Löwen: Nürnberger Kronjuwel im Wartestand

Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Der 1. FC Nürnberg zahlte am Mittwochabend erstmals seit dem Aufstieg ordentlich Lehrgeld: Die Franken unterlagen Borussia Dortmund mit 0:7 – die höchste Bundesliga-Pleite der Vereinsgeschichte. Eduard Löwen wurde wieder mal nur eingewechselt, der Mittelfeldspieler findet derzeit keinen Platz im System.

Löwen kam in der 62. Minute für Robert Bauer in die Partie, zu dem Zeitpunkt war das Kind beim Stande von 0:4 aber bereits in den Brunnen gefallen. Die Nürnberger wirkten im Signal Iduna Park völlig überfordert, der BVB konnte schalten und walten, wie er wollte. Hatte der „Club“ bislang den Eindruck gemacht, im deutschen Fußball-Oberhaus wunderbar mithalten zu können, so wurden in Westfalen die Überreste des einstigen Klassenunterschieds deutlich. Dabei hatte Trainer Michael Köllner seine Startformation auf den Gegner eingestellt: Die gewohnte Viererkette wurde zur Fünferkette, Bauer und Patrick Erras rückten neu in die Elf. Löwen fand sich dagegen auf der Bank wieder – wie bislang immer in der neuen Saison.

- Anzeige -

In allen sechs Pflichtspielen stand der 21-Jährige im Nürnberger Kader, einen Startelf-Einsatz konnte er noch nicht verzeichnen. Im DFB-Pokal beim SV Linx (2:1) und beim Bundesliga-Auftakt in Berlin (0:1) blieb Löwen ganz ohne Spielzeit, in den letzten vier Ligaspielen wurde der Rechtsfuß jeweils eine knappe halbe Stunde vor Schluss eingewechselt. An einem Treffer konnte sich der 1,88 Meter große Profi noch nicht direkt beteiligen. Dabei war Löwen in der vergangenen Saison ein essenzieller Teil der Aufstiegsmannschaft: Er absolvierte 32 Partien in der zweiten Bundesliga, erzielte dabei fünf Tore und legte seinen Teamkollegen weitere vier auf. Die starken Leistungen bescherten ihm sogar sein Debüt in der deutschen U21.

Mittelfeldspieler als Opfer der Vorbereitung

Löwen galt als Nürnberger Kronjuwel. Nach der Rückkehr des „Club“ in die Bundesliga sollte der gebürtige Pfälzer sein Können auch auf oberster Ebene beweisen und weiter auf sich aufmerksam machen. Diese Gelegenheit erhielt er bislang aber nicht. Löwen wurde zum Opfer der Vorbereitung: Den Sommer über plagten ihn verschiedene Verletzungen. Zunächst setzten ihn muskuläre Probleme außer Gefecht, wenig später erlitt er eine Rippenprellung, zum Saisonstart schmerzte der Adduktorenbereich. Während der 21-Jährige nur eine Nebenrolle spielen konnte, schob sich ein Anderer in den Vordergrund: Alexander Fuchs überzeugte auf einer der beiden Halbpositionen im zentralen Mittelfeld neben Kapitän Hanno Behrens.

Nominell ist Löwen im defensiven Mittelfeld beheimatet, wo sich Ondrej Petrák in der Frühphase der Saison hervor tat. Selbst Erras scheint, gemessen am Dortmund-Spiel, auf der Sechs momentan höher in Köllners Gunst zu stehen. Löwen bestach in seiner bisherigen Karriere durch seine Flexibilität, der Rechtsfuß kann sowohl auf der Sechs und auf der Acht als auch auf den offensiven Flügeln agieren. Die Variabilität wird dem FCN-Profi zurzeit aber wohl zum Verhängnis, Köllner scheint seine Idealbesetzung vorerst gefunden zu haben. Auch auf den Außenpositionen steht nach der Verpflichtung von Yūya Kubo, Virgil Misidjan und Matheus Pereira geeigneteres Personal zur Verfügung. Löwen ist derzeit zumindest für die Startelf außen vor.

Startelf-Chance nur bei der U21

Während Löwen also in der Bundesliga noch auf eine längere Bewährungsprobe wartet, nominierte ihn U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz Anfang September für die Länderspiele gegen Mexiko (3:0) und in Irland (6:0), wo er über 45 und 67 Minuten ran durfte. Die Nürnberger Verantwortlichen reagierten verärgert über die nicht abgesprochene Nominierung, sie hätten Löwen lieber vor Ort trainieren lassen. Die Einsätze bewiesen aber, dass der Profi der Belastung auch über mehr als 30 Minuten Stand hält. Nach dem Debakel in Dortmund könnte Löwen auch im Verein wieder in den Fokus rücken. Der Rechtsfuß muss sein Talent neu unter Beweis stellen – die nächste Möglichkeit bietet sich womöglich am Samstag (15.30 Uhr) gegen Fortuna Düsseldorf.