Kohfeldt und die Neuformierung der Abwehr

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Gegen den Rekordmeister sollte die Wende herbeigeführt werden, stattdessen setzte es die vierte Pleite in den vergangenen fünf Bundesliga-Spielen. Der SV Werder Bremen ist in den letzten Wochen vom selbst gesteckten Europa-Kurs abgekommen – und muss nun auch noch die Innenverteidigung neu formieren.

Der Moment schien beinahe perfekt zu sein: Passend zur ersten Krise unter Cheftrainer Florian Kohfeldt gastierte der FC Bayern München, ebenfalls strauchelnd unterwegs, im Weserstadion. Geschäftsführer Frank Baumann machte die Mannschaft vom Osterdeich daher im Vorfeld kurzerhand zum „gallischen Dorf, das die römischen Truppen aus Bayern mächtig ärgert“. Wirklich geärgert haben die Norddeutschen den Titelverteidiger beim 1:2 aber nur phasenweise, am Ende stand ein allzu bekanntes Gefühl: Frust. Selbst vor heimischer Kulisse sind die Bremer mittlerweile sehr verwundbar, in der Tabelle rutschten sie auf Rang neun ins Mittelfeld ab. „Es kommt schon eine kleine Unruhe auf“, gestand Sebastian Langkamp dem Kicker.

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Dem 30-Jährigen, sonst meist nur Edel-Joker für die defensive Zentrale, wird in den kommenden Wochen eine größere Rolle zukommen. Nach dem Muskelfaserriss von Miloš Veljković und der Gelb-Roten Karte für Niklas Moisander fallen die beiden gesetzten Innenverteidiger am Freitagabend (20.30 Uhr) gegen Fortuna Düsseldorf aus. Somit wird Langkamp von der ersten Alternative zum Teilzeit-Abwehrchef. Während der Ex-Herthaner sich seines Startelf-Einsatzes gegen den Aufsteiger bereits ziemlich sicher sein kann, wird sein Partner noch gesucht. Philipp Bargfrede wäre die logische Lösung, der Abräumer fällt aufgrund einer konservativen Behandlung seiner Achillessehnenprobleme allerdings bis zur Winterpause aus.

Langkamp gesetzt, Caldirola oder Friedl?

Es wird also ein weiterer zentraler Abwehrspieler gesucht, der sich der Offensive der Fortuna entgegen stellt. Der letzte gelernte Innenverteidiger im Werder-Kader ist Luca Caldirola. Der Italiener hat mit 80 Bundesliga-Spielen die nötige Erfahrung, auch relativ kalt auf den Platz zu kommen. Ob Kohfeldt diese Option aber tatsächlich ziehen wird, ist fraglich. Caldirola hatte im Sommer schon keine Zukunft mehr an der Weser und sollte in seine Heimat transferiert werden. Ein Verkauf kam nicht zustande, der 27-Jährige blieb Bremer Profi, ohne allerdings eine sportliche Rolle zu spielen. Nicht ein einziges Mal stand Caldirola in der laufenden Saison in Kohfeldts Aufgebot, zumeist trainiert er nur mit der U23 und hält sich für einen Wintertransfer fit.

Wahrscheinlicher als eine Rückkehr Caldirolas ist die temporäre Umschulung eines Außenverteidigers. Der Favorit hierfür ist Marco Friedl, der bei Kohfeldts Experimenten mit der Dreierkette bereits in der Zentrale agierte. Sein letzter Auftritt weckt allerdings keine guten Erinnerungen: Friedl hatte beim 2:6 gegen Bayer 04 Leverkusen von Beginn an gespielt, wurde aber bereits zur Halbzeit ausgewechselt. Die Pleite gegen die „Werkself“ war der Auftakt zur aktuellen Abwärtsspirale, Friedl kehrte seither nicht auf den Platz zurück. 14 Gegentore kassierte Werder in den vergangenen fünf Spielen, in den ersten acht Partien waren es nur acht gewesen. Der Weg zurück zum Erfolg führt über eine Stabilisierung der Defensive – entgegen aller Umstände.