Labbadia auf der Suche nach der Einheit

Schon nach zwei Spielen bekommt VfL-Trainer Bruno Labbadia Gegenwind zu spüren. Der erfahrene Bundesliga-Coach steht vor der Herausforderung, den auf allen Ebenen zerrütteten Klub wieder in die Spur zu bringen.

In den vergangenen Tagen bekam Labbadia deutlich vor Augen geführt, welch schwierige Aufgabe er sich in Wolfsburg aufgebürdet hat. Sein Team lieferte bei der 1:2-Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen eine erschreckend blutleere Vorstellung ab, nach dem Abpfiff quittierten Teile der Anhänger die Nicht-Leistung mit Häme. „Wir steigen ab, wir kommen nie wieder – wir haben Bruno Labbadia“, schallte es von den Rängen. Jener Labbadia, der erst seit zwei Wochen beim VfL im Amt ist und der mit Sicherheit den geringsten Anteil an der miserablen Lage der „Wölfe“ hat. Der 52-Jährige reagierte professionell auf die unangebrachten Schmähgesänge. „Es ist nicht hilfreich, aber es ist besser, wenn’s gegen mich als gegen die Mannschaft geht“, meinte er. Der Wolfsburger Übungsleiter steht vor der Herkulesaufgabe, nicht nur die Einheit mit den Fans wiederherzustellen, sondern vor allem die auf dem Platz.

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Der Auftritt gegen Leverkusen zeigte abermals, dass der VfL zwar unbestrittene individuelle Qualität hat, als Team aber nicht funktioniert. Die Verunsicherung ist greifbar, kaum einmal waren emotionale Regungen bei den Spielern zu sehen. „Die Mannschaft sucht ihre Identität“, meinte Labbadia. „Sie ist zusammengestellt, dass sie Fußball spielen möchte. Beim Spiel mit dem Ball spielt das Selbstvertrauen eine enorme Rolle.“ In der Tat wirkt der VfL im Gegensatz zu erprobten Konkurrenten wie dem SC Freiburg oder dem VfB Stuttgart mit dem Abstiegskampf überfordert – obwohl der Verein schon in der vergangenen Saison dem Gang in die zweite Liga erst in der Relegation knapp entronnen war.

Labbadia vermisst Führungsspieler

Aus den Fehlern gelernt hat der VfL offenbar nicht. Es fehlen erneut Spieler, die vorangehen und den Kampfgeist in der Mannschaft wecken. Dieselbe Problematik hatte ein gewisser Mario Gómez bereits in der Winterpause der vergangenen Saison angesprochen. Der Ex-Kapitän hatte den VfL damals beinahe im Alleingang zum Klassenerhalt geschossen und dem Klub im Januar entnervt den Rücken gekehrt. Jetzt hilft Gómez mit seinen Treffern dem VfB Stuttgart aus dem Keller und Wolfsburg hat einen wichtigen Führungsspieler weniger. Das erkannte auch Labbadia. „Wir haben zu wenig Spieler auf dem Platz, die Verantwortung übernehmen“, klagte er nach der Niederlage gegen Leverkusen. Die Eigengewächse Robin Knoche und Maximilian Arnold, die als dienstälteste Profis automatisch in den Fokus rücken, sind zu sehr mit sich selbst und ihrer Leistung beschäftigt. Erfahrene Profis wie Jakub Błaszczykowski und Kapitän Ignacio Camacho fehlten lange verletzt.

Und nicht nur auf dem Platz ist der VfL aktuell nahezu führungslos. Der Druck auf Sportchef Olaf Rebbe wächst weiter, der 39-Jährige ist stark angezählt. Ein neuer Geschäftsführer Sport wird gesucht, die Stelle ist seit der Trennung von Klaus Allofs 2016 vakant. Die Namen von Hannovers Horst Heldt und Jörg Schmadtke kursieren in der Autostadt. Zeitdruck wollen sich die Verantwortlichen keinen machen, auch weil Kandidaten wie Heldt wohl – wenn überhaupt – erst im Sommer verfügbar wären. Der Bedarf ist allerdings akut, die Kaderplanungen für die kommende Saison erfordern mal wieder einen Umbruch. „Im Sommer muss sich etwas ändern“, forderte Verteidiger Jeffrey Bruma. Zunächst einmal muss der VfL aber zusammenrücken, um die Klasse halten. Da sind vor allem die Spieler gefordert.