Nagelsmanns Denksportaufgabe für Lyon

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim muss in der Champions League bei Olympique Lyon gewinnen, um die Chancen auf den Einzug in die K.o.-Runde zu wahren. Julian Nagelsmann nahm wilde Entschlossenheit und eine Denksportaufgabe für den Gegner mit an Bord.

„Es ist uns bewusst, dass wir zwingend gewinnen müssen – und so gehen wir auch ins Spiel“, sagte der Trainer vor dem kurzen Flug am Dienstagnachmittag vom Baden-Airpark ins rund 400 Kilometer entfernte Lyon. „Wir sind sicher nicht einfach zu analysieren, die müssen überlegen. Wir waren schon im Hinspiel die bessere Mannschaft – und ich werde die Jungs so vorbereiten, dass wir das auch im Rückspiel sein können.“ Tatsächlich war der Bundesligist vor zwei Wochen beim spektakulären 3:3 (1:1) in der Champions League gegen Lyon überlegen. Doch drei Abwehrschnitzer führten dazu, dass die TSG am Ende noch glücklich über den Ausgleich in der Nachspielzeit sein musste. „Der Punkt kann in der Tabelle noch ganz wichtig werden“, sagte Nagelsmann vor dem Spiel am Mittwoch (21 Uhr). „Wir werden offensiv auftreten. Dennoch müssen wir auch defensiv mitdenken, weil es nahezu ein K.o.-Spiel ist.“

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Das sieht der TSG-Coach richtig. Durch einen Sieg würden die Kraichgauer (zwei Punkte) in der Gruppe F mit Lyon (fünf Zähler) auf Platz zwei gleichziehen. Jedes andere Ergebnis wäre vor den ausstehenden Spielen gegen Schachtar Donezk und bei Manchester City fast schon gleichbedeutend mit dem vorzeitigen Aus. Dann wäre nur noch das Erreichen der Europa League realistisch. Doch an dieses Szenario denkt beim Bundesliga-Siebten vor dem Duell mit dem Vierten der Ligue 1 niemand. Der famose Auftritt am Samstag beim 4:1 (2:1) bei Bayer 04 Leverkusen hat mögliche Zweifel an der eigenen Stärke endgültig beseitigt. „Das war ganz wichtig für das Selbstvertrauen. Die Jungs haben gemerkt, dass wir in verschiedensten Varianten erfolgreich sein können“, sagte Nagelsmann.

„Da müssen wir als Einheit dagegenhalten“

Die damit verbundene Unsicherheit für die Scouts der Franzosen sieht der 31-Jährige, der auf die Langzeitverletzten Benjamin Hübner, Nadiem Amiri, Lukas Rupp und Dennis Geiger verzichten muss, als weiteren Vorteil. „Die werden sich das Spiel bei Bayer sicher angeschaut haben – und trotzdem nicht genau wissen, wie wir spielen“, sagte der scheidende TSG-Erfolgstrainer, der ab der kommenden Saison RB Leipzig betreut. „Wir sind in der Lage, hoch zu verteidigen – aber wir können auch kontern und tiefer verteidigen.“ Noch wichtiger als die Taktik ist nach Ansicht der Profis die Einstellung. „In Lyon müssen wir die gleiche Leidenschaft auf den Platz bringen wie in Leverkusen – dann können wir einen Sieg schaffen. Das wird ein Hexenkessel, da müssen wir als Einheit dagegenhalten“, sagte Torwart Oliver Baumann. Fast wortgleich äußerten sich Joelinton und Reiss Nelson: „Wenn wir auftreten wie in Leverkusen, dann können wir gewinnen.“ Und für Vincenzo Grifo ist klar: „Wir wollen in der Champions League weiterkommen. Deshalb werden wir alles raushauen.“