Krisen-Clásico: Real sucht nach der Trendwende

Foto: Josep Lago/AFP/Getty Images

Am Sonntagnachmittag (16.15 Uhr) ist es wieder so weit: Der FC Barcelona empfängt Real Madrid am zehnten Spieltag der spanischen La Liga zum prestigeträchtigen Clásico. Beide Mannschaften hatten in der jungen Saison bereits Krisen zu bewältigen, die „Königlichen“ stecken sogar noch mittendrin.

Real Madrid ist seit mittlerweile vier Ligaspielen sieglos, zuletzt unterlagen die „Blancos“ UD Levante mit 1:2. Zuvor blieb der Hauptstadtklub zudem 465 Minuten lang ohne eigenes Tor, es war die längste Durststrecke in der 116-jährigen Vereinsgeschichte. Der 2:1-Sieg gegen Viktoria Pilsen in der Champions League am Dienstagabend war alles andere als überzeugend und kann wohl kaum als Brustlöser herhalten, die Tschechen ließen einige hochkarätige Gelegenheiten ungenutzt. Von der Souveränität der letzten Jahre, die zu drei Champions League-Titeln in Serie führte, ist Madrid noch weit entfernt. Viele Baustellen für den neuen Trainer Julen Lopetegui – und die große Chance, die Trendwende ausgerechnet beim Erzrivalen einzuleiten.

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Ein neuerlicher Aufschwung ist dringend nötig: Real ist in den vergangenen Wochen bis auf den siebten Tabellenplatz durchgereicht worden. Besonders in der Offensive haben die Madrilenen große Probleme, der Abgang von Cristiano Ronaldo wiegt offenbar schwerer als zunächst angenommen. Nach dem vielversprechenden Saisonstart mit drei Siegen in Folge (und zehn Toren) kam die Abteilung Attacke ins Stocken. Mit vier Treffern in neun Partien ist Karim Benzema bereits der beste Schütze der ehemals „Galaktischen“. Auch die Mittelfeldzentrale um Luka Modrić und Toni Kroos läuft den Leistungen der Vergangenheit hinterher. Der deutsche Nationalspieler konnte noch keine direkte Torbeteiligung verbuchen.

Barça ist der Abwärtsspirale bereits entkommen

Nach dem wackligen Sieg gegen Pilsen erneuerte auch die spanische Presse ihre Kritik am Rekordmeister. „Ihr redet über diese Krise, als wolltet ihr uns nur wehtun. Ihr versucht doch nur, uns zu schaden. Vielleicht seid ihr neidisch, weil ihr nicht Fußball spielen könnt“, verteidigte sich Marcelo gegenüber den Journalisten. Die Haut der „Blancos“ scheint dünner zu werden, Sergio Ramos sorgte kürzlich schon für einen kleinen Eklat: Ausgerechnet der Kapitän schoss im Training zweimal einen Ball in Richtung des jungen Sergio Reguilón, der ihn zuvor unglücklich an der Nase erwischt hatte. Immerhin Coach Lopetegui bekam nach dem Abpfiff vom Vorstandsvorsitzenden Emilio Butragueño eine vorläufige Jobgarantie und den Rücken gestärkt.

Auch der FC Barcelona musste in der laufenden Saison bereits erfahren, dass die Liga kein Selbstläufer wird. Die Katalanen blieben zwischen dem vierten und dem neunten Spieltag sieglos und büßten zwischenzeitlich die Tabellenführung ein. Mit dem 4:2-Sieg gegen den FC Sevilla am vergangenen Wochenende setzte sich die „Blaugrana“ allerdings wieder an die Spitze. Das große Plus Barcelonas ist die Offensivreihe: Lionel Messi, Luis Suárez, Ousmane Dembélé und Philippe Coutinho erzielten bereits 17 Ligatreffer, vier mehr als der gesamte Real-Kader. Besonders der Argentinier präsentiert sich mit zwölf Scorerpunkten in neun Partien einmal mehr in Top-Form. Real gab seinen Ronaldo im Sommer ab, Barça aber behielt seinen Messi.

Lopeteguis erster Clásico schon sein letzter?

Im Clásico ist dieser Vorteil allerdings nicht gegeben, Messi fehlt aufgrund eines Unterarmbruchs. Die Vorzeichen für die Katalanen sind dennoch gut: Die „Culés“ zeigten sich am Mittwochabend in der Königsklasse beim 2:0 gegen Inter Mailand in äußerst stabiler Verfassung und gehen folgerichtig als Favorit ins Duell mit den „Königlichen“. Während es für Barcelona die Chance ist, den Anspruch auf die Meisterschaft glasklar zu untermauern, muss Real Madrid anfangen, wieder abzuliefern. Und welche Kulisse wäre dafür besser geeignet, als das Aufeinandertreffen der beiden dominantesten Klubs der letzten zehn Jahre? Im Falle einer weiteren Pleite könnte Lopeteguis erster Clásico aber auch schon sein letzter sein.