Nagelsmanns letzte Mitgliederversammlung

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Der scheidende Trainer Julian Nagelsmann hat seine vorerst letzte Mitgliederversammlung bei der TSG 1899 Hoffenheim erlebt. Wehmut lag in der Luft. Im Sommer wechselt der Coach zu Liga-Konkurrent RB Leipzig.

Es hatte schon etwas von Abschied. Der Weihnachts-Klassiker „Merry Christmas Everyone“ von Shakin‘ Stevens lief bereits als Rausschmeißer, da schoss Julian Nagelsmann noch fleißig Selfies und schrieb Autogramme. Es schien fast so, als wolle der scheidende Trainer der TSG Hoffenheim bei seiner vorerst letzten Mitgliederversammlung jedem Klubangehörigen persönlich „tschüss“ sagen. Zuvor nutzten die Mitglieder ihre finale Gelegenheit, um dem Erfolgscoach für seine herausragende Arbeit zu danken. Erst wurde Nagelsmann, der mit seinem karierten Sakko auch modisch ein Ausrufezeichen setzte, mit großem Applaus im Staufersaal des Kongresshotels Palatin in Wiesloch empfangen. Dann wurde sein Schaffen während der rund zweistündigen Versammlung immer wieder gewürdigt.

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Und das völlig zurecht. Schließlich übernahm der Trainer den Bundesligisten vor knapp drei Jahren auf einem Abstiegsplatz. Auf die Rettung folgte Platz vier und die erstmalige Teilnahme an der Europa League in der darauffolgenden Spielzeit. Ein Jahr später war es der dritte Platz und die Premierensaison in der Champions League. Die Arbeit Nagelsmanns führte ganz nebenbei dazu, dass die Profiabteilung ein finanzielles Rekordergebnis nach dem anderen einfahren konnte. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (Stichtag 30. Juni) stiegen die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um 47 Prozent auf 163 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis kletterte von zuvor einer Million auf gut 28 Millionen Euro.

Nachfolger in Hoffenheim noch offen

Dass angesichts dieser Erfolgsgeschichte bei vielen der 542 anwesenden Mitgliedern große Wehmut aufkam, war verständlich. Denn die Zeit Nagelsmanns im Kraichgau läuft ab. In einem halben Jahr, am 18. Mai 2019, wird der 33-Jährige während der Partie beim 1. FSV Mainz 05 zum letzten Mal an der Seitenlinie der Hoffenheimer stehen. Dann wechselt der Oberbayer zum Ligarivalen Leipzig. Der große Förderer Nagelsmanns nahm sich allerdings keine Zeit für warme Worte. Mehrheitseigner Dietmar Hopp fehlte zum ersten Mal seit etlichen Jahren bei der Versammlung, der Milliardär weilt derzeit in den USA. Wäre der 78-Jährige vor Ort gewesen, hätte er sicher Fragen hinsichtlich des Nagelsmann-Nachfolgers beantworten müssen. Nach wie vor gilt Marco Rose (RB Salzburg) als Favorit.

Immerhin dürfte Hopp auch auf der anderen Seite des Atlantiks mit Freude registriert haben, dass er weiter auf seinen Vertrauten Peter Hofmann an der Spitze des Vereins bauen kann. Der Klubchef, der bereits seit über 22 Jahren die Geschicke der TSG offiziell bestimmt, wurde einstimmig in seinem Amt bestätigt. Das Fehlen Hopps nutzte Hofmann, um selbst ins Rampenlicht zu treten. Der 59-Jährige attackierte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Spitzenreiter Borussia Dortmund. Hofmann warf Watzke vor, dass er die „Diskriminierung“ Hopps durch die Dortmunder Anhänger decke. „Wie ich gelesen habe, bekommen Sie Brechreiz, wenn Sie die Farben des Auswärtstrikots von Bayern München sehen“, sagte Hofmann während seiner Rede und fragte: „Was passiert eigentlich mit ihrem Körper, wenn Sie Dietmar Hopp im Fadenkreuz erleben?“