Hütters toller Moment auf Zypern

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Adi Hütter wurde vorgeschickt. Einen Moment lang stand der Trainer von Eintracht Frankfurt alleine zwischen seinen grinsenden Spielern auf dem Rasen und den fast 5.000 johlenden Fußballfans auf der Tribüne.

„Das war ein toller Moment“, sagte der Österreicher nach dem Einzug in die Zwischenrunde der Europa League. „Sie haben darauf gewartet, dass ich mal in die Kurve gehe. Heute hat das gepasst.“ Vorgenommen hatte sich der 48-Jährige den Weg Richtung Auswärtsblock schon vor dem 3:2 (1:0) bei Apollon Limassol. „Ich merke, dass ich mehr und mehr in Frankfurt ankomme und mich die Fans schätzen“, sagte Hütter, der in seinen etwas mehr als vier Monaten bei der Eintracht Erstaunliches vollbracht hat. Trotz der vielen Abgänge im Sommer spielt die SGE wieder wie eine Spitzenmannschaft. Am Freitag ergänzte er: „Ich habe mir gedacht, dass es mal an der Zeit ist, ‚Danke‘ zu sagen. Mir persönlich hat es sehr gut getan.“

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„Wir sind jetzt seit acht Spielen ungeschlagen, haben sieben davon gewonnen“, sagte Torhüter Kevin Trapp. „Mehr kann man fast nicht herausholen. Wir dürfen jetzt nur nicht nachlassen.“ In der Europa League spazierten die Hessen durch die vermeintliche „Hammergruppe“ mit Lazio Rom und Olympique Marseille. „Viele haben geglaubt, dass wir das nicht schaffen“, sagte Trapp. Hütter schon. Der Trainer, der zum Saisonstart herbe Niederlagen im Supercup und DFB-Pokal kassiert hatte, scheint das perfekte System für seine „Powerfußballer“ gefunden zu haben. In der Bundesliga oft variabel mit Dreierkette, auf Zypern mit einer Viererabwehr, sichern die Verteidiger und Mittelfeldspieler mit großer Laufbereitschaft die bärenstarken Stürmer ab.

„Ich war mit den letzten zwanzig Minuten nicht zufrieden“

Am Donnerstagabend erzielte Luka Jović (17.) sein wettbewerbsübergreifend zehntes Saisontor, Sébastien Haller (55.) traf zum neunten Mal. Und Ante Rebić, der kroatische Vize-Weltmeister, der in Frankfurt zur Identifikationsfigur reifen will, wurde dabei 65 Minuten auf der Bank geschont. Den dritten Eintracht-Treffer steuerte stattdessen Mijat Gaćinović (58.) bei. Die beiden Gegentore durch Emilio Zelaya (71., 90.+4) und die Gelb-Rote Karte gegen Marc Stendera (81.) blieben nur Schönheitsfehler – was Hütter aber dennoch ärgerte. „Ich war mit den letzten zwanzig Minuten nicht zufrieden“, sagte der Coach. „Apollon hat bis zum Schluss alles versucht, gekämpft und Charakter gezeigt.“

Für Frankfurt steht der nächste Charaktertest am Sonntag (18 Uhr) im Ligaspiel gegen den FC Schalke 04 an. Bei einem Sieg würde die Eintracht weiter in die Spitzengruppe vorrücken. „Wir wissen, was uns erwartet – sicher ein sehr schweres und intensives Spiel, das ist keine Frage“, sagte Gaćinović. „Aber wir kennen auch unsere Qualitäten und unsere Stärke.“ Hütter gab die Richtung vor: „Wir wollen uns vorne festbeißen. Wir haben 17 Punkte, 20 wären sehr, sehr stark.“