Labbadia: „Es hat einfach Spaß gemacht zuzusehen“

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Am Ende des Spektakels mussten sich Bruno Labbadia und Pál Dárdai gegenseitig kneifen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Trainer nahmen sich in die Arme, knufften sich und waren glücklich, aber auch perplex.

Waren das wirklich der VfL Wolfsburg und Hertha BSC, die sich da ein so rassiges wie hochklassiges Duell mit einem gerechten 2:2 (0:0)-Endstand geliefert hatten? Ja, die oft so grauen Ligamäuse hatten mit Leidenschaft und Begeisterung auf dem Tisch getanzt und das Publikum begeistert. Labbadia ertappte sich sogar dabei, phasenweise nicht als Coach, sondern als Fan auf den Rasen der Arena geschaut zu haben: „Es hat einfach Spaß gemacht zuzusehen.“ Punktgleich mit dem FC Bayern München sind sie nach diesem Remis nicht mehr, viel wichtiger aber: Die beiden Kontrahenten haben nicht nur einen exzellenten Saisonstart hingelegt, sie dürfen auch mehr denn je darauf hoffen, sich im ersten Tabellendrittel zu etablieren.

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„Mit sieben Punkten aus drei Spielen ist alles sehr in Ordnung“, formulierte Dárdai ein pauschales Lob, das fast ein wenig mager ausfiel, denn zwei der drei Partien fanden auswärts statt. Und vor allem: Die defensive Ordnung seiner Schützlinge war nicht nur in Wolfsburg nahezu perfekt, 266 Ligaminuten ohne Gegentor waren kein Zufall. Erst ein nicht unumstrittener Foulelfmeter von Yunus Malli schlug unhaltbar für Rune Jarstein im Hertha-Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 ein (87.). Schiedsrichter Christian Dingert hatte nach einem Zweikampf zwischen Maximilian Arnold und Arne Maier auf Freistoß entschieden. Doch dann griff der Video-Assistent in Köln ein, weil das Foulspiel doch innerhalb des Strafraums begangen wurde. Maier bezweifelte indes, dass es überhaupt eine unfaire Attacke gewesen sei. „Das war nichts, wir spielen schließlich Fußball“, sagte der Mittelfeldspieler bei Sky.

Dárdai freut sich für fleißigen Duda

Nach zwei Relegationen binnen eines Jahres akzeptierte das Wolfsburger Publikum den sehenswerten Auftritt der „Wölfe“, gänzlich überzeugt sind die VfL-Fans noch nicht. Bei der zum Duell der Bayern-Jäger hochgejazzten Partie gegen die Berliner blieben knapp 5.000 Plätze in der Volkswagen-Arena leer. Was sich ändern könnte, wenn die Erfolgsserie der Niedersachsen anhält. „Jeder hat gesehen, dass da viel mehr Feuer und Leben in der Mannschaft als im vergangenen Jahr ist“, sagte Admir Mehmedi, dessen Tor in der dritten Minute der Nachspielzeit die turbulente Schlussphase abschloss. Nach Javairo Dilrosun (61.) hatte Ondrej Duda die Gäste per direkt verwandeltem Freistoß (90.+1) ein zweites Mal in Führung gebracht. Dárdai freute sich über den dritten Saisontreffer des Slowaken: „Er hat viel Standardtraining gemacht und sich nun dafür belohnt.“