Kohfeldt und die Bremer Renaissance

Der SV Werder Bremen hat in der abgelaufenen Spielzeit nach einem schwachen Saisonstart den zwischenzeitlich drohenden Abstieg letztendlich souverän vermeiden können. Die Norddeutschen stabilisierten sich unter Trainer Florian Kohfeldt und kehrten zum Kombinationsfußball besserer Jahre zurück.

Die Grün-Weißen landeten am Ende der Saison auf dem elften Platz im gesicherten Mittelfeld. Danach hatte es nach dem zehnten Spieltag wahrlich nicht ausgesehen: Die Hanseaten waren Tabellenvorletzter und hatten gerade eine 0:3-Heimniederlage gegen den FC Augsburg hinnehmen müssen. Es war das letzte Spiel von Alexander Nouri als Bremer Cheftrainer. Der Coach, der Werder in der vorherigen Saison in einer ähnlichen Situation übernommen und im Anschluss beinahe noch in die Europa League geführt hatte, war an der Weser gescheitert. Mit Kohfeldt übernahm zum dritten Mal in Folge ein U23-Trainer die erste Mannschaft. Der 35-Jährige hauchte einem bis dato sieglosen Team wieder Leben ein.

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Am zwölften Spieltag bezwang Werder Hannover 96 im Nordderby mit 4:0 und feierte den ersten Saisonsieg. Bremen hatte unter Nouri versucht, auf defensive Kompaktheit zu setzen. Ein Konzept, das fehlschlug. Die Profis wirkten verunsichert und ohne klare Linie im Aufbauspiel. Kohfeldt lenkte den Fokus auf das Kreieren von Torchancen und gepflegte Kombinationen. Er ersetzte Nouris Fünfer- durch eine Viererkette in der Abwehr und nutzte den dadurch frei gewordenen, zusätzlichen Spieler, um Dominanz im Mittelfeld zu schaffen. Kohfeldt impfte den Norddeutschen wieder Offensivdrang ein. Unter dem gebürtigen Siegener erinnerte die Bremer Spielweise in Ansätzen an den Fußball, den Werder im vergangenen Jahrzehnt mit Johan Micoud, Ailton oder Diego gespielt hatte.

Trainer ist der große Gewinner der Saison

Der große Gewinner der abgeschlossenen Spielzeit ist also Kohfeldt, der vom Interimscoach zum Cheftrainer mit Vertrag bis 2021 befördert wurde. Aber auch einige Spieler konnten auf sich aufmerksam machen. Der Finne Niklas Moisander kristallisierte sich als Abwehrchef heraus. Diese Position musste er übernehmen, nachdem Lamine Sané aussortiert wurde und sich anschließend im Winter erfolgreich einen Wechsel erstreikte. Max Kruse machte einen weiteren Schritt zum Bremer Führungsspieler, seine Chancen auf die Kapitänsbinde stehen nach dem Abgang von Zlatko Junuzović im Sommer ziemlich gut. Der Däne Thomas Delaney organisierte die Zentrale mit einigem Geschick und spielte sich in den Fokus der Konkurrenz. Torhüter Jiri Pavlenka etablierte sich auf Anhieb in der Bundesliga und wurde zum großen Rückhalt.

Einige Akteure konnten sich dagegen weniger in Szene setzen. Angreifer Fin Bartels riss sich am 15. Spieltag in Dortmund (2:1) die Achillessehne und musste die restliche Spielzeit aussetzen. Winter-Neuzugang Milot Rashica kostete die Grün-Weißen sieben Millionen Euro, konnte die Ablösesumme bislang aber noch nicht rechtfertigen. Der Flügelstürmer absolvierte in der Rückrunde neun Bundesliga-Partien und erzielte dabei einen Treffer. Ein weiteres großes Thema an der Weser war die Installation des langjährigen Cheftrainers Thomas Schaaf in der neuen Position des Technischen Direktors. Wochenlang war spekuliert worden, Ende April wurde seine Rückkehr bestätigt. Mit dem 57-Jährigen stockt Werder die sportliche Kompetenz weiter auf, um in Zukunft auch mal über eine gesamte Spielzeit hinweg gute Leistungen bringen zu können.

Neues Ziel: Einstelliger Tabellenplatz

Denn wie schon in der Saison 2016/17 verhinderte der schwache Start ernsthafte europäische Ambitionen im weiteren Saisonverlauf. Auch wenn Werder sich unter Kohfeldt gefangen hatte und einem ähnlich tragischen Schicksal wie Nordrivale Hamburger SV entgehen konnte, so ist der elfte Rang sicherlich nicht das Ende der Fahnenstange in den Köpfen der Verantwortlichen. Geschäftsführer Frank Baumann visierte für die kommende Spielzeit einen einstelligen Tabellenplatz an, Trainer Kohfeldt unterstützte diese Zielsetzung. Dafür müssten die Hanseaten allerdings zur Abwechslung mal in guter Verfassung aus der Sommerpause kommen und diese nicht erst nach einem Drittel der Saison finden.