Leipzig im Höhenflug, blaues Auge für Berlin

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Mit letzter Kraft schleppte sich RB Leipzigs Timo Werner auf einem Bein hüpfend zu den jubelnden Fans, da war auf der anderen Seite des Berliner Olympiastadions schon lange der Ofen aus. Aus der berühmten Ostkurve kam kaum eine aufmunternde Geste, nachdem der Gast aus Sachsen den Rivalen Hertha BSC mit 3:0 (1:0) aus deren Arena gejagt hatte.

Während RB weiter von der Königsklasse träumen kann, ist die Stimmung zwischen Mannschaft und Fans in der Hauptstadt nach starkem Saisonstart wieder abgekühlt. Der Stimmungsboykott der Berliner Ostkurve als Reaktion auf das vom Verein im Zuge der Krawalle von Dortmund erlassene Fahnen-Verbot hatte seine Spuren hinterlassen. „Die Mannschaft war vorbereitet mental vor dem Spiel, dass es ein stilles Stadion wird. Trotzdem ist das kein Alibi. Die Zweikampfführung bei uns ist in einem Freundschaftsspiel oder Training besser“, sagte Hertha-Trainer Pál Dárdai nach der Partie. Und nach einer vor allem im zweiten Durchgang zahnlosen Vorstellung gegen RB muss sich Hertha im Mittelfeld erst einmal neu sortieren.

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Dort wo Berlin gerne stünde, nämlich in direktem Kontakt zur Spitze, da macht es sich Leipzig nun gemütlich. Seit neun Liga-Spielen ungeschlagen, seit 450 Minuten ohne Gegentor. Werner preschte im Sky-Interview gar vor: „Wenn wir so spielen, können wir in die Champions League kommen.“ Trotz einer Zeh-Verletzung, die er sich beim Führungstreffer (7.) zuzog, legte Werner (53.) im zweiten Durchgang sein sechstes Saisontor nach. Spätestens als Matheus Cunha (75.) das dritte Tor schoss, gab auch der letzte Enthusiast in der Ostkurve auf. Dárdais Kritik bezog sich trotz der Stimmungsblockade dennoch allein auf die eigenen Spieler: „Wir wollten das Tempo erhöhen, aber die Tagesform war nicht genug dafür.“

Preetz will den Dialog mit den Fans

Laut Werner hätte es für die Hertha gar schlimmer kommen können: „Ich hätte heute auch einen Dreierpack oder Viererpack machen können“, sagte er. Selbst der lädierte Zeh scheint den 22-Jährigen derzeit nicht aufzuhalten. Trainer Ralf Rangnick gab sich optimistisch: „So wie er jetzt in der Kabine beieinander war, gehe ich davon aus, dass es bis nächste Woche wieder geht. Bei der Hertha wird in der kommenden Woche vor allem die Klubführung Arbeit bekommen. Der Verein sieht das Fahnen-Verbot nach den Ausschreitungen beim 2:2 bei Borussia Dortmund nicht als Dauermaßnahme. Eine derart stumme Kulisse trotz über 50.000 Zuschauern kann sich der Verein nicht leisten. Geschäftsführer Michael Preetz will den Dialog mit den Fans. Alles wolle man sich nicht gefallen lassen, aber grundsätzlich „müssen wir an einen Tisch. Es müssen Dinge besprochen und Grenzen gezogen werden“, sagte Preetz.