Kroatien nach Elfmeter-Drama im Halbfinale

Foto: Laurence Griffiths/Getty Images

Kroatien besiegte Gastgeber Russland im letzten WM-Viertelfinale mit 4:3 (2:2) nach Elfmeterschießen. Damit zählen die „Kockasti“ erstmals seit 1998 wieder zu den besten vier Mannschaften der Welt.

Russlands Nationaltrainer Stanislav Cherchesov musste seine Anfangsformation gegenüber dem 5:4 nach Elfmeterschießen im Achtelfinale gegen Spanien auf einer Position ändern. Yuri Zhirkov fiel aufgrund von Sehnenproblemen im Schienbein aus; für ihn spielte Denis Cheryshev von Beginn an. Kroatiens Coach Zlatko Dalić ersetzte nach dem 4:3-Erfolg nach Elfmeterschießen gegen Dänemark Marcelo Brozović durch Hoffenheims Andrej Kramarić. Der Frankfurter Ante Rebić stand erneut in der Startelf.

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Die Anfangsphase gehörte den Gastgebern: Nach nicht einmal zwei Minuten musste Šime Vrsaljko gegen Cheryshev retten (2.), nur wenig später wurde Artyom Dzyubas Direktabnahme im Strafraum noch geblockt (5.). Kurz darauf entdeckten auch die Kroaten den Vorwärtsgang. Russlands Keeper Igor Akinfeev klärte eine vielversprechende Hereingabe von Rebić (6.), nach der anschließenden Ecke köpfte Dejan Lovren über das Tor (7.). Die Kroaten bekamen die Partie mit zunehmender Spieldauer besser in den Griff. Mario Mandžukić rutschte der Ball in aussichtsreicher Situation über den Schlappen (11.). In der Folge verflachte das Spiel, beide Mannschaften gönnten sich eine Pause vom Risiko und vom Offensivdrang.

Kramarić kontert Cheryshevs Traumtor

Es dauerte bis zur 28. Minute, ehe den Zuschauern in Sotschi wieder Torgefahr geboten wurde. Ivan Perišić verfehlte das russische Tor per Kopf allerdings deutlich (28.). Cheryshev machte es auf der Gegenseite ungleich besser: Der Spanien-Legionär kam im Mittelfeld an den Ball, verschaffte sich ein wenig Raum und schlenzte das Spielgerät aus guten 20 Metern ins linke obere Eck des kroatischen Gehäuses (31.). Die „Vatreni“ mussten sich kurz schütteln und schlugen anschließend zurück: Mandžukić erhielt auf der linken Seite zu viel Platz und bediente Kramarić im Strafraum. Der Hoffenheimer köpfte aus kurzer Distanz ins lange Eck zum Ausgleich (39.). Kroatien präsentierte sich feldüberlegen, das Remis ging zur Pause aber in Ordnung.

Die Kroaten kamen druckvoll aus der Kabine. Kramarić versuchte es mit einem Fallrückzieher, der aber zur leichten Beute für Akinfeev geriet (52.). Nach einer Stunde war der Favorit dem Führungstreffer dann ganz nahe: Nach einer Flanke von Ivan Strinić machte Kramarić den Ball nochmal scharf. Perišić war der Nutznießer eines russischen Missverständnisses, traf aber per Flachschuss nur den Innenpfosten (60.). Kurz vor der Schlussphase wurde die „Sbornaja“ wieder offensiv aktiv. Der eingewechselte Fedor Smolov verpasste den Moment des Abschlusses und bediente stattdessen Mário Fernandes. Dessen Hereingabe konnte Aleksandr Erokhin nicht verwerten, der ebenfalls eingewechselte Mittelfeldspieler zielte zu hoch (72.).

Fernandes rettet Russland ins Elfmeterschießen

Zwei geblockte Versuche von Luka Modrić und Vrsaljko leiteten die Schlussphase der regulären Spielzeit ein (76.). Die Kroaten waren um offensive Durchschlagskraft bemüht, die Russen machten die Schotten allerdings weitestgehend dicht. Die Gastgeber konnten das Spiel ausgeglichen gestalten und kämpften sich damit in die Verlängerung. Für beide Teams waren es nach den jeweils knappen Achtelfinals bereits die zweiten 120 Minuten des Turniers. In der zusätzlichen halben Stunde war der Verschleiß der beiden Kontrahenten deutlich zu spüren. Vedran Ćorluka musste den verletzten Vrsaljko ersetzen (97.).

Eine Standardsituation brachte schließlich die Führung der Kroaten: Nach einem Eckball von Modrić stieß Innenverteidiger Domagoj Vida die Tür zum Halbfinale per Kopf ganz weit auf (101.). Russlands Coach Cherchesov zog seinen letzten offensiven Joker und brachte Alan Dzagoev für Aleksandr Golovin (102.). Im ersten Durchgang der Verlängerung fanden die Russen keine Antwort mehr. In der zweiten Hälfte brachte Dzagoev eine Freistoßflanke in den kroatischen Strafraum und Fernandes köpfte den nicht mehr für möglich geglaubten Ausgleich (115.). Roman Zobnin hätte aus der Distanz beinahe noch das ganz große russische Wunder möglich gemacht, Kroatiens Danijel Subašić hielt (119.).

Fernandes verschießt, Rakitić bringt die Entscheidung

Die Entscheidung musste im Elfmeterschießen herbeigeführt werden. Subašić hielt den ersten Elfmeter gegen Smolov, Akinfeev den zweiten kroatischen gegen den eingewechselten Kovačić. Fernandes verschoss den dritten russischen Elfmeter, wodurch Kroatien einen Treffer in Vorteil geriet. Diesen gaben sie bis zum entscheidenden Strafstoß von Ivan Rakitić zum 4:3-Sieg nicht mehr her. Kroatien zieht nach einem dramatischen Viertelfinale ins Halbfinale gegen die Engländer am 11. Juli ein.