Hoffenheim stoppt Leverkusens kurzen Höhenflug

Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Die TSG 1899 Hoffenheim stoppte den Höhenflug von Bayer 04 Leverkusen und feierte den dritten Bundesliga-Sieg in Folge. Die Kraichgauer schlugen die „Werkself“ am Samstag auswärts mit 4:1 (2:1).

Bayer-Trainer Heiko Herrlich veränderte seine Anfangsformation gegenüber dem 5:0 in Mönchengladbach nur auf einer Position: Tin Jedvaj ersetzte Aleksandar Dragović (Bank). TSG-Coach Julian Nagelsmann würfelte seine Startelf nach dem 0:2 in Leipzig ordentlich durcheinander: Oliver Baumann, Kevin Akpoguma, Pavel Kadeřábek, Håvard Nordtveit, Vincenzo Grifo, Joelinton und Reiss Nelson begannen. Gregor Kobel, Joshua Brenet, Andrej Kramarić (nicht im Kader) und Ádám Szalai (Magenprobleme) waren nicht mitgereist; Ermin Bičakčić, Kerem Demirbay, Leonardo Bittencourt und Ishak Belfodil saßen zunächst auf der Bank.

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In den Anfangsminuten ergab sich das erwartete Bild: Hoffenheim ließ den Ball durch die eigenen Reihen laufen, Leverkusen lauerte auf schnelle Gegenstöße. Karim Bellarabi ließ Akpoguma rechts im Strafraum aussteigen und flankte in die Mitte auf Lars Bender, dessen Kopfball in leichter Rücklage knapp über die Latte ging (3.). Nach zehn Minuten hatte die TSG Glück: Ein Eigentor von Kasim Adams wurde nicht gegeben, da Schiedsrichter Tobias Stieler zuvor eine Abseitsstellung erkannt hatte (10.). Die Gäste kamen nach einer Viertelstunde besser in die Partie und schlugen zu: Nach einem kurz ausgeführten Eckball nahm sich Nelson aus halblinker Position ein Herz und verwandelte sehenswert zum 1:0 ins lange Eck (19.).

Bellarabi gleicht aus – Joelinton schlägt zurück

Bayer wirkte nach dem Rückstand etwas verunsichert, die Kraichgauer übernahmen die Kontrolle über das Geschehen. Jedvaj musste in der Folge zweimal vor einschussbereiten Hoffenheimern retten (24., 28.). Die „Werkself“ schüttelte sich ein paar Minuten lang und antwortete nach einer halben Stunde: Mitchell Weiser schickte Bellarabi auf dem rechten Flügel und Leverkusens Mann der Stunde traf aus spitzem Winkel ins kurze Eck (30.). TSG-Keeper Oliver Baumann machte in dieser Szene keine gute Figur. Lange hielt der Ausgleich allerdings nicht an, die TSG zeigte eine starke Reaktion: Nach einer schönen Kombination über Florian Grillitsch und Kadeřábek brachte Joelinton die Gäste freistehend per Kopf wieder in Führung (34.).

Im Gegenzug scheiterte Bellarabi aus 18 Metern an Baumann, Julian Brandts Nachschuss geriet zu hoch (37.). Bellarabi verletzt sich bei seinem Abschluss und musste noch vor der Pause durch Leon Bailey ersetzt werden (38.). Es war eine rassige erste Hälfte mit viel Offensivdrang auf beiden Seiten. Hoffenheim machte das Spiel und fuhr vor allem über die Außenspieler Nico Schulz und Kadeřábek immer wieder vielversprechende Angriffe. Leverkusen hingegen fokussierte sich auf schnelle Konter und hatte im frühzeitig ausgewechselten Bellarabi seinen auffälligsten Akteur. Die 2:1-Führung der Gäste ging zur Halbzeitpause in Ordnung, sie hatten insgesamt etwas mehr investiert und Bayers zuletzt entfesselte Offensive weitestgehend im Zaum gehalten.

Grifo erhöht vom Punkt – Joelinton besorgt die Entscheidung

Hoffenheim blieb auch nach Pause griffig und konnte zügig erhöhen: Jonathan Tah brachte Joelinton im Strafraum zu Fall, Stieler zeigte auf den Punkt (48.). Grifo schnappte sich die Kugel und verwandelte sicher zum 3:1 ins rechte untere Eck (49.). Leverkusen ließ die Köpfe aber nicht hängen. Brandt traf den Ball aus fünf Metern nicht vernünftig (51.), dann parierte Baumann zweimal gegen Kai Havertz (52., 57.) und gegen Kevin Volland (54.). Die Gäste zogen sich zurück und wurden passiver, Bayer drückte auf den Anschlusstreffer. TSG-Kapitän Kevin Vogt musste das Feld angeschlagen verlassen, Bičakčić kam in die Partie (59.). Die Rheinländer näherten sich dem 2:3 weiter an, Baumann rettete gegen einen direkten Freistoß von Bailey (62.).

Die „Werkself“ machte es sich Mitte des zweiten Durchgangs um den Hoffenheimer Strafraum herum gemütlich, Volland zielte aus zwölf Metern knapp am rechten Pfosten vorbei (65.). Die Gastgeber agierten bei aller Offensivkraft aber zu unpräzise, Volland setzte einen weiteren Abschluss aus kurzer Distanz direkt auf Baumann (72.). Mitten hinein in die Drangphase der Leverkusener entschied Hoffenheim per Konter die Partie: Grifo schickte Joelinton noch aus der eigenen Hälfte, der Brasilianer zog an Jedvaj vorbei und vollendete zum 4:1 ins lange Eck (73.). Die Hausherren kämpften in der Folge zwar tapfer weiter und suchten ihre Gelegenheiten, die Luft war aufgrund des deutlichen Spielstands aber schon vor der Schlussphase raus.

Hoffenheim beweist Cleverness – Rückschlag für zuletzt furioses Leverkusen

Havertz versuchte sein Glück noch zweimal aus der Distanz, scheiterte aber zunächst an Bičakčić (75.) und später an Baumann (84.). Ein gnadenlos effektives Hoffenheim fügt den zuletzt so erfolgreichen Leverkusenern eine empfindliche 1:4-Heimniederlage zu. Bayer hatte besonders in der zweiten Hälfte eine Reihe guter Möglichkeiten, konnte jedoch keine davon nutzen. Die TSG bewies dagegen Cleverness und rückt zumindest bis zum Abend auf den sechsten Tabellenplatz vor. Die „Werkself“ muss nach zwei überzeugenden Pflichtspielsiegen in Folge wieder einen Rückschlag hinnehmen und bleibt vorerst auf dem zwölften Rang.