Nach Pleite im Spitzenspiel: Die Bayern sehen Fortschritte

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Durch die Niederlage in Dortmund verliert der FC Bayern München vorerst den Anschluss an die Tabellenspitze. Trotz der bereits dritten Saisonpleite sehen die Beteiligten einen Schritt nach vorne.

Wie begossene Pudel schritten Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß nach dem Spiel über das Spielfeld auf die Katakomben zu, von der Dortmunder Südtribüne schallte ihnen dabei ein gellendes Pfeifkonzert entgegen. „Begossen“ war außerdem wörtlich zu nehmen: Während des Spiels hatten der Klubvorstand und der Präsident des FC Bayern eine Bierdusche abbekommen, die vor allem Rummenigge sichtlich wüten ließ. Durch das 2:3 (1:0) bei Borussia Dortmund kassierte der deutsche Rekordmeister am elften Spieltag in der Bundesliga bereits die dritte Niederlage – so früh wie zuletzt vor acht Jahren. Statt den Rückstand auf Tabellenführer Dortmund auf einen Punkt zu reduzieren, benötigen die Münchner bei nunmehr sieben Zählern selbst das oft zitierte Fernglas, um den BVB zu erkennen.

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Unzufriedenheit herrschte bei Spielern und Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters jedoch keineswegs. Nach den spielerisch erschreckend ideenlosen Auftritten der letzten Wochen präsentierte sich der FC Bayern verbessert und dominierte das Spiel vor allem in der ersten Halbzeit. „Unsere Mannschaft hat sehr gut gespielt und zweimal geführt. Auch wenn wir dann verloren haben, kann man ihr keinen Vorwurf machen“, sagte Vorstandschef Rummenigge. Sportdirektor Hasan Salihamidžić lobte den Charakter der Mannschaft sogar als „sensationell“. Präsident Hoeneß zeigte sich ebenfalls zufrieden. „Das Spiel hat gezeigt, dass die Mannschaft wieder in einem sehr guten Zustand ist und deshalb blicke ich sehr optimistisch in die kommenden Wochen bis Weihnachten“, sagte er am Sonntag bei Sky Sport News HD.

„Hätten als erfahrene Mannschaft anders reagieren können“

Trotz des Lobes: Erneut gaben die Bayern ein Spiel aus der Hand, erneut gab es zu viele individuelle Fehler. Nach der Führung durch Robert Lewandowski (26.) verloren die Münchner in der zweiten Halbzeit immer weiter die Kontrolle. Einen Strafstoßtreffer von Marco Reus (49.) konterte Lewandowski zur erneuten Bayern-Führung (52.). Wieder Reus (67.) und der eingewechselte Paco Alcácer (73.) drehten das Spiel zugunsten der Dortmunder und sorgten für Ekstase auf den Rängen. Trainer Niko Kovač bemängelte das naive Verhalten seiner Mannschaft: „In so einem Stadion muss man nicht immer hinten rausspielen wollen, sondern auch mal lange Bälle spielen, um die erste Pressinglinie zu überspielen. Da hätten wir als erfahrene Mannschaft anders reagieren können. Dass wir dann zweimal ausgekontert werden, das darf nicht passieren.“

Großen Einfluss auf den Spielverlauf hatten auch die Wechsel der Trainer. Während Lucien Favre mit dem starken Mahmoud Dahoud und Siegtorschütze Alcácer erneut ein goldenes Händchen bewies, verzichtete Kovač über das gesamte Spiel auf James Rodríguez. Berichte, wonach der Kolumbianer am Freitag zu spät zum Treffpunkt vor dem Abflug erschienen sein soll, bezeichnete Salihamidžić als „Fehlinformation“. „Durch die Einwechslungen bei Dortmund wurde Tempo gebracht“, sagte Manuel Neuer. „Damit haben sie uns dann wehgetan.“ Schnelle Offensivspieler suchte man auf der FCB-Bank vergebens.

Nach der Länderspielpause „eine Serie“ starten

In der Tabelle befindet sich der Serienmeister nun klar im Hintertreffen – eine Situation, die die Bayern „akzeptieren und respektieren“, wie Rummenigge sagte. Der 63-Jährige forderte im gleichen Atemzug aber, nach der Länderspielpause „eine Serie“ zu starten. Mats Hummels ergänzte: „Bis zur Winterpause sind es noch sechs Spiele, wenn wir bis dahin noch etwas gutmachen, sieht es gar nicht mehr so schlimm aus.“ Die Hoffnung auf die „richtige“ Bierdusche am Ende der Saison haben die Münchner noch nicht aufgegeben.