Herrlich steht auf dünnem Eis

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Bayer 04 Leverkusen hat den Saisonstart mächtig in den Sand gesetzt. Die „Werkself“ verfügt über einen der besten Kader der Bundesliga, schafft es aber weiter nicht, die vorhandenen PS auf die Straße zu bringen. So erhöht sich unweigerlich der Druck.

Ein Blick in die Offensivabteilung der Rheinländer genügt, um bei vielen Fans anderer Mannschaften den Neid zu schüren. Mit Leon Bailey, Julian Brandt oder Kai Havertz verfügt Bayer über junge Angreifer, die auf dem besten Weg sind, über kurz oder lang zu den absoluten Top-Spielern der Bundesliga oder gar in Europa zu werden. Gleiches gilt unter anderem für Nationalspieler Jonathan Tah in der Innenverteidigung. Leverkusens Youngster sind im europäischen Spitzenfußball begehrt. Und dennoch schafft es der Verein immer wieder, seine besten Spieler mit langfristigen Verträgen auszustatten.

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Auf sportlicher Ebene läuft es für die Rheinländer dafür umso bescheidener. Schon der Pflichtspielauftakt verlief schleppend. Beim Oberligisten 1. CfR Pforzheim mühte sich die „Werkself“ in der ersten Runde des DFB-Pokals zu einem mageren 1:0-Erfolg. Immerhin stand am Ende das Weiterkommen. In der Liga gab es zum Start zwei Niederlagen: Erst ein 0:2 im „kleinen Derby“ bei Borussia Mönchengladbach, dann ein 1:3 gegen den VfL Wolfsburg. Die Symptome aus der vergangenen Saison tauchten dabei wieder auf: Schwache Chancenverwertung gepaart mit einfachen individuellen Fehlern, die nach 90 Minuten eine Pleite bedeuten.

Druck auf Herrlich wächst

Trainer Heiko Herrlich steht unter Druck, sein Stuhl wackelt bereits nach wenigen Wochen. Der Coach muss seine Mannschaft weiterentwickeln, nach außen hin versprach die Vereinsführung ihren Fans die Champions League. In der letzten Saison verpasste Bayer diese knapp um einen Punkt; zu oft hatten die Rheinländer unnötig Zähler hergeschenkt. Zwar war die zurückliegende Spielzeit solide, Herrlich schaffte es allerdings zu selten, seine Mannschaft so spielen zu lassen, wie es die Namen versprechen. Auf dem Papier zählt die Leverkusener Mannschaft zu den drei besten der Liga. Auf dem Platz ist sie davon jedoch weit entfernt. Ohne Fortschritte wird es schwierig, die Königsklasse zu erreichen.

Und so wird die Luft für Herrlich immer dünner. Die Bayer-Verantwortlichen sind dem Vernehmen nach schon auf der Suche nach einem potenziellen Nachfolger für den 46-Jährigen. Ralph Hasenhüttl ist aktuell vereinslos und gilt als Wunschkandidat des Werksklubs. Der Österreicher hat in Ingolstadt und Leipzig sein Können bewiesen und würde das Potenzial der jungen Mannschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit ausreizen. Wenn Herrlich selbiges nicht bald gelingt, sind seine Tage bei Bayer gezählt. Schon im Vorfeld der Saison war aus dem Umfeld der „Werkself“ zu hören, dass Herrlich der Saisonstart gelingen muss. Ansonsten sei er – auch aufgrund der vergangenen Saison – ein Kandidat für eine vorzeitige Freistellung. Einfacher wird es für den angezählten Coach nach der Länderspielpause nicht: Am 15. September (15.30 Uhr) wartet der FC Bayern München.