durch, am Freitag stehen die Bosse im Fokus. Diese sorgten mit verschiedenen Aktionen in den vergangenen Wochen für Unmut bei den Fans.

Neun Punkte Rückstand auf Rivale Borussia Dortmund, nur Platz fünf in der Bundesliga und Dauer-Diskussionen um Trainer Kovač: Es gab schon gemütlichere Tage für eine Jahreshauptversammlung bei Bayern München. Doch die Bosse blicken dem „Parteitag“ am Freitag (19 Uhr) gelassen entgegen. „Ich glaube, es wird ein ruhiger Abend“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Der Achtelfinal-Einzug in der Champions League mit dem 5:1 am Dienstag gegen Benfica Lissabon und die vorab veröffentlichten Rekordzahlen sollen die Volksseele beruhigen. „Wir haben wahnsinnig viel Erfolg gehabt seit 2012. Man kann sagen, wir hatten über sechs Jahre eine Dauerparty“, meinte Rummenigge, „wir sollten jetzt nicht den Fehler machen, weil wir in der Tabelle nicht ganz da sind, wo wir selber gerne wären, das alles infrage zu stellen.“

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Zumindest finanziell stimmt die Bilanz. Der deutsche Rekordmeister verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 bei den Gesamteinnahmen mit 657,4 Millionen Euro erneut eine Bestmarke. Der Jahresüberschuss lag bei 29,5 Millionen Euro – nach Steuern. Das berühmte Festgeldkonto der Bayern ist also weiter prall gefüllt, oder, wie Rummenigge es mit Blick auf die geplante Transferoffensive formulierte: „Das Pulver ist trocken.“ Dennoch rumort es an der Basis. Wenn Uli Hoeneß die Versammlung mit Punkt 1 der Tagesordnung („Bericht des Präsidenten“) eröffnet, könnte es auch Pfiffe geben. Selbst glühende Bayern-Fans schämten sich zuletzt für manche Aktion der Klubspitze wie etwa die Bosse-PK oder den Bruch mit Vereinslegende Paul Breitner.

Suche nach Hoeneß-Nachfolger läuft

Während Kovač nach dem Sieg gegen Lissabon erst einmal durchatmen kann, stehen Hoeneß, Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidžić im Fokus. Zwar stehen keine Neuwahlen an, doch der Umbruch in der Chefetage sollte auch aus Sicht vieler Anhänger langsam forciert werden. Stünden „morgen“ Nachfolger bereit, „von denen ich überzeugt bin, würde ich morgen aufhören“, sagte Hoeneß zuletzt. Doch er tut sich bei der Suche nach der „Eier legenden Wollmilchsau“ sehr schwer. Es gebe „keine erste und keine zweite Lösung“, sagte Hoeneß jetzt dem Kicker, „es gibt Gedanken.“ In deren Zentrum: Oliver Kahn. Der Ex-Kapitän ist der einzige Kandidat, mit dem es bisher Gespräche gegeben hat.

Ein baldiger Einstieg des „Titans“ ist jedoch unwahrscheinlich. Rummenigge, das ist der Wunsch des Aufsichtsrats mit Chef Hoeneß an der Spitze, soll seinen Ende 2019 auslaufenden Vertrag verlängern. Zuletzt tat er dies immer um drei Jahre, denkbar sind aber auch wie zu Beginn seiner Amtszeit zwei. Sollte Rummenigge wie erwartet zusagen, könnte Kahn 2021 – möglicherweise nach einer Anlernphase als Sportvorstand – als Klubboss übernehmen. Wenn der „neue Rummenigge“ gefunden ist, kann auch Hoeneß (gewählt bis 2019) seinen Erben suchen. Der Notar Dieter Mayer, sein erster Vize, soll Interesse haben, heißt es intern. Doch Hoeneß schwebt als Präsident ein Mann mit Erfahrung im Profifußball vor. „Wenn ich zu Franck Ribéry sage: ‚Heute hast du wieder einen schönen Mist gespielt.‘ Und ich habe früher beim TSV Aurich gespielt, dann würde er sagen: ‚Können wir uns über das Machen von Erdbeer-Marmelade unterhalten oder was, aber bitteschön nicht über Fußball.'“, sagte er diese Woche.