Leipzig nur Remis im „Charaktertest“

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Die Profis von RB Leipzig verabschiedeten sich noch von den mitgereisten Fans, da war Ralf Rangnick längst auf dem Weg in die Kabine und grübelte über die Leistung seiner Mannschaft. Mit fünf Punkten liegt RB nach dem 1:1 (0:1) bei Eintracht Frankfurt am Sonntagabend weiter deutlich hinter den eigenen Erwartungen.

„Unter dem Strich ist das ein korrektes Unentschieden“, sagte Rangnick bei Sky. „Mit der zweiten Halbzeit bin ich sehr zufrieden, in der ersten haben wir wenig Zugriff bekommen.“ Vor allem vor der Pause hing Rangnicks Spielern der indiskutable Europacup-Auftritt gegen Schwesterklub FC Red Bull Salzburg (2:3) noch in den Kleidern. „Nach dieser Nicht-Leistung war das ein Charaktertest“, sagte RB-Kapitän Willi Orban. Die große Wiedergutmachung blieb aber aus. Gelson Fernandes (26.) erzielte die verdiente Führung für die Gastgeber, die nach der Pause von Emil Forsberg (54./Handelfmeter) egalisiert wurde. Ein Leipziger Hoffnungsschimmer für das nächste Spiel am Mittwoch (20.30 Uhr) gegen den VfB Stuttgart war zweifellos die Leistungssteigerung im zweiten Durchgang.

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„Wir wollten Stabilität, Mentalität und Leidenschaft haben“, sagte Marcel Sabitzer. „Dass nicht alles klappt, ist nach der starken Verunsicherung durch das Salzburg-Spiel vielleicht ein bisschen zu verstehen.“ 43.800 Zuschauer hatten in der Frankfurter WM-Arena rasch bemerkt, wer unter der Woche Selbstvertrauen getankt hatte. Die Eintracht, die überraschend in Marseille gewann, machte den lebendigeren und spielfreudigeren Eindruck. Die Gäste hingegen wirkten ein wenig gehemmt – dabei hatte Rangnick sein Personal doch extra umgekrempelt. Auf sieben Positionen veränderte der 60-Jährige die Leipziger Startelf. Unter anderem waren Orban und Nationalspieler Timo Werner wieder dabei, Jean-Kévin Augustin und Nordi Mukiele standen aus disziplinarischen Gründen nicht im Kader.

Körpersprache nach der Pause eine andere

Weil der Auftritt der Leipziger am Sonntag trotz Rangnicks Rotation auch nach dem Rückstand alles andere als erwärmend war, hätte Frankfurt zur Halbzeit eigentlich höher führen müssen. Rangnick verzichtete in der Pause auf weitere Wechsel und setzte lieber auf die Kraft des Wortes. Vom Turbo-Fußball vergangener Zeiten waren die Gäste im zweiten Durchgang zwar immer noch weit entfernt, ihre Bemühungen belohnte Forsberg aber mit dem Ausgleich. In dieser Phase stimmte endlich auch die Körpersprache der Spieler, die in der ersten Halbzeit noch viel zu häufig lamentiert oder nach missglückten Aktionen beleidigt abgewunken hatten. Einer davon war Werner, der gleich zweimal (65.,70.) die Führung verpasste.