Kaum Frust nach erster Pleite: BVB nimmt Bayern ins Visier

Foto: Javier Soriano/AFP/Getty Images

Die Frustbewältigung dauerte nur wenige Stunden. Nach dem Ende der imposanten Erfolgsserie schaltete Borussia Dortmund noch in Madrid wieder in den Angriffsmodus.

Als die Mannschaft von Trainer Lucien Favre die verregnete spanische Hauptstadt nach der ersten Saisonniederlage am Mittwochmittag verließ, hatte sie längst den Liga-Gipfel gegen den FC Bayern München ins Visier genommen. „Wir werden uns davon nicht verunsichern lassen, dafür gibt es zu viel Positives“, sagte Sebastian Kehl nach der verdienten 0:2 (0:1)-Niederlage in der Champions League bei Atlético Madrid. Der Leiter der Lizenzspielerabteilung ist sich mit Blick auf das Topspiel der Bundesliga am Samstag (18.30 Uhr) sicher: „Für das Spiel hat sich nicht wahnsinnig viel verändert. Das wird das Spiel nicht beeinflussen.“

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Ein paar Denkaufgaben hatte Favre für den zweieinhalbstündigen Flug aber mit an Bord genommen, als Mutmacher für das Bayern-Spiel diente der schwache Auftritt nicht. Der Schweizer hatte „zu viele Fehler“ und „zu viele Ballverluste“ ausgemacht. Insgesamt gab es „zu wenig Bewegung“. Die hochgelobte Dortmunder Offensive wurde im Wanda Metropolitano komplett lahmgelegt. Der BVB erspielte sich nur eine Chance durch Raphaël Guerreiro und gab nur vier Schüsse ab, von denen keiner aufs Tor ging – ein Negativwert für die Borussia seit Beginn der Datenerfassung 2003. „Der Trainer wird ein paar Dinge gesehen haben, die wir für Samstag verbessern können“, sagte daher Manuel Akanji.

„Atlético hat uns den Schneid abgekauft“

Verunsicherung oder gar Selbstzweifel machten sich beim BVB nach der ersten Pleite im 16. Saisonspiel aber nicht breit. „Vielleicht“, sagte Torhüter Roman Bürki, „war es gar nicht so schlecht, dass wir nach dem furiosen Start ein bisschen auf dem Boden der Realität angekommen sind.“ Man sei jetzt „voll fokussiert auf das Bayern-Spiel“ und werde „alles dafür tun, dass die drei Punkte bei uns bleiben“. In diesem Fall hätte der Tabellenführer den kriselnden Rekordmeister erst einmal auf sieben Punkte distanziert. „Wir müssen aber kontrollierter und zielstrebiger spielen“, mahnte Kapitän Marco Reus an.

In Madrid zahlte der BVB nicht nur bei den Gegentoren durch Saúl Ñíguez (33.) und Weltmeister Antoine Griezmann (80.) „ein bisschen Lehrgeld“, wie Kehl anmerkte. „Atlético hat uns den Schneid abgekauft.“ Ein „Beinbruch“ sei dies freilich nicht. „Wir können mit der Niederlage leben, weil wir in der Tabelle und im direkten Vergleich vorne sind“, sagte Kehl, der das Team immer noch in einem „Lernprozess“ sieht. Der vorzeitige Achtelfinal-Einzug in der Königsklasse wurde zwar verpasst, kann aber schon mit einem Punkt im Heimspiel gegen den belgischen Meister FC Brügge (28. November) nachgeholt werden. Daran denkt beim BVB aber noch niemand. Jetzt zählt nur noch der Gipfel gegen die Bayern. Kehl erwartet eine „hitzige Atmosphäre“ im Signal-Iduna-Park: „Die Vorfreude ist groß.“