Knöll und der verschobene Durchbruch

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Nürnberg ist solide in die neue Saison gestartet und hat sich vorerst im Mittelfeld der Tabelle festgesetzt. Beim 3:0 gegen Fortuna Düsseldorf konnte der „Club“ erstmals auch offensiv auf sich aufmerksam machen. Neuzugang Törles Knöll saß allerdings 87 Minuten lang nur auf der Bank.

Für den Stürmer gibt es derzeit kein Vorbeikommen an Platzhirsch Mikael Ishak. In vier Bundesliga-Partien stehen für den 21-Jährigen insgesamt gerade einmal 37 Minuten Einsatzzeit zu Buche. Dabei hat Knöll durchaus Argumente für eine echte Bewährungsprobe geliefert: Nach seiner Einwechslung gegen Hannover 96 (2:0) brauchte er lediglich vier Minuten, um das Spiel zugunsten der Franken zu entscheiden. Erst erzwang er mit einer scharfen Hereingabe das Eigentor von Waldemar Anton, wenig später erzielte er das 2:0 selbst. Während der Länderspielpause traf Knöll in den Tests gegen die TSG Roth (7:1) und Dukla Prag (4:0) sechs Mal und empfahl sich für höhere Aufgaben. Diese durfte er bislang aber noch nicht antreten.

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FCN-Coach Michael Köllner setzt in der Sturmspitze weiterhin auf den Schweden Ishak. Und dafür gibt es gute Gründe: Der 25-Jährige erzielte vier der neun Nürnberger Pflichtspieltore in der laufenden Saison. Dazu bereitete er einen Treffer vor. Ishak ist ein Angreifer Marke Rammbock, der allein mit seiner körperlichen Präsenz schon für Alarmbereitschaft bei den gegnerischen Hintermannschaften sorgt. Knöll bringt eine ganz ähnliche Veranlagung mit und muss deshalb meist warten, bis sich Ishak verausgabt hat und ausgewechselt wird. Im Gegensatz zu Adam Zreľák und Federico Palacios ist ein Einsatz des Ex-HSV-Spielers auf den offensiven Außenpositionen eher unwahrscheinlich. Er ist eben ein typischer Mittelstürmer.

Im Schatten von Platzhirsch Ishak

Das zeichnete sich schon in jungen Jahren ab, als Knöll für die Zweitvertretung des HSV 38 Tore in 62 Regionalliga-Spielen erzielte. Bei den Profis der Norddeutschen erhielt der Rechtsfuß aber auch in der Abstiegssaison keine echte Chance, weswegen er im Sommer den Wechsel ans andere Ende Deutschlands anstrebte. Dort stellte er seine Treffsicherheit in diversen Testspielen und auch bei seinen Kurzeinsätzen in der Bundesliga bereits unter Beweis, der große Durchbruch gelang ihm aber noch nicht. Nun sind sechs Spieltage für eine abschließende Beurteilung sicherlich zu wenig, dennoch verwundert es, dass Knöll noch nicht einmal während der englischen Woche sein Startelf-Debüt feiern durfte.

Eine Option für Trainer Köllner, seine beiden Knipser unter einen Hut zu bringen, wäre die Doppelspitze mit Ishak und Knöll. Da sich die Profis allerdings in ihrem Spielstil sehr ähneln, wird der Nürnberger Übungsleiter sich diese Variante genau überlegen. Schließlich müsste er dafür einen Spieler opfern, der möglicherweise eine ganz andere Qualität einbringen könnte. Und da Köllner nicht für große Rotation bekannt ist, scheint es fast, als müsse Knöll weiterhin geduldig warten. Und sich wie bisher in Testspielen sowie als Joker aufdrängen – bis Köllner keine Wahl mehr bleibt.