Nagelsmann: „Viele Dinge, die passiert sind, waren so gewollt“

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Fast eine halbe Stunde lang steckten Pep Guardiola und Julian Nagelsmann die Köpfe zusammen, sie gestikulierten, lachten. Der Inhalt des Fachgesprächs unter Taktikfanatikern weit hinten im Kabinentrakt und lange nach der unglücklichen 1:2 (1:1)-Niederlage der TSG 1899 Hoffenheim gegen Manchester City blieb zwar geheim – Guardiola verließ das Sinsheimer Stadion im Anschluss aber ziemlich beeindruckt.

„Ich kannte ihn nicht, das war unser erstes Spiel gegeneinander“, sagte der Teammanager des englischen Meisters. „Aber ich habe viel gelernt. Er denkt viel über das Spiel nach, hat Visionen, ist kreativ. Großes Kompliment an ihn und seine Mannschaft, wir müssen im Rückspiel sehr vorsichtig sein.“ Fast, aber eben auch nur fast hatte Nagelsmann den Startrainer entzaubert. Der TSG-Coach hatte sein stark ersatzgeschwächtes Team gegen den haushohen Favoriten perfekt eingestellt. „City hat zu großen Teilen das gemacht, was wir erwartet haben“, sagte Nagelsmann, immerhin der jüngste Trainer der Champions League-Geschichte. „Viele Dinge, die passiert sind, waren so gewollt.“

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Ishak Belfodil brachte den Bundesligisten vor 24.851 Zuschauern nach 44 Sekunden sogar in Führung. Nagelsmann sah weitere „sechs bis sieben Situationen, die brandgefährlich hätten werden können“. Sergio Agüero (8.) und David Silva (87.), der einen Patzer des jungen Stefan Posch in der Schlussphase gnadenlos ausnutze, verhinderten aber die Sensation. „Wir haben unfassbar viele Ausfälle gehabt, deshalb sind wir stolz, so gut mitgehalten zu haben“, sagte Nagelsmann, der auf zehn Spieler hatte verzichten müssen, darunter Kapitän Kevin Vogt und Nationalspieler Nico Schulz. „Am Ende tut es trotzdem weh. Auf diesem Niveau ist es nun einmal so, dass ein Fehler bestraft wird.“

Posch: „Ich werde daraus lernen“

Der 21 Jahre alte Posch verlor den entscheidenden Zweikampf gegen Silva in einer „ekligen“ Situation, wie er sagte: „Der Ball kommt halbhoch (in den Strafraum; Anm. d. Red.), ich muss ihn eigentlich sofort zur Ecke klären. Aber ich werde daraus lernen. Schlechter wird man nicht, wenn man gegen so schnelle Gegner wie Leroy Sané, Sergio Agüero und Raheem Sterling spielt.“ Viel Zeit, um besser zu werden, hat die TSG allerdings nicht. Mit einem Punkt aus zwei Spielen sind die Kraichgauer Letzter der Gruppe F. ManCity (drei Punkte) mit den deutschen Nationalspielern Sané und İlkay Gündoğan belegt vor Schachtar Donezk (2) den zweiten Platz.

Am 23. Oktober empfängt Hoffenheim Tabellenführer Olympique Lyon (4). Bis dahin hofft Nagelsmann auf die Rückkehr zumindest einiger Profis aus dem Lazarett. „Wir sind ein Team, in dem die Spieler permanent an ihr Limit oder darüber hinaus gehen müssen“, sagte der 31-Jährige. „Es reicht nicht wie bei Borussia Dortmund oder den Bayern, ein Spiel mit 70 Prozent zu machen. Wir müssen in jedem Spiel über uns hinauswachsen. Wenn sich das durch mehr Spiele häuft, dann brechen die Spieler weg.“