Köllner hadert mit dem Videobeweis

Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Nürnberg hat beim Bundesliga-Comeback in Berlin (0:1) einen Fehlstart hingelegt. Obwohl unter anderem mit dem Videobeweis gehadert wurde, ist Trainer Michael Köllner dennoch optimistisch.

Der Videobeweis und Köllner – das passt einfach nicht. Ein Freund der umstrittenen Technik war er nie, und nach der verpatzten Bundesliga-Rückkehr bilanzierte der Trainer der Franken: „Ich werde auch keiner werden.“ Gäbe es den Video-Assistenten nicht, hätten die Franken ihr erstes Erstliga-Spiel seit 1568 Tagen vielleicht nicht mit 0:1 bei Hertha BSC verloren. Und Köllner wäre wohl auch besser auf die Schiedsrichter zu sprechen gewesen. War er aber nicht. Stattdessen kritisierte er Referee Tobias Welz und die Assistenz in Köln. Denn beim Siegtreffer trat Hertha-Kapitän Vedad Ibišević seinem Gegenspieler Georg Margreitter auf die Füße. Margreitter fiel hin, Ibišević erzielte das letztlich entscheidende Tor.

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Welz sah sich die Szene sogar noch einmal auf dem Bildschirm an, konnte jedoch kein Foul erkennen. Völlig unverständlich für Köllner. „Jetzt schaut er sich das zehnmal an und bewertet es trotzdem anders, weil er glaubt, dass es taktisch keinen Einfluss hat. Aber für mich ist das ein taktischer Eingriff, wenn der Abwehrchef zu Boden geht. Das hat einen Einfluss auf den ganzen Abwehrverbund. Alle Spieler müssen sich dann anders orientieren“, sagte der 48-Jährige. Ihm fehle bei den Unparteiischen in solchen Situationen das „taktische Gespür“.

FCN-Coach lobt „überzeugenden und couragierten Auftritt“

Dass er selbst vom Videobeweis profitierte, konnte Köllner nicht milde stimmen. Nach einem Handspiel im Strafraum von Hertha-Verteidiger Karim Rekik hatte Welz auf Elfmeter entschieden und sich dies selbst durch Ansicht der Videobilder bestätigt. Letztendlich nicht weiter von Bedeutung, da Mikael Ishak den Strafstoß auf die Hände von Hertha-Torwart Rune Jarstein schoss. Der Schwede jedoch suchte die Schuld für die Niederlage nicht beim Schiedsrichter – sondern bei sich. „Ich habe viel nachgedacht. Am Ende lief alles schief“, sagte Ishak, der sich sein Scheitern nicht erklären konnte: „Das sind Elfmeter. Als Stürmer muss das sitzen.“

Gesellschaft bekam Ishak von Tim Leibold, der sich selbst kurzerhand für das 0:1 verantwortlich machte. Ihm war Herthas Flügelstürmer Valentino Lazaro enteilt, der die Vorlage für Ibišević gegeben hatte. „Die Fehler sind fatal. Die darf man in der Bundesliga nicht machen“, sagte Leibold. So hart wollte Köllner zu seinen Spielern nicht sein, er hatte sich ja bereits Luft gemacht. Gegner im ersten Heimspiel am kommenden Samstag (15.30 Uhr) ist der 1. FSV Mainz 05. Offensiv geht bei Köllners Team sicher mehr als in Berlin, aber die Einstellung und die Leidenschaft stimmten. „Uns muss in den nächsten Monaten und Wochen nicht bange sein“, sagte der Trainer. Er habe einen „überzeugenden und couragierten Auftritt“ gesehen.