Lob führt Bremen nicht aus dem Tabellenkeller

Wochenlang machte der SV Werder Bremen gefühlt von Spiel zu Spiel Fortschritte. Zunächst verbesserte sich das Fußballerische, dann kamen die guten Ergebnisse. Am letzten Spieltag mussten die Bremer beim 0:1 in Freiburg allerdings einen Rückschlag hinnehmen, der alarmierend wirken sollte.

Seit Florian Kohfeldt die Grün-Weißen Anfang November als Trainer übernommen hatte, ging es bei Werder wieder aufwärts. Die Bremer spielen wieder offensiven, mutigen Fußball. Der Wille, die Kontrolle über die Partien zu erlangen und Torchancen herauszuspielen, ist spürbar. Kohfeldt hat aus einem völlig verunsicherten Haufen eine schlagfertige Mannschaft geformt. Dennoch erfolgte der endgültige Befreiungsschlag aus dem Tabellenkeller bislang nicht. Zu oft ereilten die Norddeutschen Rückschläge in unvorteilhaften Momenten. Auf den ersten Sieg unter Kohfeldt beim 4:0 gegen Hannover 96 folgte eine 0:2-Niederlage in Leipzig. Nach den ersten zwei Erfolgen in Serie gegen den VfB Stuttgart (1:0) und bei Borussia Dortmund (2:1) unterlagen die Bremer Bayer 04 Leverkusen (0:1).

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Und nun setzte es eine 0:1-Pleite in Freiburg nach zwei Siegen beim FC Schalke 04 (2:1) und gegen den VfL Wolfsburg (3:1). Was den Bremer Übungsleiter allerdings mehr fuchste als die Niederlage an sich, war der pomadige und wenig kreative Auftritt seines Teams. „Niederlagen können passieren, aber die Art und Weise stört mich“, schimpfte der 35-Jährige nach dem Spiel im Breisgau. In der Öffentlichkeit wurde Werder in den vergangenen Wochen so sehr für den engagierten und mutigen Fußball gelobt, dass mancherorts darüber hinaus in Vergessenheit geriet, dass Bremen immer noch mitten im Abstiegskampf steckt. Der 1. FSV Mainz 05 auf dem Relegationsrang konnte am Wochenende nach Punkten wieder mit den Grün-Weißen gleichziehen.

Verantwortliche fordern vehement Bodenständigkeit

Dabei unternahmen die Verantwortlichen alles, um gar nicht erst Euphorie oder Selbstzufriedenheit aufkommen zu lassen. Immer wieder wurde auf die Härte und Schwere des Abstiegskampfes hingewesen. Kohfeldt meinte im Vorfeld der Partie in Freiburg, er müsse gar nicht auf die „Euphoriebremse“ treten. Seine Spieler seien realistisch genug, die Situation selbst einzuschätzen. Nur zwei Tage zuvor hatte Geschäftsführer Frank Baumann gefordert, „keinen Zentimeter nachzulassen“. Stimmungen könnten sich schnell drehen, warnte der Ex-Profi. Bleibt zu hoffen, dass ein Stimmungsumschwung in Bremen auch nach dem schwachen Auftritt beim SC ausbleibt. Denn mit dem Nordderby am Samstag (18.30 Uhr) gegen den Hamburger SV steht dem deutschen Meister von 2003/04 ein richtungweisendes Spiel bevor.

Bei einem Sieg über den Tabellenvorletzten könnte man diesen auf satte neun Punkte distanzieren. Bei einer Niederlage würde der Vorsprung auf drei Zähler schmelzen. Außerdem könnten die Mainzer an Werder vorbeiziehen und die Norddeutschen wieder auf den Relegationsplatz schieben, den sie nur so mühevoll verlassen konnten. Die Profis müssen sich bewusst sein, wie schnell auch ein Traditionsklub den Kampf um den Klassenerhalt verlieren kann. Das Beispiel des VfB Stuttgart aus der vorletzten Saison sollte eine Warnung sein. Damals waren es die Bremer selbst, die den Schwaben mit einem 6:2 am 32. Spieltag den Todesstoß verpassten. Am 31. Spieltag dieser Saison empfängt Werder den VfB. Um ein umgekehrtes Schicksal zu vermeiden, sollten sich die Grün-Weißen schon gegen den HSV wieder steigern.