Kovač und die Einsamkeit als Bayern-Trainer

Foto: Christof Stache/AFP/Getty Images

Zu Beginn dieser Woche, die eine schicksalhafte für ihn werden dürfte, sah Niko Kovač nicht aus wie einer, der um seinen Arbeitsplatz fürchtet. Frisch rasiert, bemerkenswert gut gelaunt und einigermaßen tiefgründig reagierte der Trainer des FC Bayern München auch auf die bohrenden Fragen zu seiner Zukunft.

„Intern“, sagte er, sei die Unterstützung seiner Vorgesetzten „absolut da“, und er ergänzte: „Ob das auch öffentlich gemacht werden soll oder muss, darüber kann man diskutieren.“ Vor allem der Nachsatz lässt Raum für Interpretationen, kann aber auch so verstanden werden, als wolle Kovač signalisieren: Ein bisschen öffentliche Unterstützung könnte jetzt auch nicht schaden. Doch von Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Hasan Salihamidžić ist dieser Tage nichts zu hören. „Bis aufs Blut“ werde er Kovač verteidigen, hat immerhin Hoeneß gesagt – doch das liegt schon mehr als einen Monat zurück. Mittlerweile darf sich der Trainer alleingelassen vorkommen.

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Zweieinhalb Wochen ist es her, da hauten die drei Chefs in aller Öffentlichkeit mal so richtig auf den Tisch und dabei, salopp gesagt, den Medien eine rein. Doch sollten sie damit tatsächlich bezweckt haben, die Reihen zu schließen, ist der Versuch misslungen. Vielmehr dringen weiterhin Interna nach draußen, was Kovač zu der Bemerkung veranlasste: „Es ist wie in der Familie auch: Wenn sie zusammenhält, ist es leicht, wenn nicht, geht sie auseinander.“ Der Satz hätte so oder ähnlich auch von Hoeneß stammen können, der den FC Bayern als eine, als seine Familie ansieht. Nur: Kovač scheint nicht so sicher zu sein, ob er ein vollwertiges Mitglied dieser Familie ist. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Spieler beim FC Bayern schon immer wichtiger waren als der Trainer. Die Türe von Hoeneß stand immer offen für all jene, die mit sich, der Welt oder eben dem Trainer unzufrieden waren.

„Wir müssen zusammenhalten, vom Zeugwart bis zum Trainer“

Kovač wird dies wissen. Er hat ja schon mal beim FC Bayern gespielt. Vor dem Champions League-Spiel gegen AEK Athen am Mittwochabend in München sagte er nach den ersten Anmerkungen zum familiären Zusammenhalt auch: „In der Geschichte gab es genug Beispiele, ob es Troja war, ob es Cäsar war. Wir müssen zusammenhalten, vom Zeugwart bis zum Trainer.“ Troja? Cäsar? Die Trojaner gingen der Sage nach unter, weil sie das legendäre Pferd in die Stadt holten. Cäsar wurde Opfer einer Verschwörung. Kovač war zweifellos nicht die erste Wahl als Nachfolger von Jupp Heynckes. Für Hoeneß war das zu lange Jupp Heynckes, für Rummenigge wohl Thomas Tuchel. Und für Salihamidžić? Neulich, bei besagter Pressekonferenz, fiel ihm Rummenigge sogar ins Wort. Kovač hilft es jedenfalls nicht, wenn seine Vorgesetzten ihn nicht auch mit demonstrativen Ansagen in der Öffentlichkeit – sondern ihm sogar in den Rücken fallen. Am vergangenen Samstag ließ sich Salihamidžić nach dem 1:1 im Ligaspiel gegen den SC Freiburg zu der verunglückten Aussage hinreißen, er frage sich auch, wo die von Kovač angekündigten Fortschritte blieben. Da wäre Schweigen ausnahmsweise besser gewesen.