Nagelsmann: „Und dann ändert sich alles“

Foto: Juergen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Trainer Julian Nagelsmann machte gute Miene zum bösen Spiel. Gleich drei Innenverteidiger hatte der 31-Jährige beim Bundesliga-Heimauftakt schon vor der zweiten Halbzeit verletzungsbedingt auswechseln müssen.

„Wir haben ja noch ein paar Abwehrspieler im Kader, gut, dass wir keinen abgegeben haben“, merkte der Trainer der TSG 1899 Hoffenheim nach dem 3:1 (0:1)-Erfolg gegen den SC Freiburg an und lächelte ein wenig gequält. Im ersten Champions League-Jahr der Vereinsgeschichte geht die TSG bereits vor der ersten englischen Woche personell auf dem Zahnfleisch. Schließlich verlängerten Ermin Bičakčić (Schlag auf die Achillessehne), Kasim Adams Nuhu (Verletzungen am Bandapparat des Sprunggelenks sowie am Innenknöchel) und der erst kurz zuvor eingewechselte Kevin Akpoguma (Bruch der Augenhöhle und Gehirnerschütterung) die ohnehin lange Liste von Ausfällen, darunter Leistungsträger wie Nadiem Amiri, Kerem Demirbay oder Benjamin Hübner. Noch bevor die Auswirkungen der Doppelbelastung aus Königsklasse und Bundesliga spürbar werden, muss Nagelsmann improvisieren. „Es ist schon skurril, wenn man in der Kaderbenennung versucht, die Positionen abzustecken – und dann ändert sich alles“, sagte er.

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Neun Spieler umfasst das Hoffenheimer Lazarett damit derzeit, dazu ist Vize-Weltmeister Andrej Kramarić (Knieverletzung) noch immer leicht angeschlagen. „Uns fehlt aktuell eine komplette Bundesliga-Mannschaft – und zwar eine gute“, klagte Sportdirektor Alexander Rosen. Zumindest gegen Freiburg hatte Nagelsmann allerdings aus der Not eine Tugend gemacht, nach den Verletzungen von einem 3-5-2 auf ein 4-3-3-System gewechselt. Eine Maßnahme, die Wirkung zeigte. „Wir haben uns in der Pause entschlossen, sehr mutig umzustellen“, erklärte der TSG-Coach. „Danach hatten wir eine unheimlich gute Spielkontrolle.“

„Torgefährlich war er schon immer“

Den Sieg verdankte Hoffenheim neben Nagelsmanns Schachzug allerdings vor allem Ádám Szalai, der nach seinem Treffer beim Liga-Auftakt gegen Bayern (1:3) diesmal sogar doppelt zuschlug (50./63.). Nach der Freiburger Führung durch Dominique Heintz (36.) staubte der Ungar erst ab und vollendete dann eine gute Hereingabe von Nico Schulz. „Torgefährlich war er schon immer, er hat nur nicht immer den Rhythmus gehabt in den letzten Jahren“, lobte Nagelsmann seinen Angreifer. Dazu traf Kramarić (90.+4) ins leere Tor.

Die Länderspielpause kommt den Hoffenheimern nun trotz des insgesamt gelungenen Saisonbeginns durchaus gelegen. Vor dem nächsten Bundesliga-Spiel bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf gibt sie dem Lazarett des Vorjahresdritten etwas Zeit, die Reihen zu lichten. Bis zum ersten Champions League-Gruppenspiel bei Schachtar Donezk (19. September) könnten dann weitere Spieler zurückkehren. Das dürfte auch Nagelsmann die Arbeit wieder etwas leichter machen.