Kovač-Bayern „reden nicht über Meistertitel“

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Mit dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf beginnen für den FC Bayern München wegweisende Wochen. Platz fünf, sieben Punkte Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund – das ist so gar nicht Bayern-like. Karl-Heinz Rummenigge macht Druck.

„Es ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, dass die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zurück muss“, sagte der Vorstandschef. „Die Mannschaft und auch der Trainer sind jetzt gefragt, dass wir versuchen, wieder verlorenes Terrain zurückzugewinnen.“ Erstmals seit 2010 dürfte der Herbstmeister in diesem Jahr nicht aus München kommen. Und im Sommer? „Wir reden jetzt nicht über das Ziel Meistertitel“, sagte Trainer Niko Kovač vor dem Spiel gegen Düsseldorf am Samstag (15.30 Uhr) kleinlaut. Und das von den Mia-san-mia-Bayern! Aber auch Kovač dürfte wissen, dass selbst der FC Ruhmreich noch nie einen so großen Rückstand nach elf Spieltagen aufgeholt hat. „Wir können nicht nach oben schauen“, sagte er, „wir müssen erst mal zuschauen, dass wir die Mannschaften vor uns überholen und bis zum Jahresende den ein oder anderen Punkt abgeknabbert haben.“

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In der Mannschaft ist die Stimmungslage ähnlich gedämpft. „Wir dürfen nicht vom Titel reden“, sagte Arjen Robben, der gegen Düsseldorf wieder zur Verfügung stehen dürfte. „Ich glaube, dafür sind wir im Moment nicht gut genug.“ Thomas Müller sieht die Bayern in den acht Spielen bis zur Winterpause, davon sechs in der Bundesliga, „in der Bringschuld“. Grundsätzlich sei der Rückstand aber noch wettzumachen, betonte er. Joshua Kimmich meinte: „Die Jagd kann beginnen!“ Dabei stören jedoch zahlreiche Nebengeräusche die Konzentration. Im Klub werden Debatten über den Umbruch auf allen Ebenen und eine mögliche Rückkehr von Oliver Kahn als Chef geführt. Aus der Mannschaft dringen fast täglich Interna nach außen. Und Trainer Kovač sucht noch immer nach einer überzeugenden Spielidee, die seine Mannschaft dauerhaft auf den Platz bringt.

Auftreten in Dortmund als Maßstab

Der „Maßstab“ müsse die Leistung in Dortmund sein, sagte er am Freitag, „wir müssen dieselbe Einstellung und Leidenschaft an den Tag legen“. Doch was, wenn den Münchnern, die nur zwei der jüngsten sieben Ligaspiele gewannen, auch gegen Aufsteiger Düsseldorf kein überzeugender Sieg gelingt? „Wir sollten jetzt nicht den Fehler machen, weil wir aktuell in der Tabelle nicht ganz da sind, wo wir selber gerne wären, alles in Frage zu stellen“, sagte Rummenigge. Kritik an Kovač hatten die Bosse zuletzt wiederholt zurückgewiesen. Stattdessen steht die Mannschaft im Fokus, der auch am Samstag mit Kingsley Coman, Thiago, James und Corentin Tolisso wichtige Stützen fehlen. Präsident Uli Hoeneß hatte zuletzt betont, in den kommenden Monaten genau darauf achten zu wollen, „wer zu gebrauchen ist, und wer nicht“.

Rummenigge ergänzte nun mit Blick auf mögliche Zugänge: „Wir müssen und werden was machen, spätestens im nächsten Sommer.“ Sportdirektor Hasan Salihamidžić sei diesbezüglich „schon jetzt mit Volldampf am Arbeiten“. Und in der Gegenwart? „Ich bin der Meinung, dass wir auch heute noch eine ganz gute Mannschaft haben“, sagte Rummenigge. Die Frage ist nur: Wie gut?