Nach 1083 Minuten: Uth trifft endlich für Schalke

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Mit dem 3:1 (0:0) gegen Hannover 96 hat der kriselnde Vizemeister FC Schalke 04 seine Torflaute beendet und einen Schritt aus dem Tabellenkeller gemacht. Nicht nur wegen seines ersten Tores war Mark Uth der Mann des Spiels.

Der Angreifer verneigte sich, die Zuschauer erhoben sich von ihren Plätzen und bedachten den so lange verhinderten Torjäger mit donnerndem Applaus. „Die Fans waren sehr geduldig mit mir“, sagte der Neu-Nationalspieler. „Es hat sehr, sehr lange gedauert – viel zu lange.“ Genau 1083 Minuten – dann endlich hatte der 27-Jährige seinen ersten Treffer für die Königsblauen erzielt. Auch in seinem 15. Pflichtspiel für seinen neuen Arbeitgeber war Geduld gefragt. Erst in der 85. Minute brachte der Ex-Hoffenheimer, der im Sommer mit der Empfehlung von 17 Saisontoren nach Gelsenkirchen gewechselt war, den Ball im Tor unter – und wurde nicht zurückgepfiffen. Mehr als eine Stunde zuvor hatte Uth bereits gejubelt, doch der lange ersehnte Treffer wurde wegen Abseits aberkannt.

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Ohnehin hatte der Neuzugang schon vor seinem erlösenden Premierentor wesentlich an der Geschichte des dritten Schalker Saisonsieges mitgeschrieben. Nach dem Abseitstor holte er einen Elfmeter heraus, den zwar Schiedsrichter Markus Schmidt pfiff, nach Intervention des Video-Assistenten Daniel Schlager aber wieder zurücknahm (32.). „Da Stürmerfoul zu pfeifen, ist Wahnsinn“, meinte Uth. Es folgte die größte Chance der ersten Hälfte, bei der er freistehend das lange Eck verfehlte (39.) und der zweite strittige Elfmeter, bei dem niemand aus dem Videoraum in Köln dazwischenfunkte und den Nabil Bentaleb verwandelte (57.) – nach 273 torlosen Schalker Bundesliga-Minuten. Uth hatte „eine Berührung gespürt, bei dem Tempo reicht das“.

„Eigentlich bin ich ja Stürmer“

Nach dem Ausgleich durch Hendrik Weydandt (70.) und dem postwendenden 2:1 durch Breel Embolo (71.) schlug doch noch Uths Stunde. Der Stürmer, der schon beim glücklichen Achtelfinal-Einzug im DFB-Pokal beim Zweitligisten 1. FC Köln am Mittwoch im Elfmeterschießen den entscheidenden Treffer erzielt hatte, beseitigte die letzten Zweifel am zweiten Schalker Heimsieg der Saison. Der kriselnde Vizemeister kletterte nicht nur aus dem Tabellenkeller heraus, sondern beendete auch seine Torflaute – erstmals seit fast elf Monaten traf das Team von Trainer Domenico Tedesco wieder dreimal in einem Spiel. Das war zuletzt beim 3:2 am 13. Dezember 2017 gegen den FC Augsburg gelungen.

Als die 60.000 in der Veltins Arena ihn mit Standing Ovations feierten und seinen Namen riefen, war Uth endlich auf Schalke angekommen. „Geduld zahlt sich aus“, sagte der Nationalspieler, der am 13. Oktober beim 0:3 in Amsterdam gegen die Niederlande sein Debüt für den Deutschen Fußball-Bund gegeben hatte. Schon in den vergangenen Spielen hatte er beständig zu den besten Schalker Spielern gezählt, obwohl ihn Tedesco in der Champions League und im Pokal als Antreiber im Mittelfeld eingesetzt hatte. „Eigentlich“, merkte Uth danach an, „bin ich ja Stürmer.“ Am Samstag bewies er es.