Mertesacker feiert Abschied

Foto: Laurence Griffiths/Getty Images

„Mertes Homecoming“ – unter diesem Motto nimmt Per Mertesacker am Samstag in Hannover Abschied von seiner Profikarriere. Dem Fußball bleibt der 34-Jährige als Leiter der Nachwuchsakademie des FC Arsenal in London erhalten.

Die Eistonnen stehen schon bereit: Wenn sich Mertesacker am Samstag (15.30 Uhr) in Hannover von seiner großen internationalen Laufbahn verabschiedet, dürfen die Behälter zur schnellen Regeneration nicht fehlen. Schließlich gehören zu den Weggefährten, die der Weltmeister von 2014 eingeladen hat, auch Fußball-Rentner wie Fredi Bobic, Miroslav Klose, Michael Ballack und Torsten Frings. „Da könnte es im Mittelfeld vielleicht zu einem leichten Übergewicht kommen“, frotzelt der mittlerweile 34-Jährige, dessen ZDF-Interview nach dem WM-Achtelfinale gegen Algerien in die TV-Geschichte eingegangen ist. „Was wollen Sie? Wollen Sie eine erfolgreiche WM oder sollen wir wieder ausscheiden? Ich leg mich jetzt erst mal drei Tage in die Eistonne“, blaffte der Innenverteidiger den verdatterten Fieldreporter an.

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Bei seiner fußballerischen Ehrenrunde in der WM-Arena am Maschsee hat der 104-malige Nationalspieler kritische Fragen nicht zu befürchten, der Spaß soll im Vordergrund stehen. „Mertes 96-Freunde“ mit Ron-Robert Zieler und Mike Hanke auf dem Rasen und Peter Neururer sowie Ewald Lienen auf der Trainerbank treffen auf „Pers Weltauswahl“ mit Tim Wiese, Tim Borowski, Ivan Klasnić und Petr Čech, betreut von Arsène Wenger. Der Startrainer aus dem Elsass hat einen großen Anteil daran, dass Mertesacker nach sieben Jahren als Arsenal-Profi in London geblieben und bei den „Gunners“ am 1. September Leiter der Nachwuchsakademie geworden ist: „Wenger hat als Persönlichkeit einen immensen Beitrag dazu geliefert, dass ich spielen durfte, Kapitän wurde und weiter bei Arsenal arbeite.“

Viel Geld für Stiftungskonto

Doch zum Abschied wird gefeiert, die Techno-Band Scooter reist für ihren 20-minütigen Auftritt in der Halbzeitpause eigens aus Australien an. Eine offizielle Ehrung kommt hinzu: Vor der Partie erhält der Abwehrspieler aus der Hand von Ministerpräsident Stephan Weil die niedersächsische Sportmedaille. Wichtiger aber ist Mertesacker, dass der bunte Nachmittag in Hannover möglichst viel Geld in die Kasse der von ihm initiierten und nach ihm benannten Stiftung fließt. Am Freitag waren knapp 35.000 Eintrittskarten verkauft, somit werden mindestens 200.000 Euro auf dem Stiftungskonto eingehen. Profitieren wird auch die Nachwuchsabteilung des TSV Pattensen, Mertesackers Jugendverein.

Seine Stiftung wurde vor zwölf Jahren gegründet, um Integration und sportliche Ausbildung von sozial benachteiligten Jugendlichen im Großraum Hannover zu fördern. Und damit die zu unterstützen, denen es nicht vergönnt ist, durch „eine Phase von Zu- und Glücksfällen“ (Mertesacker) in eine große Karriere starten zu können. Bis hin zum „Weltmeister ohne Talent“, wie seine kürzlich erschienen Biografie betitelt ist. Ein Titelgewinn, mit dem nach dem ersten von 221 Bundesliga-Spielen nicht zu rechnen war. Unter Trainer Ralf Rangnick dauerte es gerade einmal 45 Minuten lang, auf der ungewohnten Position des Rechtsverteidigers war nach der ersten Halbzeit Schluss. Das wird sich am Samstag nicht wiederholen. Mertesacker: „Ich will noch einmal fast 90 Minuten spielen.“ Und dann ein allerletztes Mal den Rasen verlassen.