Linton Maina: Ein Berliner Rohdiamant in Hannover

Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images

Behutsam will 96-Trainer André Breitenreiter den ungeschliffenen Rohdiamanten Linton Maina entwickeln, das betont er immer wieder. Das 19-jährige Eigengewächs macht allerdings rasend Fortschritte und ist mit Auftritten wie jüngst gegen Borussia Dortmund (0:0) eine echte Bereicherung.

Schon im Winter war der damals neu zu den Profis hochgezogene Maina in aller Munde. In Testspielen fiel er mit seiner erfrischenden Spielweise positiv auf und zeigte, welch großes Potenzial in ihm schlummert (Lattenkreuz berichtete). Breitenreiter war damals bemüht, die Euphorie um den Nachwuchsakteur zu bremsen. „Macht euch keine Sorgen, er ist bei mir in guten Händen“, sagte er und mahnte zur Geduld mit dem Talent: „Es gibt genügend Spieler, die verheizt wurden und zu schnell zu groß gemacht worden sind.“ Dass der Hype um Maina nach nur drei Pflichtspielen der neuen Saison deutlich größer geworden ist, liegt hauptsächlich an dem dribbelstarken Flügelspieler selbst. Im DFB-Pokal gegen den Karlsruher SC (6:0) sowie in der Liga gegen den SV Werder Bremen (1:1) und Borussia Dortmund (0:0) stand der Linksaußen in der Startelf – und wusste jeweils zu überzeugen. Besonders auffällig war sein Auftritt gegen den BVB am vergangenen Freitag. Der gebürtige Berliner zog die meisten Sprints (28) an, absolvierte die meisten intensiven Läufe (94) und gewann die meisten Zweikämpfe (15). Außerdem schoss er zweimal aufs Tor und lieferte die zweitmeisten Flanken (6) aus dem Spiel heraus. Lediglich Miiko Albornoz (9) wies einen höheren Wert auf.

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Erstaunlich war zudem, wie Maina seine defensiven Aufgaben mit Bravour erfüllte. Immer wieder warf sich das Eigengewächs unermüdlich in die Zweikämpfe und eroberte zahlreiche Bälle. Dabei wird das Defensivverhalten nicht unbedingt zu den großen Qualitäten des Offensivakteurs gezählt. Gegen Dortmund stellte Maina ebenso seine Vorzüge im Umschaltspiel und im Eins-gegen-eins unter Beweis. „Linton hat das sehr gut ge­macht“, lobte Präsident Martin Kind den U20-Nationalspieler. Auch Breitenreiter löste seinen Fuß leicht von der Euphoriebremse und meinte: „Das war schön mit anzusehen.“ Hält Maina seine Form, wird es für die Konkurrenz schwierig, wieder an ihm vorbeizukommen. 4,5-Millionen-Euro-Transfer Genki Haraguchi, der als Stammkraft für die linke Seite eingeplant war, musste trotz überstandener muskulärer Probleme 90 Minuten auf der Bank Platz nehmen.

Sarenren Bazee mal wieder zurückgefallen

Mainas Tempodribblings sowie seine Unbekümmertheit tun dem 96-Spiel, dem phasenweise die kreativen Momente in der Offensive fehlen, gut. Zwar soll dem Sohn eines kenianischen Vaters und einer deutschen Mutter noch Zeit eingeräumt werden, den Küken-Status hat er allerdings schon abgelegt. „Linton ist ein vollwertiger Spieler“, betonte Sportdirektor Horst Heldt dahingehend. Probleme mit der Disziplin, die Breitenreiter in der Anfangszeit bei den Profis noch anprangerte, hat Maina weitestgehend abgelegt. Gerade seine kämpferische Leistung gegen den BVB zeigte, dass der gebürtige Berliner verstanden hat, was nötig ist, um im Bundesliga-Alltag nicht unter die Räder zu kommen.

Während Maina sich in der ersten Mannschaft etabliert, hat ein weiteres 96-Eigengewächs weiterhin Probleme, Fuß zu fassen. Der 21-jährige Noah Joel Sarenren Bazee hat seit seinem Profi-Debüt vor drei Jahren mit Verletzungen zu kämpfen und konnte selten mehrere Monate am Stück spielen. In der Vorbereitung auf die laufende Saison machte der schnelle Flügelspieler endlich mal wieder einen fitten Eindruck und ließ in den Testspielen seine Klasse mehrfach aufblitzen. Zum Pflichtspielauftakt gegen den KSC fehlte er allerdings wieder mit einer leichten Fußverletzung und wurde prompt zurückgeworfen. Zwar ist er in der Zwischenzeit wieder ins Training eingestiegen, schaffte es aber sowohl gegen Werder als auch gegen Dortmund nicht in den Spieltagskader. Die zweiwöchige Länderspielpause kommt Sarenren Bazee gelegen, um einen weiteren neuen Angriff zu starten.