Kapitän Bender übernimmt die Drecksarbeit

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Nach dem 2:1 bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf lobte Bayer 04 Leverkusens Doppelpacker Kevin Volland seinen Kapitän Lars Bender wegen dessen emotionaler Halbzeitansprache. Die Leistung der „Werkself“ nach Wiederanpfiff war deutlich besser.

Trainer Heiko Herrlich zog sich nach einer inakzeptablen Vorstellung seiner Mannschaft nach kurzer Analyse in den Schmollwinkel zurück, überließ seinem Kapitän in der Halbzeitpause die Bühne. „Lars Bender hat die Drecksarbeit gemacht und seine Worte haben gefruchtet. Man hat gesehen, dass er alle an der Ehre gepackt hat“, sagte Herrlich nach dem mühsamen 2:1 (0:0) von Europa League-Teilnehmer Bayer bei Aufsteiger Düsseldorf. Auch Doppeltorschütze Volland (51., 61.) betonte nach dem Abpfiff die emotionale Ansprache Benders, dem nach 0:8 Torschüssen beim Pausentee offenbar der Kragen geplatzt war. „Die Ansprache hatte Wirkung“, sagte der Matchwinner, ohne Einzelheiten zu nennen.

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Herrlich, der sich über den dritten Pflichtspiel-Sieg seiner katastrophal in die Saison gestartete Mannschaft freuen durfte, gab ebenfalls keine Details preis. Nur so viel: „Ich kann mich an keine Szene erinnern, in der zu meiner aktiven Zeit bei Borussia Dortmund unser Trainer Ottmar Hitzfeld in der Pause rumgeschrien hat, auch wenn ihm oft danach zumute war. So ging es mir heute auch. Aber so wie bei uns früher Matthias Sammer, Jürgen Kohler oder Stefan Reuter in der Kabine rumgebrüllt haben, so hat das heute bei uns Lars Bender übernommen.“ Und das sei grundsätzlich richtig: „Das Herz einer Mannschaft schlägt nicht bei uns, sondern immer bei den Spielern.“

Volland fordert Steigerung gegen Dortmund

Der Bayer-Spielführer hatte bei seiner Kabinenpredigt sicher auch schon das kommende Heimspiel der „Werkself“ gegen Borussia Dortmund am Samstag (18.30 Uhr) im Kopf. Mit einer ähnlichen Leistung wie in den ersten 45 Minuten, in denen allein Torwart Lukáš Hrádecký seine Mannschaft im Spiel gehalten hatte, wäre gegen den BVB wohl nichts auszurichten. „Gegen Dortmund müssen wir uns gewaltig steigern und dürfen nicht noch einmal eine komplette Halbzeit verschlafen“, forderte Volland, der zuletzt Mitte April beim 4:1 gegen Eintracht Frankfurt getroffen hatte.

Auch Herrlich, der in der ersten Hälfte „nichts von dem“ gesehen hatte, was Leverkusen noch bei den Siegen gegen Mainz (1:0) und in der Europa League bei Ludogorez Rasgrad (3:2) ausgezeichnet hatte, hofft, „dass die Mannschaft bis dahin verinnerlicht, dass man über 90 Minuten so auftreten muss“. In dieselbe Kerbe schlug auch Rudi Völler. „Gegen Dortmund brauchen wir zwei gute Halbzeiten“, sagte der Sport-Geschäftsführer, der aber trotz des späten Gegentreffers durch einen Foulelfmeter von Rouwen Hennings (90.+4) grundsätzlich zufrieden war: „Der Wille, über die Müdigkeit drüber zu gehen, war heute da. Das kann der Startschuss für eine kleine Serie sein.“