Köllner und das Gefühl eines Schwerverbrechers

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Nach den Krawallen von Rostock hat der 1. FC Nürnberg doch noch für sportliche Schlagzeilen gesorgt. Der Achtelfinal-Einzug nach dem Elfmeter-Krimi im Pokal rettete einen bewegten Tag der Franken.

Die bedrückenden Szenen gingen Michael Köllner auch nach dem Pokalerfolg in Rostock nicht aus dem Kopf. „Wir sind mit einer Eskorte hergefahren wie ein Schwerverbrecher oder Staatspräsident“, sagte der Trainer des FCN. „Da sitzen 19- und 20-Jährige im Bus drin. Das kannst du als Mannschaft nicht ganz verdrängen.“ Und doch hatte es der Bundesligist geschafft: Nach über 120 Minuten Zitterpartie (4:2 n.E.) zogen die Franken beim Drittligisten Hansa Rostock ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein. „Wenn du gegen einen Drittligisten ins Elfmeterschießen gehst, warst du nicht der König der Dinge“, sagte Köllner, der hervorragende Torhüter Christian Mathenia ergänzte: „Es war eine ganz verrückte Partie.“ Grund zur Unruhe hatte es für die Nürnberger schon am frühen Mittwochmorgen gegeben. In der Nacht schmissen Unbekannte die Scheibe des Mannschaftsbusses mit einem Stein ein. Der Aufruhr nach dem Aufstehen war groß. „Sowas ist für mich total krank. Da zeigt der Fußball seine unschöne Seite“, sagte Köllner.

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Schlimmer wurde es tagsüber, als die Nürnberger Fans Rostock erreichten. 330 von ihnen lieferten sich eine gewalttätige Auseinandersetzung mit rund 50 Hansa-Anhängern. 311 FCN-Fans waren daraufhin in Gewahrsam genommen und gegen 20.50 Uhr in ihren Reisebussen zurück in die Heimat geschickt worden. 613 Polizisten waren im Einsatz, zwölf wurden leicht verletzt. Bei Krawallen früher am Tag musste die Polizei gar einen Warnschuss abgeben. All das wusste Köllner, und es bestärkte ihn am Ende nur in seinem Glauben an den Sieg. „In der Verlängerung wusste ich, dass wir weiterkommen“, sagte der 48-Jährige. Ganz schön beeindruckend.

Nürnberg hält Nervenspiel in Rostock stand

Denn Köllners Team kassierte in der 94. Minute durch einen Traum-Freistoß von Jonas Hildebrandt den zweiten sportlichen Nackenschlag des Tages. Doch Köllner blieb cool: „Ich habe das erste Mal keine Flasche rumgeschmissen.“ Schon in der regulären Spielzeit hatte Pascal Breier (35.) nach einer Slapstick-Einlage der Gäste-Abwehr Rostock in Führung gebracht. „Es darf eins nicht passieren: Dass du am Ende mit dem Schicksal haderst. Egal, was passiert. Wenn wir uns auf einmal mit den äußeren Umständen beschäftigen, da kann man tausend Argumente finden“, sagte der Coach. Seine Spieler verinnerlichten sein Mantra und kamen zweimal zurück. Adam Zreľák (90.) und Federico Palacios (103.) glichen für Nürnberg jeweils aus, bevor der überragende Tim Leibold im Elfmeterschießen die Partie entschied.