Kimmich empfiehlt sich für die Sechs

Foto: Franck Fife/AFP/Getty Images

Der gelernte Mittelfeldspieler Joshua Kimmich deutet an, dass ihm auf der Sechs die Zukunft gehören kann. Gegen Frankreich (0:0) präsentierte er sich der Aufgabe gewachsen.

Der Bundestrainer schwärmte, die Mitspieler lobten – da konnte auch der sonst so selbstkritische Kimmich nicht anders, als mit seinem DFB-Debüt auf der Sechserposition zufrieden zu sein. Würde der Trainer Kimmich den Spieler Kimmich häufiger dort aufstellen? Sein verschmitztes Grinsen auf diese Frage sagte alles: Wiederholung nicht ausgeschlossen. „Von mir aus sehr, sehr gerne. Ich bin bereit“, sagte der Bayern-Profi nach dem 0:0 zum Nations League-Auftakt gegen Weltmeister Frankreich in München. Dort hatte sich der 23-Jährige in seinem 33. Länderspiel als Mann vor der Abwehr gegen Weltklasse-Spieler wie Paul Pogba, N’Golo Kanté, Antoine Griezmann oder Blaise Matuidi behauptet.

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Und das, obwohl Kimmich im Verein und beim DFB seit Jahren als Rechtsverteidiger agiert. Nur bei seinem Nationalmannschafts-Debüt im Mai 2016 gegen die Slowakei (1:3) habe er „ein paar Minuten“ in der Zentrale gespielt, sagte er. „Nach der WM war das ein Gedanke, dass ich im taktischen Bereich Maßnahmen ergreifen muss“, sagte Joachim Löw über seine Kimmich-Idee, die aus seiner Sicht nahe lag. Sami Khedira, der die Rolle neben oder hinter Toni Kroos über Jahre bekleidete, hatte der Bundestrainer nach dem WM-Desaster nicht mehr berufen, auch auf die Alternative Sebastian Rudy verzichtete er. Ein klassischer Sechser fehlt im aktuellen Kader.

Löw: „Das ist sicherlich eine Lösung“

Kimmich, sagte Löw, habe die Rolle „in seiner Jugend schon einige Male gespielt. Wir haben das im Training getestet.“ Mit Erfolg, wie sich gegen Frankreich zeigte. „Er hat das sehr gut gemacht“, lobte der Bundestrainer. „Er war sehr präsent, sehr zweikampfstark, sehr viel am Ball. Das war eine sehr gute Leistung.“ Löw zeigte sich zufrieden und deutete an, dass dies keine temporäre Erscheinung sein muss: „Das ist sicherlich eine gute Lösung.“ Kimmich hatte die beste Pass- (94,3 Prozent) und die beste Zweikampfquote (77,8) aller Startelfspieler, dazu kam er ohne Foul aus. 100 Aktionen am Ball und 88 Pässe belegen, wie präsent er war.

Für seine Kollegen war das keine Überraschung. „Er ist ja ein ausgebildeter Sechser, Achter, deshalb war klar, dass er das kann“, sagte Mats Hummels. „Er hat wirklich alles für diese Position. Aber den kannst du gefühlt überall hinstellen – es kommt immer was dabei raus.“ Thomas Müller fand Kimmichs Auftritt „sehr gut. Er hat die Ruhe am Ball gehabt und es fehlerlos gemacht“. Allerdings habe sein Klubkollege auch davon profitiert, dass sich die ganze Elf strikt an Löws neue Defensivtaktik gehalten habe. „Dass Josh die Fähigkeiten hat, da zu spielen, ist keine Neuheit“, ergänzte Müller.

Bayern-Profi auch außen in der Defensive gebraucht

Die Sechs ist Kimmichs Lieblingsposition. Nach zwei Jahren in der DFB-Auswahl auf hinten rechts fühle er sich aber auch dort „inzwischen ziemlich wohl – was ich nie gedacht hätte“. Für Löw ist das eine gute Nachricht. Denn so sehr Kimmich als Khedira-Erbe überzeugte – weil auf den defensiven Außen Alternativen von internationalem Format fehlen, wird er auch dort mit seinem Offensivdrang künftig noch gebraucht werden. Auch das zeigte der Donnerstagabend in München.