Löw: „Mesut hat mich bis heute nicht angerufen“

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Joachim Löw hat Mesut Özil für die Art und Weise seines Rücktritts aus der deutschen Nationalmannschaft kritisiert und die Anschuldigungen des Profis gegen den DFB zurückgewiesen. Der Bundestrainer verzichtet künftig auf Thomas Schneider als Assistent.

„Mit seinen Rassismus-Vorwürfen gegen den DFB hat er überzogen“, sagte Löw am Mittwoch im Rahmen seiner WM-Analyse in München mit Blick auf Arsenal-Profi Özil. „In meiner Mannschaft gab es nie einen Ansatz einer rassistischen Äußerung. Wir haben uns immer an Werten orientiert“, ergänzte Löw. Zudem berichtete er, dass Özil ihn nicht persönlich über seinen Abschied aus der DFB-Elf unterrichtet und er bislang vergeblich das Gespräch mit ihm gesucht habe. Von Özils Rücktritt erfuhr er am Tag von dessen Erklärung per Telefon von dessen Berater. Özil selbst habe ihn „bis heute nicht angerufen. Ich habe seit eineinhalb, zwei Wochen mehrfach versucht, ihn zu erreichen – per Telefon und SMS“, betonte er.

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Auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff wies „den Rassismus-Vorwurf in der Nationalmannschaft und dem DFB klar zurück“. Er betonte aber auch: „Eins ist klar: Ein Nationalspieler kann keine Zielscheibe rassistischer Angriffe sein.“ Die Art und Weise von Özils Rücktritt „schmerzt uns alle, ihn ja auch“, ergänzte Bierhoff. Beide gaben zu, die Lage nach den Erdoğan-Fotos von Özil und İlkay Gündoğan unterschätzt zu haben. „Wir haben die Situation falsch eingeschätzt“, sagte Bierhoff. Löw sah die Angelegenheit nach dem gemeinsamen Besuch bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als erledigt an. „Dieses Thema hat Kraft gekostet, war nervenaufreibend, weil es immer wieder da war“, sagte Löw, als Ursache für das WM-Aus sei es aber „nicht entscheidend“ gewesen.

Bundestrainer verzichtet künftig auf Assistent Schneider

Der Bundestrainer verzichtet künftig auf Assistent Schneider. Der 45-Jährige wird beim DFB die Leitung der Scouting-Abteilung übernehmen. Der bisherige Leiter Urs Siegenthaler bekommt andere Aufgaben. Schneider hatte nach dem WM-Triumph 2014 das Amt als „Co“ von Hansi Flick übernommen. Im Stab von Löw bleiben dagegen Assistent Marcus Sorg und Andreas Köpke als Bundestorwarttrainer. Sein „allergrößter Fehler“ sei das Vorhaben gewesen, mit dominantem Ballbesitzfußball durch die Vorrunde kommen zu wollen. „Ich wollte das auf die Spitze treiben, das perfektionieren. Da war ich fast arrogant. Da gibt es nichts zu beschönigen“, sagte Löw am Mittwoch in München.

Man müsse die Nationalmannschaft nach dem „absoluten Tiefschlag“ von Russland „wieder auf eine stabilere Spielweise vorbereiten. Wir müssen flexibler, stabiler sein. Ich bin bei der WM zu viel Risiko gefahren“, sagte der 58-Jährige. Er hätte das Team „ein Stück weit zurückholen müssen“. Künftig seien taktische „Anpassungen gefragt. Wir müssen unsere Spielweise adaptieren. Ich werde nicht mehr volles Risiko einfordern.“ Zudem habe er es nicht geschafft, räumte Löw ein, „das Feuer, das man braucht, zu schüren, und neue Schlüsselreize zu setzen, dass alle mit großer Leidenschaft, Einsatz, Zweikampfstärke agieren.“ Dies hätte er „einfordern müssen. Wir hatten nur eine kleine Flamme.“

Motivation, Energie, Kraft und Begeisterung

Vor den Länderspielen am 6. September in München gegen Weltmeister Frankreich und drei Tage später in Sinsheim gegen Peru werde er diese Attribute „wieder einfordern. Für mich als Trainer ist das das Allerwichtigste. Dann haben wir ein sehr, sehr gutes Fundament.“ Er selbst habe auch nach 14 Jahren noch „die große Motivation, Energie, Kraft und Begeisterung“, meinte Löw, „dass wir das Schiff wieder auf Kurs bringen“. Er wisse aber, „dass wir alle unter besonderer Beobachtung und unter besonderem Druck stehen. Wir müssen ein klares Zeichen setzen in vielen Bereichen. Ich bin überzeugt von unserer Klasse. Ich bin sicher, dass wir das hinbekommen.“