Kovačs Schicksalstage starten gegen Athen

Foto: Christof Stache/AFP/Getty Images

Erst gegen Athen, dann nach Dortmund: Trainer Niko Kovač steht beim FC Bayern München vor einer möglicherweise entscheidenden Woche. Die Champions League rückt dabei fast in den Hintergrund.

Wende oder Ende? Für Kovač beginnen mit dem Champions League-Spiel am Mittwoch (21 Uhr) gegen AEK Athen seine ganz persönlichen Schicksalstage beim deutschen Rekordmeister. Der Coach braucht gegen den griechischen Meister einen überzeugenden Erfolg und muss vier Tage später im größten Spiel des deutschen Fußballs bei Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund zumindest eine Niederlage verhindern – sonst wird es wohl sehr eng. „Bis aufs Blut“ wollte Präsident Uli Hoeneß den Übungsleiter verteidigen – doch das ist nun auch schon wieder viereinhalb Wochen her. Seitdem schweigt Hoeneß zu diesem Thema, Sportdirektor Hasan Salihamidžić verbat sich zuletzt „blödsinnige Fragen“ zur Zukunft von Kovač.

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Doch die jüngsten Darbietungen dürften den Glauben an den Kroaten zumindest nicht gefestigt haben, auch wenn dieser am Dienstag versicherte: „Die Unterstützung ist intern absolut da.“ Am Tag vor dem Spiel gegen Athen, für das Arjen Robben (Knieblockade) ausfällt und James Rodríguez (Wadenprobleme) fraglich ist, nahm immerhin Joshua Kimmich den Trainer auch öffentlich in Schutz. „Wir stehen auf dem Platz, wir haben die Verantwortung, wir als Spieler müssen dafür sorgen, dass jeder wieder an sein Maximum herankommt“, betonte der 23-Jährige. Zugleich versicherte er: Ja, die Mannschaft habe einen Plan, ja, dieser sei auch „grundsätzlich nicht schlecht“, aber nein, er sei zuletzt „nicht gut umgesetzt“ worden.

Salihamidžić fordert klaren Sieg in Dortmund

Wie dieser Plan aussieht, konnte oder wollte Kimmich nicht erläutern, er gab allerdings zu, dass es den Münchnern gerade an vielem mangele: Etwa am „Blick für den Nebenmann“, an der Mentalität, als Mannschaft auftreten zu müssen, vor allem auch am Selbstbewusstsein, sich durch schlechte Phasen mit der „Mia san mia“-Einstellung zu kämpfen. „Qualität ist auch, wenn man als Bayern-Spieler trotzdem mit Eiern aufs Spielfeld geht“, betonte Kimmich. Ein Sieg gegen die Griechen könnte nicht nur den Druck auf Kovač lindern. Sollte Ajax Amsterdam zeitgleich in Lissabon gewinnen, wäre das Achtelfinale gesichert. Doch nach vier Heimspielen ohne Sieg und dem Offenbarungseid gegen Freiburg (1:1) wäre auch ein weiterer Patzer keine Sensation. Deshalb forderte Thomas Müller: „Es ist unsere Aufgabe, unseren Mann zu stehen.“

Müller hofft auf einen deutlichen Erfolg, um den „Schwung in dieses Spiel gegen Dortmund mitzunehmen. Da wollen und müssen wir mithalten.“ Salihamidžić formulierte es noch offensiver. „Wir fahren nach Dortmund und wollen da klar gewinnen“, sagte er. „Aber erst mal ist Champions League.“ Auch für Kovač ist Dortmund noch „weit weg, wir haben erst mal Athen. Da müssen und wollen wir gewinnen.“ Die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft sei gut, versicherte er, „wir sind positiver Dinge, ich hoffe, nicht nur das Ergebnis ist gut.“

Zusammenhalt der Bayern-Familie gefährdet

Doch die Berichte über Spannungen zwischen Kovač und der Mannschaft reißen nicht ab. Am Montag sah sich Mats Hummels genötigt, via Twitter Mutmaßungen aufzugreifen, wonach er einem Anti-Kovač-Block aus erfahrenen Bayern-Profis angehöre. Dass immer wieder Interna nach außen gelangten, sei „nicht förderlich, sowas darf es nicht geben“, sagte Kovač und betonte: „Es ist wie in der Familie auch: Wenn sie zusammenhält, ist es leicht, wenn nicht, geht sie auseinander.“ Im Moment scheint dieser familiäre Zusammenhalt trotz gegenteiliger Beteuerungen gefährdet.