Heldts Herkulesaufgabe auf dem Transfermarkt

96-Sportdirektor Horst Heldt befindet sich womöglich in der schwierigsten Transferperiode seiner Laufbahn. Der Ex-Profi muss neue Spieler vom unruhigen Standort Hannover überzeugen und Leistungsträger ersetzen.

Die anhaltende 50+1-Debatte und der daraus resultierende Konflikt mit den Fans ist zum ständigen Begleiter von Heldts Arbeit geworden. Aktuell erfährt der 48-Jährige überdies, wie schwierig das Tagesgeschäft für 96 auf dem Transfermarkt ist. Auf Heldts Habenseite stehen mit Stoke-Leihgabe Kevin Wimmer, Bayern-Keeper Leo Weinkauf sowie dem Japan-Duo Takuma Asano (FC Arsenal) und Genki Haraguchi (Hertha BSC) zwar schon vier Verpflichtungen. Zuvor schaute der Nordklub aber gleich bei mehreren Kandidaten in die Röhre. Die vergleichsweise preiswerten Innenverteidiger Dominique Heintz (3 Millionen Euro) und Marc-Oliver Kempf (ablösefrei) entschieden sich für den SC Freiburg und den VfB Stuttgart statt für 96.

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Beide wiesen ihre Qualität unter anderem in der zurückliegenden Saison nach und wären bezahlbar gewesen – Attribute, die auf Wimmer weniger zutreffen. Zu den 1,5 Millionen Euro Leihgebühr müsste 96 noch eine zweistellige Summe draufzahlen, sollte die Kaufoption gezogen werden – für die Niedersachsen kaum zu stemmen. Der Österreicher war außerdem zuletzt Dauerreservist in England und muss seine Tauglichkeit erst einmal beweisen. Auf B-Lösungen musste Heldt auch in der Offensive zurückgreifen. Wunschspieler Vincenzo Grifo geht zur TSG 1899 Hoffenheim, mit Nicolai Müller (nach Frankfurt) und Pascal Köpke (nach Berlin) winkten zwei weitere Hannoveraner Wunschspieler ab.

Kind erschwert Heldt die Arbeit

Die bislang verpflichteten Neuzugänge abschließend zu beurteilen, ist logischerweise nicht möglich. Kritisch betrachtet werden kann aber das Vorgehen auf dem Transfermarkt. So kommentierte Präsident Martin Kind beinahe jede Personalie und machte seinem Sportchef damit das Leben schwer. Das belegt die Breitseite von Grifo-Berater Thomas Strunz gegen Kind. Der ehemalige Bayern-Profi bezeichnete das Verhalten Kinds, der die Gespräche öffentlich gemacht hatte, laut Bild als „kontraproduktiv“ und meinte vielsagend: „Eine zu frühe Kommentierung von Spielernamen ist nicht hilfreich für die Arbeit von Horst Heldt und André Breitenreiter, sondern erzeugt eine unnötige Drucksituation, bei der der Klub nur verlieren kann.“

Für Heldt ist das öffentlich allzu auskunftsfreudige Auftreten seines Vorgesetzten eine weitere Hürde im Werben um neue Spieler, das ohnehin schon von Herausforderungen geprägt ist. Der Stimmungsboykott der Fans sowie das öffentliche Theater um seine eigene Zukunft machen Hannover zu einem Standort mit Zündstoff – für viele Spieler nicht sonderlich attraktiv, zumal 96 auch nicht mit finanziellen Vorzügen oder einer glänzenden sportlichen Perspektive auftrumpfen kann. Denn mit Salif Sané, Felix Klaus und Martin Harnik verließen gleich drei Leistungsträger den Klub, gleichwertiger Ersatz konnte noch nicht verpflichtet werden. Verliert Hannover zudem noch Top-Torjäger Niclas Füllkrug, der intensiv von Borussia Mönchengladbach umworben wird, stünden die „Roten“ beinahe komplett ohne das Gerüst der Vorsaison da. Noch stemmt sich Heldt gegen einen Verkauf Füllkrugs, Gespräche werden allerdings geführt. Die Suche nach einem potenziellen Nachfolger könnte schwierig werden – das weiß der Sportdirektor spätestens nach den vergangenen Wochen.