Köln am Abgrund: Thommy stiehlt Terodde die Show

Der 1. FC Köln schlittert der Zweitklassigkeit entgegen. Am Sonntag unterlag das Bundesliga-Schlusslicht dem VfB Stuttgart in einem mitreißenden Spiel knapp mit 2:3 (1:2). Die Luft im Tabellenkeller wird immer dünner.

FC-Coach Stefan Ruthenbeck hatte im Vergleich zum 2:1-Erfolg in Leipzig lediglich Claudio Pizarro in die Mannschaft gebracht. Der Peruaner lief anstelle des unter der Woche erkrankten Jannes Horn auf. Stuttgarts Tayfun Korkut vertraute jenen Spielern, die vergangene Woche gegen Frankfurt (1:0) siegreich waren.

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Die Hausherren starteten mutig in die Partie und wurden dafür nach sieben Minuten auch belohnt. Nach einem Ballgewinn von Marco Höger behielt Yūya Ōsako die Übersicht und bediente den allein gelassenen Pizarro im Strafraum. Der Peruaner blieb aus halblinker Position eiskalt und schloss flach ins lange Eck ab (7.). Auf der Gegenseite sorgte Mario Gómez erstmals für Gefahr, sein abgefälschter Schuss kullerte aber am linken Pfosten vorbei (14.). Während sich der VfB noch vom Rückstand erholte, zeigte Köln weiter eine gute Leistung, spielte mutig nach vorne und agierte bissiger in den Zweikämpfen.

Doppelschlag vor der Pause – Horn patzt

Weitere Möglichkeiten durch Pizarro (23., 41.), Erik Thommy (26.) und Ex-Stuttgarter Simon Terodde (30.) blieben ungenutzt. Grund zum Jubeln gab es für die heimischen Fans nach 37 Minuten, als Ōsako den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückte. Dem Zuspiel von Vincent Koziello war jedoch ein Foulspiel an VfB-Schlussmann Ron-Robert Zieler vorausgegangen. Schiedsrichter Sören Storks bemühte den Videobeweis und traf die richtige Entscheidung (37.). Mit einem Doppelschlag stellte Gómez (45., 45.+2) den Spielverlauf stattdessen aus dem Nichts auf den Kopf: Beide Tore bereitete Thommy vor, der zweite Treffer fiel zudem unter starker Mithilfe von FC-Keeper Timo Horn.

Die zweite Halbzeit begann ohne Wechsel auf beiden Seiten. FC-Coach Ruthenbeck hatte es in der Halbzeitpause nur bedingt geschafft, die eigene Mannschaft nochmal aufzumuntern. Die Kölner wirkten in der Offensive nicht mehr so spritzig wie noch vor der Pause. Das 3:1 durch Andreas Beck war die Quittung für den Auftritt in Durchgang zwei: Thommy steckte rechts durch auf den Ex-Nationalspieler, der von Jonas Hector nicht entscheidend angegriffen wurde und dadurch von rechts flach ins lange Eck vollenden konnte (57.). Fast im Gegenzug scheiterte der agile Koziello am glänzend reagierenden Zieler (59.).

VfB macht die Schotten dicht

Ruthenbeck reagierte und brachte die offensiven Leonardo Bittencourt (60., für Pizarro) und Jhon Córdoba (69., für Frederik Sørensen). Der VfB hingegen zog sich bei Kölner Ballbesitz tief in die eigene Hälfte zurück und offenbarte entsprechend kaum Lücken. Nach einem Ballverlust von Holger Badstuber bot sich Bittencourt die Chance aus spitzem Winkel – knapp am langen Pfosten vorbei (80.). Ein sehenswertes Freistoßtor des eingewechselten Miloš Jojić (83., für Koziello) ließ beim FC nochmal Hoffnung aufkeimen (86.). Noch ein Tor sollte aber nicht gelingen.

Die ohnehin schon geringe Wahrscheinlichkeit auf den Klassenerhalt des 1. FC Köln ist am Sonntag nochmals um ein gutes Stück gesunken. Zwar vergrößerte sich der Abstand auf Mainz 05 auf dem Relegationsplatz nur um einen Punkt, die Moral der Kölner wird nach dem heutigen Spiel aber zum wiederholten Male auf die Probe gestellt. Stuttgart reitet unter Korkut weiter auf einer Erfolgswelle und klettert auf Rang neun – plötzlich ist sogar Europa nur noch ein paar Punkte weg.