Max: „Die Antwort musst du auf dem Platz geben“

Foto: Christof Stache/AFP/Getty Images

Philipp Max hat sich beim FC Augsburg zu einem umworbenen Außenverteidiger entwickelt. Im Lattenkreuz-Interview spricht der 24-Jährige unter anderem über besondere Trainer, Wechselgedanken, die Nationalmannschaft und seinen Beraterwechsel.

In seiner bisherigen Karriere absolvierte Max insgesamt 88 Bundesliga-Spiele für den FC Augsburg und den FC Schalke 04, erzielte dabei drei Treffer und bereitete zudem 17 Tore seiner Mitspieler vor. Vertraglich ist der 24-Jährige, dessen Marktwert auf knapp 17 Millionen Euro geschätzt wird, noch bis zum 30. Juni 2022 an den FCA gebunden.

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Herr Max, kann die neue Spielzeit für Sie persönlich noch besser werden als die vergangene?
Das ist auf jeden Fall mein Ziel. Ich versuche, mich weiterhin in allen Bereichen zu verbessern. Mit den Trainern bin ich dahingehend täglich im Austausch. Das letzte Jahr war definitiv ein besonderes Jahr für mich.

Gegen Borussia Mönchengladbach bereiteten Sie den Führungstreffer von Michael Gregoritsch vor und gaben damit Ihre erste Torvorlage der Saison. Glauben Sie, dass Sie die Marke (13; Anm. d. Red.) der Vorsaison noch mal überbieten können?
Mir ist bewusst, dass 13 Vorlagen etwas Besonderes sind. Vor allem als ich im Nachgang erfahren habe, dass ein derartiger Wert von einem Abwehrspieler seit 25 Jahren nicht mehr erzielt wurde. Ich stelle mich aber der großen Aufgabe und will – wenn möglich – noch mal einen draufsetzen.

In Deutschland wird derzeit viel über die gezielte Ausbildung von bestimmten Spielertypen diskutiert. Als Jugendspieler haben Sie noch im Angriff gespielt. Hat es Ihnen eher geholfen, verschiedene Rollen zu erlernen, oder denken Sie, Sie hätten davon profitiert, frühzeitig auf einer Position geschult zu werden?
Für mich war es sehr, sehr wichtig, dass ich auf verschiedenen Positionen zum Einsatz gekommen bin. Ich bin in der Jugend als Linksverteidiger vom FC Bayern nach Schalke gewechselt. Dort habe ich von U19-Trainer Norbert Elgert entsprechende Hinweise bekommen, wo ich besser werden muss, um mein Spiel zu verbessern. Er hat mich dann auch mal weiter vorne eingesetzt. Zusammen haben wir an den Basistugenden wie Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gearbeitet. Im zweiten A-Jugend-Jahr, als wir deutscher Meister wurden, habe ich dann 15 Tore erzielt – das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Mir kam vor allem zugute, dass ich in den folgenden Jahren als Linksverteidiger wusste, wie sich die Offensivspieler bewegen, was sie vorhaben und welchen Schritt sie als Nächstes machen könnten. Einfach, weil ich die Rolle vorher ja selbst ausgefüllt habe.

Sowohl Sie persönlich als auch der FC Augsburg insgesamt haben sich unter Manuel Baum beeindruckend entwickelt. Was macht ihn aus Ihrer Sicht als Trainer aus?
Er ist ein unglaublich guter Typ, der sehr akribisch mit uns arbeitet. Er ist extrem wichtig für uns. Zu seiner Anfangszeit war es ein bisschen ungewohnt, weil wir es nicht gewohnt waren, so extrem ins Detail zu gehen, wie er es macht. Mittlerweile ist es aber so, dass jeder Spieler möglichst viel aufsaugen möchte und dadurch immer besser wird. Der Trainer hat immer, egal für welchen Gegner, einen richtig guten Plan. Er weiß genau, wo wir pressen können, wo wir eine Lücke finden können und wo unsere Möglichkeiten sind. Da sind wir immer richtig gut eingestellt, sodass es jedem einfacher fällt. Der Anteil des Trainers an unserer Entwicklung ist enorm.

Dem FCA ist der beste Saisonstart in der Vereinsgeschichte gelungen. Was macht das Team stärker als in der Vorsaison?
Wir haben außer Marwin Hitz in diesem Sommer keinen großen Abgang gehabt. Das ist schon sehr wichtig für die Entwicklung der Mannschaft, auch weil ein Großteil die Abläufe schon aus der Vergangenheit kennt. Wir sind ein eingespielter Haufen. Jeder weiß, was der andere gerade macht, was er gerade denkt oder wo er Unterstützung braucht – nicht nur auf dem Platz. Jeder kennt die Stärken und Schwächen der Mitspieler. Wir haben jetzt mit vier Punkten aus zwei Spielen richtig gut angefangen. Dazu haben wir gegen Gladbach, eine Mannschaft, die vom Kader her definitiv nach Europa gehört, richtig stark gespielt und gesehen, dass wir auch da schon mithalten können. Außerdem haben wir im Sommer richtig starke neue Spieler dazubekommen. Ein großes Plus ist dabei, dass die Jungs nicht nur fußballerisch, sondern auch charakterlich super in die Mannschaft passen.

„Der Trainer hat immer, egal für welchen Gegner, einen richtig guten Plan“ – Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images

Ist der Klassenerhalt aktuell das einzige Ziel oder geht der Blick auch ein wenig nach oben oder gar in Richtung Europa?
Wir dürfen als FC Augsburg nicht vergessen, wo wir herkommen. Das müssen wir uns immer vor Augen halten. Wir sehen jede Woche, wie schwer es ist, in der Bundesliga zu bestehen. Wir wissen aber auch, dass wir das können. Dafür müssen wir allerdings unsere hundert Prozent auf den Platz bekommen. Wir wissen aber auch, wie es während einer Saison laufen kann. Da gehören Ausfälle, Formtiefs und Ähnliches dazu. Das erste Ziel ist der Klassenerhalt, den wollen wir so früh wie möglich klarmachen. Dann können wir schauen, wo es mit unserer Mannschaft hingeht. Vorher große Ziele zu formulieren, steht uns nicht zu Gesicht und das wollen wir auch nicht. Wir wissen, dass wir eine richtig gute Saison spielen können – und das wollen wir versuchen.

Beeinflusst der Wechsel auf der Torwartposition die Arbeit als Verteidiger?
Es ist natürlich was anderes, wenn ein anderer Torhüter im Tor steht, als der Torhüter, mit dem du jahrelang zusammengespielt hast. Aber wir hatten in der Vorbereitung genug Zeit, um uns daran zu gewöhnen. Sowohl Andreas Luthe als auch Fabian Giefer haben in der Vorbereitung richtige gute Leistungen gebracht. Deshalb war ich selbst auch sehr auf die Entscheidung gespannt. Fabi hat das in den ersten Spielen richtig gut gemacht, keine Frage.

Im Sommer hatten viele mit Ihrem Abschied aus Augsburg gerechnet. Was spricht für den FCA?
Diese Zeit ist natürlich auch an mir nicht spurlos vorbeigegangen. Es war eine intensive und lange Zeit, in der viel geschrieben, gesprochen und diskutiert wurde. Ich bin einfach froh, dass das Transferfenster jetzt geschlossen ist und ich mich auf meine Saison in Augsburg konzentrieren kann. Ich habe hier einen langfristigen Vertrag bis 2022 unterschrieben, aber will mich natürlich auch weiterentwickeln, international spielen und den nächsten Schritt machen. Es ist trotz allem so, dass ich mich in Augsburg sehr wohl fühle. Meine Freundin kommt von hier, der Verein ist sehr familiär, gibt einem Halt – auch in schweren Zeiten – und bietet einem als junger Spieler die Möglichkeit, sich in Ruhe zu entwickeln. Wenn wir als Mannschaft gut aussehen, ist es als Einzelner auch einfacher, gut auszusehen.

Wie konkret war das Interesse von Paris Saint-Germain und Manchester United?
Manche Dinge liest man in der Zeitung, manche Dinge werden über die Berateragentur weitergegeben. Es war nicht so, dass ich mich mit einem Angebot auseinandergesetzt habe. Mir war es wichtig, mich auf die Vorbereitung zu konzentrieren. Das ist mir, denke ich, ganz gut gelungen.

Also war der Plan von Beginn an, noch mindestens die kommende Saison in Augsburg zu bleiben?
Es kommt immer darauf an, ob es überhaupt konkrete Anfragen gibt. Das war in diesem Sommer nicht der Fall. Deshalb war für mich immer klar, dass ich mich voll auf den FCA konzentrieren möchte. Ich bin einfach froh darüber, dass in die Thematik jetzt etwas Ruhe einkehrt.

„Eine intensive und lange Zeit, in der viel geschrieben, gesprochen und diskutiert wurde“ – Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

Sie haben zuletzt mehrmals mit Marco Richter gemeinsam auf der linken Seite gespielt. Er ist wohl das größte Augsburger Talent im aktuellen Kader. Trauen Sie ihm in dieser Saison den Durchbruch in der Bundesliga zu?
Auf jeden Fall. Marco ist ein richtig guter Spieler, bestens ausgebildet, beidfüßig, hat einen guten Torabschluss und ist sehr laufstark. Er ist von Fußball schon auch irgendwo besessen, was ihm mit Blick auf eine Zukunft in der Bundesliga definitiv weiterhelfen wird. Wie bei allen anderen jungen Spielern ist es bei Marco aber auch so, dass er sich noch in vielen Dingen verbessern kann. Da bin ich aber zuversichtlich, dass er dafür genügend Willen mitbringt. Wichtig ist vor allem, dass er gesund bleibt. Dann ist für ihn vieles möglich.

Wie sehen Sie die Konkurrenzsituation in der Liga? Kann eine Mannschaft dem FC Bayern gefährlich werden?
Ich hoffe es. Auf Strecke ist es aber schon so, dass Bayern München zu den größten Vereinen der Welt gehört, wo dann logischerweise auch die besten Spieler der Welt spielen (wollen). Aufgrund der finanziellen Situation ist Bayern eine andere Liga, sodass es sehr schwierig ist, ihnen Konkurrenz zu machen. Meine Hoffnung besteht darin, dass sich die Mannschaften in der neuen Saison besser auf die Bayern einstellen und ihnen im einen oder anderen Spiel dann auch mal wehtun können.

In der Nationalmannschaft wurden Sie nach Ihrer starken Vorsaison trotz des angekündigten Umbruchs überraschend nicht berücksichtigt. Können Sie diese Entscheidung nachvollziehen? Und gab es ein Gespräch mit dem Bundestrainer?
Nein, ein persönliches Gespräch in der Richtung gab es nicht. Die Nationalmannschaft ist ein Thema, das für jeden Fußballer ganz groß ist. Das will ich unbedingt erreichen. Gerade deshalb, weil es das Größte ist, was du im Fußball erreichen kannst, sehe ich eine Nominierung aber nicht als selbstverständlich an. Ich werde weiterhin versuchen, mich im Training und in Spielen anzubieten und den Bundestrainer auf mich aufmerksam zu machen. Ich bin kein Typ, der große Worte schwingt oder Forderungen stellt. Die Antwort musst du ohnehin auf dem Platz geben. Das ist es, was am Ende zählt.

Sie haben kürzlich den Berater gewechselt – vielerorts wird spekuliert, dass das auch eine Reaktion auf die Nichtnominierung gewesen sei. Wie sehen Sie das Ganze?
Ich kann das komplett ausschließen, das ist kompletter Quatsch. Ich verstehe die Spekulation, aber das hat damit rein gar nichts zu tun. Ich befinde mich privat und sportlich aktuell einfach in einer Situation, in der ich – auch ganz unabhängig von irgendwelchen Transfers – den nächsten Schritt machen möchte. Ich würde nie ein schlechtes Wort über die alte Agentur verlieren, weil immer großes Bemühen da war. Ich will durch den Beraterwechsel neuen Input bekommen, neue Meinungen hören und mich sowohl auf als auch neben dem Platz weiterentwickeln.

Internationale Spiele mit dem FC Augsburg oder Debüt in der deutschen Nationalmannschaft. Für was würden Sie sich entscheiden?
Sollten wir es wirklich wieder einmal schaffen, mit dem FC Augsburg international zu spielen, freue ich mich darüber genauso, wie über ein mögliches Debüt bei der Nationalmannschaft.