Löw nimmt die „Führungsriege“ in die Pflicht

Foto: Christof Stache/AFP/Getty Images

Die DFB-Elf will sich bei ihrem Neustart nach dem WM-Debakel mit den Fans versöhnen. Bundestrainer Joachim Löw muss am Donnerstag (20.45 Uhr) gegen Weltmeister Frankreich liefern.

Löw gab sich vor dem wegweisenden Nations League-Auftakt gegen Thronerbe Frankreich entspannt. „Druck? Das höre ich schon viele, viele Jahre“, sagte der Bundestrainer vor dem Prestigeduell in München, als hätte es die historische WM-Pleite nie gegeben, und ergänzte lässig: „Ich habe über 160 Länderspiele gemacht als Trainer, deswegen werde ich vom Druck nicht aus der Bahn geworfen.“ Löw ist die herausragende Bedeutung der Begegnung in der ausverkauften Allianz Arena allerdings sehr wohl bewusst. „Ich weiß, dass wir wieder mehr liefern müssen und alle in der Pflicht stehen“, sagte der 58-Jährige. Dabei soll nicht nur der Funke auf dem Spielfeld überspringen, sondern auch die Leidenschaft der Zuschauer wieder geweckt werden.

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„Es liegt an uns, das Feuer zu entfachen“, betonte Löw mit Blick auf die Beziehung zu den Fans, die unter dem desaströsen Auftritt in Russland gelitten hat. „Und das wird man auch sehen – davon bin ich überzeugt –, dass die Mannschaft den Willen hat, sich reinzuhauen.“ Toni Kroos fügte an: „Wir sind in der Bringschuld.“ Es müsse jedem klar sein, worum es gehe, „die Qualität steckt in uns drin“. Das sieht Löw genau so. Zwar sprach er von „einer Art Neustart“, doch bei der Aufstellung wird dies kaum zu sehen sein. In der Startelf werden zehn Spieler erwartet, die das Russland-Debakel mit zu verantworten haben. Von den drei Neulingen hat einzig Hoffenheims Nico Schulz als Ersatz für Jonas Hector eine realistische Chance.

„Das eigene Tor auf Teufel komm raus verteidigen“

Personell alles über den Haufen zu werfen sei keine Option gewesen, betonte Löw. Auf seinen Stamm sei trotz der historisch schwachen WM absolut Verlass: „Jede Mannschaft braucht eine gute Achse, eine gute Mischung. Wenn jemand denkt, nur mit jungen, talentierten Spielern geht der Weg nach oben, täuscht er sich.“ Er erwarte von der Führungsriege, „dass sie den Karren anschieben“. Er spüre bei ihnen „eine positive Ungeduld, die Dinge besser zu machen, sowas wie eine Aufbruchstimmung“. Gravierendere Änderungen soll es dagegen in der Spielweise geben. „Wir müssen wieder das Bewusstsein schaffen, das eigene Tor auf Teufel komm raus zu verteidigen. Daran müssen sich alle Spieler beteiligen“, forderte Löw.

Dazu gehört etwa, dass die defensiven Außen nicht mehr ständig im Vorwärtsgang sind. Die Vision Ballbesitzfußball will Löw allerdings „nicht völlig eingraben, das wäre kompletter Blödsinn. Das ist die Grundbasis unseres Spiels.“ Es gehe jedoch um eine „viel bessere Balance“ zwischen Defensive und Offensive. Im Training wurde daran gefeilt – nach dem Vorbild Frankreich. „Sie haben diese Ausgewogenheit und im Umschalten nach vorne Spieler, die schnell sind und in die Tiefe kommen“, sagte Löw über die „beste Mannschaft der Welt in den letzten beiden Jahren“. Es werde schwer, „aber wir freuen uns auf das Spiel“.