Latza: „Man nimmt das auch mit nach Hause“

Danny Latza wechselte im Sommer 2015 vom VfL Bochum zum 1. FSV Mainz 05 und hat sich seitdem zum Leistungsträger bei den Rheinhessen entwickelt. Im Lattenkreuz-Interview spricht der Mittelfeldspieler unter anderem über fehlende Konzentration bei Standards, seine eigene Rolle im Team und den möglichen Klassenerhalt.

In seiner bisherigen Karriere absolvierte Latza 72 Bundesliga-Spiele für Mainz 05 (69) und den FC Schalke 04 (3), erzielte dabei sechs Treffer und bereitete zudem vier Tore seiner Mitspieler vor. Vertraglich ist der 28-Jährige noch bis zum 30. Juni 2021 an den FSV gebunden.

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Herr Latza, am Freitag in Berlin ist endlich der erste Auswärtssieg in dieser Saison geglückt. Wie groß ist die Erleichterung?
Riesig. Es hat sehr gut getan, mal wieder einen Dreier in der Fremde zu bejubeln. Und ich glaube auch, dass wir einfach dran waren. Wir haben uns gegen Berlin für eine gute Leistung belohnt.

Erst zum dritten Mal in dieser Saison wurde zu Null gespielt. Wo muss in der Defensive noch nachjustiert werden, damit derartiges öfter gelingt?
Wir haben gegen Berlin dahingehend einen ersten Schritt gemacht. Die Dreier-/Fünferkette ist ein guter Ansatz gewesen. Darauf gilt es nun aufzubauen und langfristig die defensive Stabilität wiederzugewinnen. Dazu müssen wir die Leidenschaft aus dem Berlin-Spiel auch bei den kommenden Aufgaben – beispielsweise gegen Wolfsburg am Freitag – zeigen. Für ein Tor sind wir immer gut, aber in der Defensive müssen wir definitiv nachbessern, um nicht mehr so viele Gegentore zu bekommen.

Vor allem bei Standards hatte die Mannschaft in der Vergangenheit Probleme. Fehlt es in diesen Situationen an Konzentration?
Möglicherweise. Wenn jeder an seinem Mann dran ist, könnten Gegentore leichter verteidigt werden. Er muss ja den Ball nicht zwingend klären, sondern den Gegenspieler einfach entscheidend stören, damit er nicht gefährlich zum Abschluss kommen kann. Da fehlt es uns in manchen Situationen vielleicht am letzten Prozent Konzentration.

Im Winter wurde mit Nigel de Jong ein Spieler geholt, der mit Ihnen auf der Position vor der Abwehr konkurriert. Wie haben Sie diese Entscheidung vom Management gesehen?
Man merkt jeden Tag, was Nigel für einen Spaß hat, wenn er mit uns trainiert. Er hat keinerlei Starallüren oder ähnliches, aber man schaut sich von ihm natürlich einiges ab und blickt zu ihm auf. Er hat einige Spiele in der Champions League bestritten, verfügt über eine enorme Erfahrung und ist dadurch natürlich ein Gewinn für uns als Team.

Wie würden Sie Ihre eigene Rolle im Team beschreiben?
Ich habe mich in den letzten drei Jahren in Mainz dahin entwickelt, dass ich ein gestandener Bundesliga-Spieler geworden bin. Zudem habe ich meiner Meinung nach eine Führungsrolle eingenommen, die ich mir auch weiterhin in dieser Form zutraue. Außerdem will ich den Jungs vor allem mit meiner Laufstärke helfen und sie in jeder Situation unterstützen.

Was kann die Mannschaft tun, um die Gunst der Fans wieder für sich zu gewinnen?
Ich glaube, dass wir, wenn wir wie gegen Berlin spielen und kämpfen, und diese Leidenschaft regelmäßig auf den Platz bringen, die Fans direkt am Freitag gegen Wolfsburg wieder hinter uns haben. Dabei gilt es, auch im Training alles zu geben.

Warum hält Mainz die Klasse?
Weil wir einfach die Qualität haben.

„Wir haben uns gegen Berlin für eine gute Leistung belohnt“ – Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Wie geht man als Spieler mit einer sportlichen Krise unter der Woche um?
Man macht sich in jedem Fall seine Gedanken und nimmt das auch mit nach Hause, das ist klar. Wenn ich mir keine Gedanken machen würde, wäre ich hier auch falsch, denn es ist mein Beruf. Wir haben alle großen Spaß daran, jeden Tag zum Training zukommen und hart an uns zu arbeiten. Das ist ein weiterer Punkt, der uns auf dem Weg zum Klassenerhalt pusht.

Sie haben Ihren Vertrag im letzten Sommer langfristig bis 2021 verlängert. Wie sieht es im Abstiegsfall aus?
Mein Vertrag ist auch für die zweite Liga gültig, weshalb ich mir darüber keinerlei Gedanken mache. Aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Mainz in die erste Liga gehört und ich mich deshalb überhaupt nicht mit einem möglichen Abstieg beschäftige.

Sie haben in Ihrer Karriere das ein oder andere Länderspiel für deutsche U-Auswahlen absolviert. Rechnen Sie sich noch Chancen auf ein Debüt bei der A-Nationalmannschaft aus?
(lacht) Darüber mache ich keine Gedanken. Mein Fokus liegt auf Mainz 05 und der Situation, in der wir uns momentan befinden. Die Nationalmannschaft ist dabei sehr weit weg. Aber natürlich wäre es eine schöne Sache, den „Adler“ nochmal auf der Brust zu tragen, aber da bin ich realistisch genug, dass das wohl eher nichts mehr wird.

Wie sehen Sie den Videobeweis?
Ich finde, dass das sehr schwierig zu beurteilen ist. Wir wurden in dieser Saison dadurch bereits bevorteilt aber auch benachteiligt. Ich finde, dass viel konkreter kommuniziert werden muss, was Sache ist. Gut finde ich, dass Abseits-Stellungen besser aufgelöst werden können – wenn die Technik funktioniert.