Nagelsmann wühlt tief in der Videokiste

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim kämpft gegen Schachtar Donezk gegen das Aus in der Champions League – zumindest die Teilnahme an der Europa League soll gesichert werden.

Das neueste Video auf seinem Laptop schützte Julian Nagelsmann mit aller Macht vor „Hacker-Angriffen“. „Welches Team es ist, verrate ich nicht. Nein, ich verrate es nicht“, sagte der Trainer der TSG hartnäckig. Zuvor hatte Nagelsmann angekündigt, dass er seinen Profis das Abwehrverhalten „eines der größten Teams der Welt“ vorführen wird: „Das soll unser Vorbild sein. Bei denen verdient der Zeugwart mehr als die meisten Spieler bei uns.“ Die Geheimniskrämerei vor dem Champions League-Spiel am Dienstag (21 Uhr) gegen Donezk dient nur einem Zweck: Der Bundesligist will im fünften Anlauf seinen ersten Dreier in der Königsklasse holen. „Das Abenteuer soll noch nicht enden“, betonte Kapitän Kevin Vogt.

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Die Ausgangslage vor den abschließenden beiden Spieltagen der Gruppe F ist klar: Hoffenheim (3 Punkte) würde sich mit einem Sieg gegen Donezk (2) den dritten Platz und damit die Teilnahme an der Europa League sichern. Für den Einzug ins Achtelfinale braucht die TSG einen optimalen Verlauf. Das liegt daran, dass Olympique Lyon (6) den direkten Vergleich gegen die Hoffenheimer gewonnen hat. Deshalb müssen die Kraichgauer auch im letzten Gruppenspiel bei Manchester City (9) etwas holen. Um die Chance auf ein „Endspiel“ in Manchester zu bekommen, sollten die Hoffenheimer endlich ihre Defensive in den Griff bekommen. Das zeigte sich nicht erst beim 3:3 am Samstag in der Liga bei Hertha BSC. Auch die neun Gegentore in den ersten vier Partien der Königsklasse sind Nagelsmann eindeutig zu viel.

„Für eine richtige Spitzenmannschaft reicht das“

„Der maximale Wille zum Erfolg in der Defensive ist nicht bei allen in der Rübe drin. Im Grunde müssen wir nur besser verteidigen, das ist der Schlüssel. Das ist aber keine Frage der Taktik oder des Trainings – das beginnt zwischen den Ohren“, sagte der Coach, der gegen Donezk auf Dennis Geiger, Benjamin Hübner, Nadiem Amiri, Lukas Rupp und Florian Grillitsch verzichten muss. Nach Ansicht Nagelsmanns macht die mangelhafte Einstellung zur Abwehrarbeit den Unterschied.

„Viel mehr Chancen als wir, die wir fast in jedem Spiel der Champions League der Außenseiter sind, kann man sich nicht herausspielen“, äußerte der 31-Jährige. „Zwei, drei Tore schießen wir fast immer. Für eine richtige Spitzenmannschaft reicht das – bei uns nicht so oft.“ Immerhin haben die Profis die Kritik angenommen. „Wir müssen den Schalter umlegen und den Fokus auf die Defensive richten. Tore schießen können wir. Aber diese vielen Gegentore – das ist unglaublich“, sagte Spielmacher Kerem Demirbay. „Wir müssen alle besser verteidigen. Wenn wir gegen Donezk alles daransetzen, ohne Gegentor zu bleiben, dann gewinnen wir.“