Müller: Bloß nicht wieder abheben

Foto: Michael Kienzler/Bongarts/Getty Images

Nicolai Müller faltete die Hände vor dem Gesicht, zeigte dann auf den Boden. Bloß nicht wieder abheben, dachte der Neuzugang von Eintracht Frankfurt nach seinem ersten Bundesliga-Tor seit einem Jahr. Damals hatte er sich noch im Trikot des Hamburger SV beim Propeller-Jubel an der Eckfahne schwer verletzt.

„Ich hatte ein Jahr Zeit, mir zu überlegen, was ich beim nächsten Jubel mache“, sagte der 30-Jährige nach dem 2:0 (1:0) seines neuen Klubs zum Bundesliga-Start beim SC Freiburg bei Sky. Einen Kreuzbandriss hatte Müller sich damals zugezogen – nach einem frühen Tor am ersten Spieltag. Diesmal jubelte er nach seinem Treffer (10.) vorsichtig und konnte sich am Ende gesund über den ersten Saisonsieg freuen: „Es geht nicht schöner.“ Müller war nach dem Abstieg des HSV zu seinem Jugendverein zurückgekehrt und dort schon vor dem Bundesliga-Start in die erste Krise geschlittert. Nach der 0:5-Pleite im Supercup gegen Meister FC Bayern München und der 1:2-Blamage als Titelverteidiger im DFB-Pokal beim Viertligisten SSV Ulm stand die Eintracht mit dem Rücken zur Wand – bis Müller sie aus dem Stimmungstief zog.

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„Das war enorm wichtig“, sagte der Matchwinner, „natürlich war die letzte Woche bitter. Das haben wir knallhart angesprochen und analysiert. Es gibt nichts Schöneres, als mit einem Dreier auswärts zu starten.“ Auch dank Sébastien Haller, der Müllers Tor mit einem Hackentrick vorbereitete und kurz vor Schluss für die Entscheidung sorgte (82.), durfte Adi Hütter kräftig durchatmen. Der neue Trainer, der das schwere Erbe des nach München abgewanderten Niko Kovač angetreten hatte, war nach seinem Bundesliga-Debüt vor allem erleichtert. „Die drei Punkte waren Balsam“, sagte der Österreicher, der nach dem Abgang mehrerer Leistungsträger um Kevin-Prince Boateng in Freiburg auch noch den verletzungsbedingten Ausfall des Vize-Weltmeisters Ante Rebić verkraften musste.

„Hysterie und Panik wollten wir nicht mitmachen“

Auch Sportvorstand Fredi Bobic tat der gelungene Bundesliga-Auftakt nach der Pokal-Blamage gut. „Die ganze Hysterie und Panik wollten wir nicht mitmachen“, sagte er, die Bundesliga sei ein ganz anderes Geschäft. „Für ein Auswärtsspiel war das richtig gut“, urteilte er, „aber wir wissen, dass noch viel zu tun ist.“ Es hätte in Freiburg aber auch ganz anders ausgehen können: Bevor Müller die Nerven beruhigte, war Frankfurt von einer Verlegenheit in die nächste gestolpert. Freiburger Schusspech und der neue Torhüter Frederik Rönnow verhinderten in den ersten Minuten einen Rückstand – und einen kompletten Fehlstart des Pokalsiegers.